05. Juni 2020 / 19:58 Uhr

Dietmar Thake fehlen zehn Zentimeter

Dietmar Thake fehlen zehn Zentimeter

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Dietmar Thake (untere Reihe, Vierter von links) hütet 1989 das Tor des frisch fusionierten ASC Pollhagen-Nordsehl. © privat
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Pollhäger Dietmar Thake wird als Torhüter von einer 96-Legende fast für die Regionalliga entdeckt, hadert aber mit einem Manko und stellt für den Sportbuzzer seine ganz persönliche Traumelf auf.

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Torhüter und Linksaußen haben, schenkt man zahlreichen Fußballlegenden Glauben, eine Macke. „Das trifft auch auf mich zu“, gibt Dietmar Thake, der über viele Jahre einer der besten Schaumburger Ballfänger war, unumwunden zu. Dass der Pollhäger überhaupt Fußballer wurde und auch noch im Kasten landete, ist Thorsten Westenberger zu verdanken. Der heutige Fußballlehrer und ehemalige Trainer des VfR Evesen bewies schon als Steppke Durchblick und stellte Thake kurzerhand ins Tor der neu gemeldeten D-7er-Jugend des damaligen ASV Pollhagen.

„Als Feldspieler hatte ich kein Talent. Wenn Mannschaften gewählt wurden, kam ich meist als Letzter ins Team“, erinnert sich „Didi“, der es fast bis in die Regionalliga, damals die dritthöchste Spielklasse, geschafft hätte. Aber eben nur fast, dazu später mehr.

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Thorsten Westenberger (hintere Reihe, Dritter von links) brachte Dietmar Thake (vordere Reihe, Mitte) ins Tor. © privat
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Unter Trainer Carlo Steinberg stiegen die jungen Kicker bis zur A-Jugend in allen Altersklassen auf. „Die ASV-Teams spielten damals alle im Bezirk“, sagt Thake nicht ohne Stolz in der Stimme. Gespielt wurde noch am Waldrand an der Natenhöher Straße. „Werner Hirschfeld, Keeper der ASV-Ersten, war damals mein großes Idol.“

Seine ersten Handschuhe hatten „etwas Gummi“ drauf, damit der Ball nicht rutschte. Später besorgte Steinberg dann richtige Torwarthandschuhe, „die habe ich gehütet wie meinen Augapfel und auch sehr lange getragen“. Geld war im Hause Thake für Fußball und Vereinsbeiträge eigentlich nicht vorgesehen, der Sport aber geduldet.

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Schnittig: Dietmar Thake mit modischer Frisur. © privat

Die Eltern taten gut daran, denn Thake junior entwickelte sich mit entsprechendem Ehrgeiz gut. Nach einem Freundschaftsspiel wollte ihn sogar Hannover 96 für seine Jugendteams verpflichten. „Damals konnte man noch tricksen, Carlo Steinberg hat mich älter gemacht – und dann haben sie Marc Cholewa mitgenommen.“ Der habe sich dort zu einer Granate entwickelt“, erinnert sich Thake ohne Groll an die verpasste Chance zurück.

Im Herrenbereich schaffte der gelernte Maurer 1989 gleich den Sprung ins frisch installierte Fusionsteam des ASC Pollhagen-Nordsehl. „Es war eine schöne Zeit in der Bezirksklasse. Mit Bernd Hillmann, Rainer Bövers, Ratko Stevanovic, Rainer Dammeier und vielen anderen hatten wir unter Trainer Reinhard Stemme eine gute Mannschaft – auch wenn ich mich nach anstrengenden Arbeitstagen oft nur zum Training geschleppt habe“, berichtet der 51-Jährige.

Spielerisch die beste Zeit

Zum ersten Mal auf Abwege kam Thake nach einem Anruf von Konrad Schubert, der damalige TSV-Manager lockte ihn nach Hagenburg. „Dort hatten wir ein richtig starkes Team, haben gleich den Durchmarsch in die Bezirksliga geschafft. Spielerisch war das die beste Zeit.“ Ralf Kage habe die Mannschaft getragen und sei einer seiner besten Trainer gewesen. Die Seeprovinzler ließen aufhorchen und wurden vor allem von der „mit Scheinen wedelnden“ Konkurrenz aus dem benachbarten Wunstorf „auseinandergepflückt“.

Auch Thake ließ sich kurze Zeit später locken, als Kage im Barnestadion das Ruder von Coach Reinhard Adler übernahm. „Als der Anruf kam, haben wir das schnell eingetütet.“ Die damalige Bezirksoberliga sei sehr stark gewesen, erinnert sich der Keeper auch an Spiele gegen die Amateure von Hannover 96. Aber für Thake ging es nicht nur bergauf, irgendwann war er nur noch die Nummer zwei im Wunstorfer Kasten und kehrte zum TSV Hagenburg und später sogar noch einmal zum ASC zurück.

Dem fehlen zehn Zentimeter

Nach einem Kick in Steinhude sollte die bereits erwähnte große Chance kommen. Thake fiel Dieter Schatzschneider ins Auge, der ein Probetraining beim Regionalligisten SF Ricklingen, Mitte der neunziger Jahre die Nummer zwei im hannoverschen Fußball, ermöglichte. Der ehemalige Torjäger von Hannover 96 ahnte es aber vorab: „Dem fehlen zehn Zentimeter.“ Die 1,79 Meter Körpergröße machte dem Schaumburger tatsächlich einen Strich durch die Rechnung. „Das konnte ich auf diesem Niveau auch durch meine starke Sprungkraft nicht ausgleichen“, räumt Thake ein. Zudem habe er nicht nur zu dieser Zeit Probleme mit seinem Daumen gehabt. Dennoch nahm der Keeper aus dem Probetraining viel mit. „Ich war zwar traurig, aber es war eine tolle Erfahrung, auch wenn es – berechtigt – nicht gereicht hat. Das habe ich akzeptiert.“

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Dietmar Thake wechselt Anfang der neunziger Jahre nach Hagenburg. © privat

Thake war kein Allerweltskeeper, er fischte mit seiner Sprungkraft Bälle, die andere bereits im Tor gesehen haben. Dennoch gibt ihm ein Manko noch heute Rätsel auf. „Mit meinen Abstößen vom Fünfmeterraum bin ich nicht über die Mittellinie gekommen. Ich weiß nicht warum, aber es war eine einzige Katastrophe.“ Thake sagt von sich selbst, dass er „auch mal eine große Fresse“ gehabt habe. „Ich konnte auch ein Arsch sein und habe auf dem Platz schon mal herumgebölkt.“ Aber er blickt zufrieden auf eine schöne Zeit zurück. „Vor allem die tolle Kameradschaft ist in Erinnerung, nach dem Spiel war immer alles vergessen. Ich möchte die geile Zeit in den achtziger und neunziger Jahren nicht eintauschen.“ Ein harter Hund war Thake als Torwarttrainer, seine Einheiten sollen, so hat es sein Schützling Marc Windhorn formuliert, „wie ein Besuch beim Zahnarzt“ gewesen sein.

Inzwischen geht es der Pollhäger ruhiger an, hat zum zweiten Mal das Amt des Managers beim designierten Bezirksligisten TSV Hagenburg angetreten. Aber der Kreis hat sich geschlossen, Thake hat gebaut, wohnt mit seiner Frau Sandra und den beiden Töchtern wieder in Pollhagen.
Früher hat Thake lange Läufe gehasst, heute joggt er freiwillig zehn Kilometer. Und „bekloppt“ ist er immer noch. Mit 46 Jahren stellte er sich bei der Hallenmasters-Endrunde ins TSV-Tor und wurde als bester Keeper ausgezeichnet.

„Ich hatte hinterher wochenlang fürchterliche Schmerzen und stelle mich in der Halle nie wieder in ein Fußballtor.“ Ein Comeback gab es dann doch noch. Thake sprang im vergangenen Oktober einmal bei der TSV-Reserve ein, entführte beim Aufstiegsaspiranten SV Nienstädt 09 – natürlich ohne Gegentor – drei Punkte. „Fußball ist halt Freude pur. Man muss das Adrenalin spüren und den Sport einfach leben“, sagt der Routinier. Ein weiteres Comeback scheint nicht ausgeschlossen.

Dietmar Thakes Traumelf:

„Aus dem Bauch heraus“ hat Thake seine Traumelf zusammengestellt: Für das Tor nominiert er Jens Struckmeier (VfL Bückeburg). „Er war ein starker Keeper und ein Pfundstyp. Ich hätte auch gern mal für den VfL gespielt, es hat aber nie gepasst. Nach Jens bin ich in meinem Team aber guter Zweiter“, sagt Thake und lacht.

In der Abwehr stellt der Keeper die Nordsehler Legende Rainer Dammeier („Der Lange war mein Libero“) auf. Auf der linken Seite verteidigt der quirrlige Rüdiger Fischer, auf der rechten Seite Arne Bock, der aus Groß Munzel zum 1. FC Wunstorf kam und sich dort durchsetzte. Vierter im Bunde ist Waldemar Gurski vom TSV Hagenburg. „Er hat immer alles wegrasiert.“

Im Mittelfeld spielt Thake mit den Hagenburgern Stefan „Tüddel“ Bergmann und Uwe Schneider sowie Thorsten Anger (1. FC Wunstorf). Die Zentrale übernimmt Thorsten Westenberger, „der war auf dem Platz ein echter Fuchs“.

Im Angriff bietet Thake den Hagenburger Lutz Krumradt und Oliver Blume auf, mit dem er in Hagenburg und Wunstorf spielte.
„Von allen Trainern habe ich vor allem von Ralf Kage sehr viel mitgenommen“, sagt Thake.