29. Juli 2021 / 10:03 Uhr

Dietmar Hamann kritisiert Simone Biles für Olympia-Rückzug: "Dann bin ich raus"

Dietmar Hamann kritisiert Simone Biles für Olympia-Rückzug: "Dann bin ich raus"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann hat den überraschenden Rückzug von Simone Biles deutlich kritisiert.
Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann hat den überraschenden Rückzug von Simone Biles deutlich kritisiert. © IMAGO/ZUMA Wire/Shutterstock
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Der frühere Fußball-Nationalspieler Dietmar Hamann hat sein Unverständnis über den Rückzug von Turn-Superstar Simone Biles bei Olympia geäußert. Die 24-Jährige hatte zuvor mentale Probleme öffentlich gemacht.

Der Rückzug von Turn-Superstar Simone Biles bei den Olympischen Spielen sorgt auch über Tokio hinaus für Aufregung in der Sport-Welt. Der frühere Fußball-Nationalspieler Dietmar Hamann kritisierte die viermalige Olympiasiegerin scharf, die am Mittwoch wegen mentaler Probleme ihren Start im Einzel-Mehrkampf abgesagt hatte und einen Tag zuvor aus dem Mehrkampf-Finale der Teams nach einem Gerät ausgestiegen war. "Wenn sie eingereist ist, würde ich sagen, dass sie in der Lage war, auch anzutreten", twitterte der 47-Jährige, der zuvor dem britischen TV-Entertainer Piers Morgan beigepflichtet hatte, der im Kurznachrichtendienst einen Artikel des Magazins The Week mit dem Titel "Der Rückzug von Simone Biles ist beeindruckender als ein Sieg" mit den Worten "Ruhe in Frieden, Sport - ich werde dich vermissen" kommentierte.

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Nachdem Hamann ("Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Gut gesagt, Piers") - ebenso wie der umstrittene Morgan - für diese Meinung Gegenwind erhielten, lieferte sich der Ex-Profi, der aktuell als TV-Experte für Sky arbeitet, Diskussionen mit mehreren Usern. Hamann hat dabei wenig Verständnis für Biles - und den Zuspruch, den sie nach ihrem Rückzug erhalten hatte. "Wenn Aufgeben und Versagen das neue Gewinnen sind, dann bin ich raus", stellte der Champions-League-Sieger von 2005 klar.

Biles: "Ich bin mehr als meine Leistungen und das Turnen"

Biles hatte sich ebenfalls via Twitter für die Unterstützung bedankt, die ihr zuteil geworden war. "Die überströmende Liebe und Unterstützung, die ich erhalten habe, haben mir klar gemacht, dass ich mehr bin als meine Leistungen und das Turnen. Daran habe ich vorher nie wirklich geglaubt", so die 24-Jährige. "Ich sage, die mentale Gesundheit steht an erster Stelle. Daher ist es manchmal in Ordnung, die großen Wettbewerbe sogar auszusitzen, um sich auf sich selbst zu konzentrieren. Es zeigt, wie stark du als Wettkämpfer und Person wirklich bist anstatt sich einfach durchzukämpfen", hatte Biles gesagt und sprach vom "Kampf gegen Dämonen". Ohne sie hatten die anderen drei US-Turnerinnen Sunisa Lee, Jordan Chiles und Grace McCallum Silber hinter den russischen Athletinnen gesichert.

In der Interviewzone sprach Biles auch über das Gefühl, nicht mehr selbst über sich und ihren Sport bestimmen zu können. "Diese Olympischen Spiele wollte ich für mich haben und ich kam hierher und dachte, dass ich es weiter für andere Leute mache. Das schmerzt mein Herz sehr. Das zu tun, was ich liebe, ist mir irgendwie genommen worden, um anderen Menschen zu gefallen", sagte sie, die dem US-Turnen über Jahre Glanz und weltweite Anerkennung eingebracht hatte. Für ihre Offenheit erntete die 19-malige Weltmeisterin Respekt und eine Welle der Sympathie bis hin zum Weißen Haus. "Dankbarkeit und Unterstützung sind das, was Simone Biles verdient", twitterte Sprecherin Jen Psaki. Biles sei immer noch die Größte.

Öffentlich über psychische Probleme oder Krankheiten wie Depressionen reden die wenigsten. Auch Tennisstar Naomi Osaka hatte Ende Mai für Aufsehen gesorgt und Debatten ausgelöst. Die Japanerin zog sich bei den French Open zurück und sprach über längere Depressionsphasen.