14. Januar 2020 / 11:37 Uhr

Ex-Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann über seinen neuen Job in Rostock und seine Beziehung zu Dirk Nowitzki

Ex-Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann über seinen neuen Job in Rostock und seine Beziehung zu Dirk Nowitzki

Christian Lüsch und René Warning
Ostsee-Zeitung
Basketball-Trainer Dirk Bauermann hat über sein Engagement beim Zweitligisten Rostock Seawolves gesprochen.
Basketball-Trainer Dirk Bauermann hat über sein Engagement beim Zweitligisten Rostock Seawolves gesprochen. © Frank Söllner
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Dirk Bauermann hat klare Vorstellungen und Ziele - mit einem Basketball-Zweitligisten. Der neue Trainer der Rostock Seawolves sieht das Potenzial, es mit seinem neuen Team in die erste Liga zu schaffen. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt der ehemalige Bundestrainer seinen Plan und spricht über seine Beziehung mit Ex-Schützling Dirk Nowitzki.

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Als Nationaltrainer führte Dirk Bauermann die deutsche Mannschaft um Superstar Dirk Nowitzki von 2003 bis 2011 zu großen Erfolgen bei Welt- und Europameisterschaften. Jetzt hat sich der 62-Jährige eine neue Herausforderung gesucht. Seit einer Woche ist Bauermann Trainer der Rostocker Zweitliga-Basketballer. Vor seinem ersten Heimspiel mit den Seawolves am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen die Kirchheim Knights spricht der 62-Jährige im SPORTBUZZER-Interview über seine Erwartungen, Ziele und Dirk Nowitzki.

SPORTBUZZER: Wie sind Ihre ersten Eindrücke von der Mannschaft?

Dirk Bauermann (62): Das Team ist sehr engagiert und willig. Es hat sich keinesfalls mit dem Status quo abgefunden, sondern will den nächsten Schritt nach vorn machen. Ich habe einen guten Eindruck, wenngleich wir besser werden wollen und müssen.

Am Mittwoch spielt Ihr Team gegen Kirchheim. Was erwarten Sie?

Ich erwarte eine konstant gute Leistung der Mannschaft und Spieler, die sich für weitere Aufgaben anbieten. Ich bin sehr gespannt auf die Stimmung in der Stadthalle.

Am Dienstag (7. Januar 2020) wurde Dirk Bauermann offiziell als Trainer von Basketball-Zweitligist Rostock Seawolves vorgestellt. Der 62-Jährige soll die Mannschaft, die in der aktuellen Saison unter den Erwartungen geblieben ist, doch noch in die Playoffs führen. Das ist Bauermann, der in seiner Trainerkarriere viele Erfolge im In- und Ausland bei Vereins- und Nationalmannschaften feierte und über große Erfahrung verfügt, durchaus zuzutrauen.

Der neue Trainer der Rostock Seawolves ist ein Basketball-Experte mit großen Emotionen. In der Bundesliga-Saison 2017/18, aus der dieses Foto stammt, war er Coach der Würzburger Mannschaft.  Zur Galerie
Der neue Trainer der Rostock Seawolves ist ein Basketball-Experte mit großen Emotionen. In der Bundesliga-Saison 2017/18, aus der dieses Foto stammt, war er Coach der Würzburger Mannschaft.  ©
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Ex-Nationaltrainer Dirk Bauermann erklärt: Deshalb bin ich jetzt Trainer in Rostock

Wie kam Ihr Kontakt zu den Seawolves zustande?

Mein Berater hatte sich bei mir gemeldet und vom Interesse der Seawolves berichtet. Ich habe mich daraufhin bei einigen Freunden, die sich auskennen und ein ungefärbtes Urteil abgeben, über die Seawolves erkundigt. Alle waren der Meinung, dass der Verein einer der wenigen in Deutschland ist, der Wachstumspotenzial besitzt. Das und die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mich bewogen, das Angebot anzunehmen.

Gab es andere Optionen?

Vereine und Trainer haben sehr oft Optionen. So war es auch diesmal. Mich haben die Aufgabe und die Perspektive gereizt. Geld war ganz sicher nicht das ausschlaggebende Argument. Ich kann nur ein Schnitzel am Tag essen.

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Bauermann mit Rostock direkt in den Play-offs

Das Saisonziel sind nach wie vor die Play-offs. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Bei Leuten, die erfolgreich waren und es weiter sein wollen, kommt der Druck von innen. Mein Anspruch war und ist es, immer das Maximale zu investieren. Wenn andere meine Arbeit positiv bewerten, ist es gut. Wenn nicht, geht die Welt aber auch nicht unter.

Spielt das mögliche Scheitern in Ihren Gedanken eine Rolle?

Das kommt bei mir nicht vor. Daran zu denken, ist der erste Schritt zum Scheitern. Ich werde nicht so schnell unruhig und schlafe immer gut. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte ich den Trainerjob nicht so lange machen können. Ich versuche, das Kontrollierbare zu kontrollieren. Und ich versuche zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die ich nicht beeinflussen kann.

War das schon immer Ihre Sichtweise oder haben Sie sich diese antrainiert?

Ich habe im Laufe meiner Karriere gelernt, mit Stress und hoher Belastung umzugehen. Dazu gehören bestimmte Abläufe und Techniken – viel Sport zu treiben beispielsweise und zu meditieren. Die Energie, die ich als Trainer habe und die jeder Spieler besitzt, müssen wir fokussiert einsetzen.

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Dirk Bauermann optimistisch: "Seawolves können es in die Bundesliga schaffen"

Glauben Sie, dass Sie mit Rostock ähnlich erfolgreich sein können wie einst mit Bamberg und Leverkusen? Was würden Sie dazu benötigen?

Auf lange Sicht, vielleicht sogar mittelfristig, können es die Seawolves in die Bundesliga schaffen. Ein erfolgreicher Trainer allein reicht dazu aber nicht. Ich sehe in Rostock das notwendige personelle und finanzielle Potenzial. Ganz wichtig ist auch, dass das Interesse der Menschen vorhanden ist. Hier werden keine 4.000 Freikarten verteilt, um die Halle zu füllen. Ich möchte gern der Erwartung entsprechen, die mit meiner Verpflichtung verbunden ist.

Was sind ihre Ziele in Rostock?

Mein Ziel ist es, die Mannschaft weiterzuentwickeln und dem Verein zu helfen, Struktur und Konzeption weiterzuentwickeln. Mein erster Eindruck ist, dass das menschliche Miteinander hier sehr gut funktioniert. Die Seawolves haben gute Typen, die gut miteinander auskommen und eine Vision haben. Für mich ist die Bundesliga aber erst der übernächste Schritt. Unser Ziel ist es, uns zunächst zu stabilisieren. Danach geht es darum, sich in der Spitze der Pro A dauerhaft zu etablieren, um im übernächsten Schritt den Aufstieg anzupeilen. Ich rede von einem Zeitraum von zwei bis vier Jahren.

Wäre die Aufgabe in Rostock für Sie auch interessant gewesen, wenn es nur um diese Saison gegangen wäre?

Nein. Die Mannschaft vom zwölften auf den achten Platz zu führen, um dann vielleicht in der ersten Runde der Play-offs auszuscheiden, ist nicht mein Anspruch. Ich will hier langfristig arbeiten.

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Bauermann über Rostock-Engagement: "Es hätte für beide Seiten wenig Sinn gemacht, sofort einen Dreijahresvertrag auszuhandeln"

Sie haben aber zunächst nur einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben.

Es hätte für beide Seiten wenig Sinn gemacht, sofort einen Dreijahresvertrag auszuhandeln. Wir können jetzt gemeinsam sehen, ob und wie wir zusammenpassen.

Bis 31. Januar können Sie noch Spieler verpflichten. Planen Sie Transfers?

Ich werde ganz sicher nicht in Aktionismus verfallen und Spieler rauswerfen, um mir Respekt zu verschaffen. Bevor ich verändere, will ich sicher sein, dass ich etwas verbessere. Es ist viel zu früh, solche Entscheidungen zu treffen. Bevor ich mir darüber Gedanken mache, schaue ich mir mindestens noch die beiden Heimspiele an.

Mit Filip Skobalj haben Sie den Sohn ihres Vorgängers im Team. Ist das ein Problem? Haben Sie die Situation mit ihm persönlich besprochen?

Ich habe noch vor dem ersten Training mit ihm gesprochen. Ich habe ihm gesagt, dass für mich einzig und allein seine Leistung im Training und im Spiel zählt.

Was empfinden Sie, wenn Sie daran denken, dass Milan Skobalj für Sie Platz machen musste?

Ich empfinde für seine Arbeit hohe Wertschätzung und Respekt. Entlassungen haben nicht immer mit der Qualität des Trainers zu tun. Diese Dinge passieren. Manchmal passt es eben nicht mehr.

"Ich will immer das Bestmögliche erreichen"

Wie beschreiben Sie Ihren Anspruch und Ihren Führungsstil?

Ich will immer das Bestmögliche erreichen. Dabei ist es mir egal, ob ich eine Nationalmannschaft oder einen Zweitligisten trainiere – meine Leidenschaft ist immer die gleiche. Ich versuche, die Mannschaft zu begeistern und sie mitzuziehen. Für mich ist die Defensivarbeit der entscheidende Baustein des Erfolgs im Basketball. Ich erwarte eine professionelle Einstellung im Training, die Bereitschaft jedes Einzelnen, für den anderen im Team dazusein, und Disziplin.

Als Coach waren Sie fast überall auf der Welt im Einsatz. Was bedeutet Ihnen Heimat?

Jeder Mensch braucht einen Anker. Meiner ist in Krefeld bei meiner Frau und unseren beiden Töchtern. Dort kann ich abschalten vom Sport, der ansonsten mein Leben ausfüllt und dominiert. Ohne die Unterstützung und die Rückendeckung meiner Frau könnte ich diesen Beruf nicht machen.

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Haben Sie Ihre Frau an der Entscheidung, nach Rostock zu wechseln, beteiligt?

Natürlich haben wir darüber gesprochen. Mir war wichtig zu wissen, wie sie darüber denkt. Die Entscheidung habe ich aber allein getroffen.

Wird Ihre Frau zu Ihnen nach Rostock ziehen?

Das ist kein Thema. Sie arbeitet als Lehrerin (Deutsch und Sport – d. Red.). Ich glaube, es wäre auch nicht gut. Ich bin oft nur körperlich anwesend und gedanklich fast immer bei meinem Beruf.

Fühlen Sie sich manchmal einsam?

Nein. Ich kann sehr gut alleine sein.

Bauermann betont: "Ich habe großen Spaß an dem, was ich tue"

Kochen, bügeln und putzen Sie gut? Wer schmeißt bei Ihren Jobs den Haushalt?

Ich kann nicht kochen. Bei vielen meiner Stationen wurde für mich gesorgt. In China und im Iran zum Beispiel wurde mir jemand zur Seite gestellt, der mich gefahren, mir das Essen gebracht und mir die Dinge des täglichen Lebens abgenommen hat.

Was treibt Sie an? Haben Sie sich für Ihr Berufsleben eine Altersgrenze gesetzt?

Ich habe großen Spaß an dem, was ich tue. An der Arbeit mit den Jungs, daran, aus Individualisten ein Team zu formen, das im Wettkampf besteht. Ich denke überhaupt nicht daran, aufzuhören. Ich kann mir ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen.

Wie halten Sie sich fit – physisch und psychisch?

Ich versuche, jeden Tag mindestens einmal zu schwitzen. Ich laufe und fahre Rennrad. Es gibt ein paar Dinge, die ich tue, um abzuschalten. Meditieren zum Beispiel.

Hören Sie die Art Musik, die in der Kabine läuft, auch, wenn sie allein im Auto unterwegs sind?

Mit dem Musikgeschmack meiner Spieler habe ich überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Ich finde vieles gut. Wenn ich allein unterwegs bin, bevorzuge ich allerdings Podcasts und Hörbücher.

Gibt es andere Sportarten, die Sie verfolgen?

Fast alle, vor allem aber Fußball. Ich verfolge die Bundesliga mit großem Interesse. Ich war früher mit meinem Vater oft bei Bayer Uerdingen oder Borussia Mönchengladbach im Stadion. Ich verfolge das immer noch.

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Bauermann über Basketball-Legende Dirk Nowitzki: "Er ist ein großartiger Mensch"

Stehen Sie mit Dirk Nowitzki in Kontakt, und besteht die Aussicht, dass er sie mal in Rostock besuchen kommt?

Ich habe ein gutes Verhältnis zu Dirk. Ich suche aber nicht ständig den Austausch mit ihm, weil es nerven würde. Er ist ein großartiger Mensch, der die Bodenhaftung nie verloren hat. Ich würde es nicht ausschließen, dass er eines Tages nach Rostock kommt. Dazu müsste aber einiges zusammenkommen.

Gibt es für Sie den perfekten Tag ohne Basketball? Wie sieht er aus?

Wir haben ein Häuschen auf Mallorca. Der Gedanke, dort im Sommer drei Stunden Fahrrad zu fahren, ein gutes Buch zu lesen und am Abend gemeinsam essen zu gehen, gefällt mir – und das alles ohne Telefon.

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