14. September 2020 / 14:08 Uhr

Dreckig in der Kohleregion: Lottner als neuer Cottbus-Trainer präsentiert

Dreckig in der Kohleregion: Lottner als neuer Cottbus-Trainer präsentiert

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Dirk Lottner war zuvor erfolgreich beim 1. FC Saarbrücken tätig.
Dirk Lottner war zuvor erfolgreich beim 1. FC Saarbrücken tätig. © imago images/Jan Huebner
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Bei seiner ersten Pressekonferenz für den FC Energie erklärte der Ex-Fußballprofi, wie er den Regionalligisten wieder nach oben führen will. In Lottners Vita gibt es bereits interessante Verknüpfungen zu Cottbus. 

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Beim FC Energie Cottbus ruhen die Hoffnungen auf einem, der früher mehrfach Cottbuser Hoffnungen zerschossen hatte. Achtmal spielte Dirk Lottner in seiner aktiven Fußball-Profikarriere gegen den FC Energie und erzielte dabei für den 1. FC Köln acht Tore, was meistens einen Sieg seiner Mannschaft nach sich zog. In Duellen mit keinem anderen Club traf Lottner so oft. Nun soll er als Trainer den kriselnden Regionalligisten aus der Lausitz wieder erfolgreich machen. Am Montag trat der 48-Jährige den Posten an und wurde offiziell vorgestellt.

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Mit breitem Grinsen, das seine markante Zahnlücke freilegte, saß Lottner vor den Medienvertretern und erklärte seine Vorhaben. Eloquent, motivierend, direkt. „Ich möchte hier etwas aufbauen, die Basis ist da“, sagte er. Seine Philosophie sehe Offensivfußball vor. Zunächst gehe es jedoch für die Mannschaft darum, die brenzlige Lage „vom Kopf her“ anzunehmen, um schnellstmöglich wieder in höhere Tabellenbereiche vorstoßen zu können. Nach vier Niederlagen aus den ersten fünf Saisonspielen ist der ambitionierte FCE nur Vorletzter. Tugenden seien jetzt gefordert, für die Cottbus stand, als Lottner noch selbst kickte, wie er betonte: „Eine Mannschaft, die immer erst malochert, immer angepackt hat, bisschen dreckig war, bisschen schmutzig war – und dann angefangen hat, Fußball zu spielen.“

In Bildern: Die Trainer von Energie Cottbus seit 1994.

Die Trainer von Energie Cottbus seit 1994. Zur Galerie
Die Trainer von Energie Cottbus seit 1994. © dpa

"Teamplayer" Lottner setzt auf das Miteinander

Solche Aussagen kommen gut an in der Kohlearbeiterregion. Unter den Fans ist bereits eine Aufbruchstimmung zu spüren. In seiner ersten Pressekonferenz wurde auch schnell klar, dass sich der frühere Mittelfeldakteur (450 Erst- und Zweitligaspiele für 1. FC Köln, Fortuna Köln, Bayer Leverkusen und MSV Duisburg) von seinen Vorgängern abhebt. Er wirkt mitreißender als der eher introvertierte Sebastian Abt, der Ende August freigestellt worden war. Und Claus-Dieter Wollitz mangelte es zwar nicht an Feuereifer, doch eckte er mit seinem großen Ego sowie seinen Meinungen und Forderungen auch oft an. „Ich bin keine One-Man-Show“, sagte Lottner. Er sei „ein Teamplayer“, der gemeinsam mit allen Beteiligten im Verein offen und ehrlich „Dinge erarbeiten“ wolle.

Auf seiner vorherigen Trainerstation hatte der gebürtige Kölner so Erfolg. In 148 Spielen mit dem 1. FC Saarbrücken kam er auf einen starken Punkteschnitt von 2,18 Zählern pro Partie. Dass die Saarländer jetzt drittklassig sind, ist auch ein Verdienst von Lottner, der im Dezember 2019 trotz Tabellenführung überraschend beim FCS gehen musste.

Debüt gleich in einem brisanten Derby

Nun stellt er sich der Aufgabe am anderen Ende Deutschlands. Von möglichen Neuzugängen, die die Kaderqualität noch erhöhen sollen, wollte Lottner nicht sprechen. Jeder aus dem aktuellen Team bekomme zunächst die Chance, den schwachen Saisonstart wettzumachen, sagte er. Bei seiner Premiere als FCE-Coach kann der Fußballlehrer am Sonntag auch gleich noch mehr Fansympathien einheimsen – mit einem Sieg im Auswärtsspiel beim Brandenburger Rivalen SV Babelsberg 03.

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Und übrigens hat Lottners Vergangenheit bislang nicht nur negative Aspekte für Cottbus. Am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 unterlag er 0:2 mit dem 1. FC Köln beim FC Energie –  beide Teams stiegen in die 1. Bundesliga auf, Cottbus erstmalig. „Eine kleine gemeinsame Party“ gab es damals. Nur allzu gerne würde der FCE wieder rauschende Fußballfeste feiern.