31. Januar 2016 / 18:44 Uhr

Dietrich Wendorff: Methusalem des Potsdamer Sports

Dietrich Wendorff: Methusalem des Potsdamer Sports

Detlef Braune
Märkische Allgemeine Zeitung
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Havelland: Ehemaliger Motor-Babelsberg-Keeper feiert 80. Geburtstag.

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Die Jahre scheinen an ihm spurlos vorübergegangen zu sein. Der Mann mit den Pranken so groß wie Rhabarberblätter feiert heute in Potsdam-Sacrow seinen 80. Geburtstag. Dietrich „Atze” Wendorff hat mehrere Kapitel des Sports an der Havel mitgeschrieben und dirigiert sein einstiges „Kind” noch immer. Vor 51 Jahren war er Mitbegründer der ersten Potsdamer Wohnsportgemeinschaft in der Waldstadt. Das Energiebündel ist bis heute Vorsitzender.  „Die Unrast hat mich fit gehalten”, sagt der Jubilar. Er liest noch ohne Brille und unternimmt täglich zwei längere Spaziergänge.

Dabei hätte es die spätere Sportgröße Wendorff beinahe nicht gegeben. In seinem ersten Berufsleben stieg der gebürtige Stettiner den Leuten aufs Dach. Im Winter 1955 brach in Eichwalde das Laufbrett zwischen den Schornsteinen. Der schwarze Mann rutschte ab, blieb im Schneegitter hängen und wurde von der Feuerwehr befreit. Nach einem zweiten ähnlichen Malheur sattelte er um. Schornsteinfeger Wendorff wurde in Neuruppin, wo er aufwuchs, Inventarprüfer beim Konsum.

Sportlich gehörten seine Leidenschaften dem Fußball und dem Volleyball. Dem Kicken verschrieb er sich alsbald als Torwart in der DDR-Liga beim SC Potsdam und bei Motor Babelsberg, wo er es auf 121 Punktspiele brachte. Es war ein Torwartidyll. Mit Guido Körner und Helmut Salzwedel hatte er zwei gleichstarke Konkurrenten. Salomonisch wurde jeweils nach zwei Partien gewechselt. Laute Töne gab es dennoch. Wendorff erinnert sich: „In Gera blendete mich die Sonne, und ein Flankenball rutschte mir durch die Hände zum Ausgleich ins Netz. Mittelverteidiger Manfred Pillau herrschte mich an: ,Willst du denn heute kein Geld verdienen?’” Die Siegprämie von 100 Mark war futsch. Dennoch gab es regelmäßig mehrere Scheinchen. Monatlich brachte ein roter Wartburg vom Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) in Berlin die Kohle auf den Karl-Liebknecht-Sportplatz.

Wendorff machte nach einem Sportstudium Karriere beim DTSB. Er baute Trainingszentren und Kreisausschüsse für Volleyball im Bezirk Potsdam auf und wurde 1977 Chef des Kreisvorstandes Potsdam. Die größte Kreisorganisation des Sports in der DDR mit 50 000 Mitgliedern erwarb unter seiner Leitung im Breitensport (damals Massensport) zahlreiche Meriten. „Umso größer war der Schock nach der Wende”, so Wendorff, „als 46 hauptamtliche Trainer entlassen wurden.” Wendorff blieb Chef der Kreisorganisation, die nun Stadtsportbund hieß, und verdiente später seine Brötchen als Landestrainer im Volleyball.

Einmal Torwart, immer Torwart. „Atze” Wendorff vererbte sein Talent an Sohn Thomas und die Enkel Tim und Fabian. Thomas spielte in der Regionalliga in Velten, wo Fabian heute in der Landesliga zwischen den Pfosten steht. Die WSG Waldstadt mit einst 1700 Mitgliedern wurde über die Wende gerettet und weist heute 270 Enthusiasten aus.  „Atzes” Gattin Ruth (74)  leitet die Abteilung Frauengymnastik und Seniorensport. „Atze” möchte den Stab weiterreichen, doch er sagt: „Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.”

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