14. Mai 2021 / 20:45 Uhr

Diskriminierungsvorwürfe gegen Union Berlin: Jetzt spricht NLZ-Scouting-Chef Lars Mrosko

Diskriminierungsvorwürfe gegen Union Berlin: Jetzt spricht NLZ-Scouting-Chef Lars Mrosko

Stephan Henke, Laurenz Schreiner und David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Lars Mrosko wird den 1.FC Union Berlin im Sommer verlassen. Sein Vertrag hätte noch bis 2022 gegolten.  
Lars Mrosko wird den 1.FC Union Berlin im Sommer verlassen. Sein Vertrag hätte noch bis 2022 gegolten.   © IMAGO/Contrast/Matthias Koch/Montage
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Lars Mrosko, Chefscout des Nachwuchsleistungszentrums von Bundesligist Union Berlin, äußert sich zu den schweren Diskriminierungsvorwürfen gegen den Verein. Er widerspricht einer sogenannten Ausländerquote, aber räumt Fehler des Vereins ein und nennt "fehlende Sensibilität" als Problem. Außerdem kritisiert er den Cheftrainer des NLZ, André Hofschneider, deutlich.

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In einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung und BuzzFeed News äußert sich nun der Chefscout des Nachwuchsleistungszentrums von Bundesligist Union Berlin Lars Mrosko zu den Vorwürfen. Er sagt, dass es bei Union keine Ausländerquote geben würde. Eltern von ehemaligen Jugendspielern hatten in einem anonymen Brief diese Frage aufgeworfen. Er sagt aber auch: “Ich weiß genau, was die Jungs meinen. Wer die Jungs aus diesen Kiezen holt, aus Neukölln, Wedding oder Kreuzberg, der muss manchmal auch wissen, wie man mit ihnen umgeht. Es gibt in Berlin riesige regionale Unterschiede, wo man dann als Verein auch eine gewisse Sensibilität und Feinfühligkeit mitbringen muss, so Mrosko. "Ob die Verantwortlichen von Union schon so weit sind, mit verschiedenen Klientel umzugehen, das weiß ich nicht. Es hat aber den Anschein, dass das vielleicht nicht so ist und man als Verein dazulernen kann."

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Am Dienstag hatten die Märkische Allgemeine Zeitung und Buzzfeed News eine dreimonatige Recherche zur Jugendarbeit vom 1. FC Union Berlin veröffentlicht. Zahlreiche Jugendliche und deren Eltern werfen dem 1. FC Union Berlin vor, minderjährige Spieler schlecht zu behandeln und vor allem Kinder mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund zu benachteiligen.

Außerdem geht Mrosko, der als Scout bereits für den FC Bayern München, den VfL Wolfsburg und Hannover 96 gearbeitet hat, in dem Interview auf die Vorwürfe gegenüber dem fehlenden pädagogischen Umgang von André Hofschneider ein. "André Hofschneider ist vielleicht anders geprägt worden in seinen jungen Jahren und gibt das jetzt letztendlich weiter. Ob man ihm daraus einen Strick drehen kann, sollen andere beurteilen." Mrosko beschreibt auch konkrete Handlungen von Hofschneider und sagt: "Mit Jugendlichen kannst du so aber nicht umgehen." Dass auch viele Mitarbeiter das NLZ unter Hofschneider verlassen haben, habe Gründe, sagt Mrosko: "Ich denke, André Hofschneider entscheidet sehr emotional."

Zuletzt sagt Mrosko, der seinen bis 2022 geltenden Vertrag bereits zum Sommer auflösen wird, generell zum 1. FC Union: "Es ist immer schön, wenn man nach außen von Familie spricht. Das ist völlig absurd, das ist ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen. Im Profibereich läuft es vielleicht etwas besser, weil oben das Geld verdient wird. Aber von Familie kann man nicht reden, bei gar keinem Verein. Für die Fans ist es Familie, wenn sie gemeinsam auf der Tribüne stehen und ihre Mannschaft anfeuern. Aber für die Mitarbeiter ist es ein Arbeitgeber wie jeder andere. Nur man kann halt sagen: Ich bin beim 1. FC Union Berlin angestellt."

Das ganze Interview gibt es hier!