30. September 2016 / 23:59 Uhr

Dietmar Hirsch im Interview: Ich holte Rolf Martin Landerl zum VfB Lübeck

Dietmar Hirsch im Interview: Ich holte Rolf Martin Landerl zum VfB Lübeck

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Anzeige

Der 44-Jährige war Spieler und Sportchef in Lübeck und ist jetzt Trainer in Oldenburg. Vor dem Duell am Sonntag stellte sich "Didi" dem Sportbuzzer zum Interview.

Am Sonntag gastiert der VfB Lübeck beim Vizemeister der Vorsaison, VfB Oldenburg. Für Dietmar Hirsch, den aktuellen Trainer der Oldenburger, ist es in jeglicher Hinsicht ein besonderes Spiel. Der 44-Jährige abreitete als Spieler und Sportlicher Leiter bei den Grün-Weißen, hat noch immer viele Freunde im Verein. Und: 2009 holte er den heutigen Lübeck-Trainer Rolf Landerl erstmals zum VfB, damals noch als Spieler. Was er über Landerl denkt und wie er den Saisonstart der Oldenburger einschätzt, das verrät er im exklusiven Sportbuzzer-Interview.

Anzeige

LN-Sportbuzzer:Der letztjährige Vizemeister VfB Oldenburg ist beim Blick auf die Tabelle nur Neunter. Enttäuscht?
Dietmar Hirsch: Nicht unbedingt. Wir haben 18 Neuzugänge, einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgegeben. Der Aufstieg war für uns in diesem Jahr kein Thema. Wir vollziehen einen Umbruch, wollen den Verein solide aufstellen.

LN-Sportbuzzer:Dennoch erwarten manche mehr, wenn sie den Namen VfB Oldenburg hören.
Hirsch: Natürlich, wir sind ein Traditionsverein. Aber wir können uns finanziell nicht mit den ganz Großen dieser Liga messen. In dieser Mannschaft steckt grundsätzlich viel Qualität, wir sind aber noch zu labil, verlieren zu oft die Übersicht, machen ärgerliche, individuelle Fehler. Wenn wir unsere Spitzenleistungen aber abrufen, können wir gegen jeden Gegner in dieser Liga gewinnen. Leider war das zuletzt noch zu selten der Fall.


LN-Sportbuzzer:Woran ist das festzumachen?
Hirsch: Unser Toptorjäger Kifuta hat sich eine Knorpelverletzung zugezogen, fällt lange aus. Darüber hinaus haben viele Leistungsträger den Verein verlassen. Wir sind ein Ausbildungsverein geworden, bei allem Verdruss über die schwierigen letzten Wochen und den knapp verpassten Aufstieg müssen wir auch stolz darauf sein. Ein Spieler ist in die zweite Liga zu Würzburg gegangen, ein anderer zu Werder Bremen, dazu einer in die holländische zweite Liga und einige in die 3. Liga. Um die zu ersetzen, brauchen wir aber Zeit.

LN-Sportbuzzer:Kifutas Verlust wurde durch die Verpflichtung des Ex-Lübeckers Christopher Kramer und Holstein-Angreifer Conrad Azong kompensiert. Keiner von beiden hat bisher getroffen.
Hirsch: Christopher braucht noch Zeit. Jeder, der ihn noch aus Lübecker Zeiten kennt, weiß aber, dass er unermüdlich arbeitet und irgendwann das Glück haben wird. Das gleiche gilt für Conrad, der auch schon für die Nord-Ostsee-Auswahl am Ball war und fraglos ein starker Stürmer ist. Aber Kifutas Verlust wiegt schwer. Ich vergleiche das immer mit Robert Lewandowski, wenn der sich verletzt, dann hat Bayern auch Mühe, diese 30 Tore zu ersetzen.

LN-Sportbuzzer: Unter welchen Bedingungen arbeitest Du in Oldenburg?
Hirsch: Ich kann praktisch immer trainieren, wir arbeiten sehr professionell. Einzig unser dritter Torwart absolviert zurzeit eine Ausbildung. Alle anderen Spieler sind so positioniert, dass sie dem Fußball alles unterordnen. Das heißt nicht, dass sie wie Profis verdienen, aber sie verpassen praktisch keine Trainingseinheit. Viele sind Studenten.

"Der VfB Lübeck wird eine gute Rolle spielen"

LN-Sportbuzzer:Als langjähriger Ex-Lübecker beobachtest Du den anderen VfB sicher noch sehr genau. Beeindruckt vom Saisonstart?
Hirsch: Beeindruckt bin ich nicht, aber wir respektieren den VfB Lübeck wie jeden anderen Gegner. Auch wenn es abgedroschen klingt, aber derzeit gucke ich wirklich nicht auf die Tabelle. Grundsätzlich ist die Liga sehr ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen. Ich denke aber, dass der VfB Lübeck eine gute Rolle spielen wird.

LN-Sportbuzzer:Hast Du Lübeck zuletzt beobachtet?
Hirsch: Wir haben die Möglichkeit, alle Regionalliga-Spiele komplett im Video zu sehen. Das ist vor allem in Lübeck aufgrund einer tollen Kameraposition auch echt komfortabel. Extra da war ich nicht, aber wir werden gut vorbereitet sein.

LN-Sportbuzzer: Wie oft bist Du noch in Lübeck?
Hirsch: Kaum noch. Ich lebe ja nicht mehr in Lübeck, meine Familie ist nach Westdeutschland gezogen und ich bin in Oldenburg. Das hat den Vorteil, dass ich mich ständig mit Fußball beschäftigen kann - bedeutet aber auch ein nicht unerhebliches privates Opfer. Wir haben uns aber dazu entschlossen, um flexibler zu sein - der Fußball ist schließlich ein Tagesgeschäft.

LN-Sportbuzzer:Du bist jetzt seit 22. September 2015 Trainer des VfB Oldenburg, hast also gerade dein einjähriges Jubiläum begangen. Wie fällt Deine Zwischenbilanz aus?
Hirsch: Das ist schwierig. Wir sind natürlich sehr zufrieden mit der letzten Saison, auch wenn es mit dem Drittliga-Aufstieg knapp nicht gereicht hat. Verschiedene Spieler haben sich für höhere Aufgaben empfohlen, auch das sehen wir als positiv. Mit den Topklubs können wir aber nicht mithalten. Unser Saisonziel ist jetzt ein einstelliger Tabellenplatz.

LN-Sportbuzzer:Du kennst Lübecks neuen Trainer Rolf Martin Landerl aus gemeinsamen Lübecker Zeiten...
Hirsch: ...nicht nur das, ich habe ihn gemeinsam mit Peter Schubert sogar 2009 als Spieler verpflichtet...

LN-Sportbuzzer: ...wie hast Du ihn während Eurer gemeinsamen Zeit in Lübeck erlebt?
Hirsch: Es ging ja nicht lange. Er kam im August 2009 zum VfB, im September war dann für mich Schluss. Deswegen sind die Berührungspunkte nicht gerade groß. Was ich sagen kann: Er ist ein absoluter Profi, der Lübeck fußballerisch schon extrem weiterentwickelt hat. Letztes Jahr haben sie viel mit langen Bällen operiert, versuchen es jetzt, spielerisch zu läsen. Seine Handschrift ist erkennbar. Er arbeitet sehr akribisch, das gefällt mir.

LN-Sportbuzzer:Was für ein Spiel können wir am Sonntag erwarten?
Hirsch: Wir haben immer ein gutes Publikum, das sicherlich ordentlich Stimmung machen wir. Ich hoffe auch, dass viele Fans aus Lübeck mitkommen werden und es ruhig bleibt. Hoffentlich erleben beide Seiten ein attraktives und spannendes Spiel.

LN-Sportbuzzer:Dietmar, vielen Dank für das Gespräch.