22. Februar 2020 / 18:39 Uhr

Gladbach-Manager Max Eberl schimpft über "Hornochsen" und Banner gegen Dietmar Hopp: "Ich schäme mich"

Gladbach-Manager Max Eberl schimpft über "Hornochsen" und Banner gegen Dietmar Hopp: "Ich schäme mich"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gladbach-Manager Max Eberl war wegen der Banner, die im Gladbach-Block gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp gezeigt wurden, außer sich.
Gladbach-Manager Max Eberl war wegen der Banner, die im Gladbach-Block gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp gezeigt wurden, außer sich. © imago images/Horstmüller/Getty
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Das Schmäh-Plakat gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist der Aufreger des 23. Bundesliga-Spieltags. Der 79-Jährige wurde von Anhängern von Borussia Mönchengladbach im Fadenkreuz gezeigt. Gladbach-Manager Max Eberl war nach dem Spiel außer sich vor Wut.

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Die Spielunterbrechung, die einige Anhänger von Borussia Mönchengladbach beim Heimspiel ihrer Mannschaft gegen die TSG Hoffenheim (1:1) mit Schmähplakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp provoziert haben, hat Gladbach-Manager Max Eberl zu einer Wutrede veranlasst. "Diese Unterbrechung lässt uns bestürzt zurück", klagte der Ex-Profi bei Sky. Zuvor hatten einige Vermummte in der Nordkurve ein Banner mit Hopp im Fadenkreuz hochgehalten. Auf weiteren Plakaten wurde der 79-Jährige schwer beleidigt.

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Eberl hatte die Anhänger während einer von Schiedsrichter Felix Brych verhängten Spielunterbrechung konfrontiert - sichtlich erregt. Auch Gladbachs Kapitän Lars Stindl war vor die Tribüne getreten. Für derartige Aktionen wolle man nicht stehen, versicherte Eberl. "Wir haben vor dem Spiel ein klares Statement gesetzt mit der Schweigeminute für ein dramatisches Ereignis, was diese Woche passiert ist (der offenbar rassistisch motivierte Anschlag von Hanau, d. Red.). Wir sind gegen Rassismus und Ausgrenzung und dann müssen 50 Hornochsen so ein Plakat hochhalten. Dafür schäme ich mich." Auch Sky-Experte Dietmar Hamann sprach von einer "schandhaften" Aktion. Hopp habe sich im Kraichgau "sehr verdient gemacht, er hat viel Gutes getan".

Schiedsrichter Felix Brych: "Habe gebeten, dass das Plakat entfernt wird"

Schiedsrichter Brych hatte die Partie unterbrochen, damit das Banner abgehängt wird. "Ich denke, wir können dafür sorgen, dass sich die Mannschaften und Fans gegenseitig respektieren. Das war nicht der Fall für mich, deshalb habe ich darum gebeten, dass dieses Plakat entfernt wird. Dabei haben mir die Gladbacher Verantwortlichen sehr geholfen. Ich habe gesagt, dass ich erst weiterspielen werde, wenn das Plakat entfernt ist", sagte der Unparteiische nach dem Spiel bei Sky.

Unter dem Motiv mit Hopp im Fadenkreuz, das vor Jahren in ähnlicher Form im Fanblock von Borussia Dortmund aufgetaucht war, zeigten die Anhänger weitere Transparente. "Hurensöhne beleidigen einen Hurensohn und werden von Hurensöhnen bestraft", hieß es auf dem Plakat. Ein weiteres Transparent zeigte die Botschaft: "Kollektivstrafen abschaffen." Es war eine klare Reaktion auf die vom DFB-Sportgericht verhangene zweijährige Sperre gegen Anhänger des BVB, die wegen wiederholter Schmähungen gegen Hopp zwei Jahre lang nicht zu den Dortmund-Spielen nach Hoffenheim reisen dürfen.

Hoffenheim-Torwart Baumann: "Das grenzt an eine Morddrohung"

Auch andere Protagonisten des abwechslungsreichen Bundesliga-Spiels zwischen Gladbach und der TSG äußerten sich bestürzt angesichts der Schmähungen. "Es sollte sich jeder mal mit Herrn Hopp beschäftigen, was für ein toller Mensch er ist und was er alles geleistet hat", sagte Hoffenheim-Torwart Oliver Baumann. Sein Trainer Alfred Schreuder wurde ebenfalls drastisch: Man könne angesichts solcher Beleidigungen auch wieder nach Hause fahren, "dann kann Gladbach die drei Punkte haben".

Schon während der offenbar konzertierten Aktion einiger Gladbach-Fans hatte der Großteil des Stadions seine Wut über die Banner zum Ausruck gebracht. "Es war kein Ruhmesblatt von 50 Menschen", betonte Eberl. "99 Prozent haben reagiert, sind aufgestanden, selbst der nahe Umkreis in diesem Kessel hat mir gezeigt, sie haben damit nichts zu tun, wollen damit nichts zu tun haben. Das ist für mich das wichtige Zeichen, dass nicht ein Großteil, sondern der überragende Teil der Menschen sich gegen diese Plakate gewehrt hat", sagte der Borussen-Manager. "Es war eine Aktion von 50 dummen Menschen. Ich möchte diese Fans nicht bei uns haben, wir wollen Fußballfeste feiern", sagte Eberl und betonte: "Ausgrenzung und Rassismus haben keinen Platz in diesem Stadion."

Eberl will Strafe wegen Hopp-Banner akzeptieren

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Auch Gladbachs Innenverteidiger Matthias Ginter hatte kein Verständnis für die Banner gegen Hopp, die er als "generell unnötig" bezeichnete. "Es geht um einen Menschen, der da beleidigt wurde. Wir alle gehen doch ins Stadion, um ein gutes Spiel zu sehen", sagte der Nationalspieler. Für die Banner dürfte Gladbach eine Strafe aufgebrummt bekommen. Die will Eberl nicht anfechten: "Wenn eine Strafe käme, müssten wir sie akzeptieren."