28. Juli 2021 / 16:50 Uhr

Diskuswerfer Clemens Prüfer: Dreimal Vollgas für eine erfolgreiche Premiere

Diskuswerfer Clemens Prüfer: Dreimal Vollgas für eine erfolgreiche Premiere

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Voller Vorfreude auf seine Olympia-Premiere: Diskuswerfer Clemens Prüfer.
Voller Vorfreude auf seine Olympia-Premiere: Diskuswerfer Clemens Prüfer. © imago images/Chai v.d. Laage
Anzeige

Der 23 Jahre alte Leichtathlet vom SC Potsdam kämpft am Freitag um den Einzug in das olympische Finale der Herren.

Seit knapp eineinhalb Wochen befindet sich Clemens Prüfer inzwischen in Japan und trifft aktuell die letzten Vorbereitungen auf seine erste Teilnahme an Olympischen Spielen. Am Freitag ab 2.45 Uhr deutscher Zeit geht es für den Diskuswerfer des SC Potsdam in Tokio beim Qualifikationswettkampf zur Sache. „Ich denke, dass ich momentan in einer sehr guten Form bin. Was in Tokio passiert, werden wir sehen“, sagte der 23-Jährige vor seiner Abreise gelassen. Das Ziel bei seiner Premiere unter den fünf olympischen Ringen sei aber klar: „Ich würde schon sehr gerne durch die Quali kommen, auch wenn das schwer genug wird. Wenn ich es ins Finale schaffen sollte, will ich es einfach nur genießen und meine bestmögliche Leistung abrufen.“

Anzeige

Dass der gebürtige Rostocker, in für einen Diskuswerfer durchaus jungen Jahren, am größten Sportereignis der Welt teilnehmen darf, hat er einer wahren Leistungsexplosion in diesem Wettkampfjahr zu verdanken. Mitte Mai katapultierte der 1,98 Meter große Athlet den zwei Kilogramm schweren Diskus bei den Halleschen Werfertagen 67,41 Meter weit. Damit verbesserte er seine persönliche Bestleistung um fast vier Meter und erfüllte die Tokio-Norm (66,00). „Clemens hatte im vergangenen Jahr bereits ein sehr hohes Leistungsniveau, was er in den wenigen Wettkämpfen, die er absolvieren konnte, nicht zeigen konnte“, erläutert Prüfers Trainer Jörg Schulte.

Mehr zu Olympia in Tokio

Er war zusammen mit seinem Schützling ins Land der aufgehenden Sonne geflogen und absolvierte bis Dienstag ein Vorbereitungscamp in Miyazaki. „Ich denke, dass er bei einer größeren Anzahl von hochklassigen Wettkämpfen bereits im letzten Jahr eine Leistung zwischen 65 und 66 Metern hätte zeigen können“, ist sich der 44-Jährige sicher. „Das gesteigerte körperliche Leistungsvermögen war eine gute Grundlage für die Leistung, die er in diesem Jahr gezeigt hat.“

Schulte trainiert Clemens Prüfer bereits seit 2013, als dieser aus Neubrandenburg nach Potsdam gewechselt war, und berief ihn als damaliger Nachwuchsbundestrainer schon 2012 in den Nachwuchsbundeskader. „Dass er in einem so jungen Alter bereits an den Olympischen Spielen teilnehmen würde, konnte ich damals – vor allem bei der Stärke der deutschen Werfer – nicht ahnen“, räumt Schulte heute ein, dass er eigentlich erst 2024 in Paris mit einer Olympiateilnahme Prüfers gerechnet habe. „Doch da hatte Clemens wohl etwas dagegen.“

Anzeige

75 Prozent Luftfeuchtigkeit bei 30 Grad Celsius


Die Begebenheiten vor Ort seien für Prüfer und seine Teamkollegin Kristin Pudenz derzeit sehr gut. „Da der Deutsche Leichtathletikverband die Trainingsanlage in Miyazaki exklusiv nutzen konnte, waren die Trainingsbedingungen optimal“, bestätigt Schulte. Trotz der Zeitumstellung und den extremen klimatischen Bedingungen mit 75 Prozent Luftfeuchtigkeit bei 30 Grad Celsius hätte das Potsdamer Trio das Training ohne weitere Unterbrechung und bemerkbare Leistungseinbußen absolvieren können. Die steigenden Coronainfektionen unter Athleten vor Ort beeinflussen Schulte und seine Sportler ebenfalls nicht: „Im olympischen Dorf ist die Stimmung ausgesprochen gut. Es finden täglich PCR-Tests statt und es herrscht selbstverständlich überall Maskenpflicht.“

Am Freitag traut er seinem Athleten trotz der „fehlenden Erfahrung bei solch großen Wettkämpfen“ und der physischen Unterlegenheit gegenüber den meisten Kontrahenten den Sprung ins Finale, welches am Samstag ab 13.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit stattfindet, zu. Als „schwierig, aber nicht illusorisch“, schätzt Schulte die Chancen auf das Erreichen der Endrunde der besten Zwölf ein. „Da niemand Clemens so richtig auf der Liste hat, kann er eigentlich ohne großen Druck an den Start gehen. Da ihn ein Sicherheitsversuch nicht weiterbringen wird, heißt es: dreimal Vollgas.“

Das sind Brandenburgs Olympia-Starter für Tokio 2021

27 Sportlerinnen und Sportler aus Brandenburg sind für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert. Der SPORTBUZZER stellt sie alle vor. Zur Galerie
27 Sportlerinnen und Sportler aus Brandenburg sind für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert. Der SPORTBUZZER stellt sie alle vor. ©

Besonders gespannt verfolgen wird den Wettkampf natürlich Clemens’ älterer Bruder Henning. „Ich traue meinem Bruder einiges zu“, sagt der 25-Jährige. Er selbst konnte seine persönliche Bestleistung in diesem Jahr ebenfalls steigern – auf 64,89 Meter. Morgen drückt er seinem Bruder, mit dem er via WhatsApp aktuell regelmäßig im Austausch ist, die Daumen. „Wenn er sich keinen allzu großen Kopf macht und die Aufregung in den Griff bekommt, wird er sein Ding durchziehen“, ist er sich sicher. „Dass man bei seinen ersten Olympischen Spielen aber auch mal einen Stift in der Hose haben kann, ist normal – eigentlich ist Clemens dafür aber nicht wirklich anfällig.“

[Anzeige] Erlebe das Deutschland-Spiel gegen Costa Rica live und exklusiv bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.