21. Februar 2021 / 08:00 Uhr

Diskus-Olympiasieger Harting fürchtet Corona-Folgen: "Eine ganze Generation wird ausgedünnt"

Diskus-Olympiasieger Harting fürchtet Corona-Folgen: "Eine ganze Generation wird ausgedünnt"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robert Harting sieht schwere Auswirkungen auf die Leichtathletik durch die Corona-Pandemie.
Robert Harting sieht schwere Auswirkungen auf die Leichtathletik durch die Corona-Pandemie. © IMAGO/Jan Huebner
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Diskus-Olympiasieger Robert Harting sieht die Zukunft der deutschen Leichtathletik durch die Corona-Pandemie gefährdet. Sowohl in der Nachwuchsarbeit als auch im öffentlichen Interesse komme es zu großen Fehlentwicklungen, so Harting.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting sorgt sich angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie um den Leichtathletik-Nachwuchs. "Es wird Opfer geben. Eine ganze Generation wird ausgedünnt, denn fünf bis zehn Prozent werden entnervt einfach mit dem Sport aufhören. Dazu wird es sicher 30 bis 35 Prozent weniger Anmeldungen in den Vereinen geben", sagte der 36-Jährige im Interview der Bild am Sonntag. Top-Athleten würden durch die Fördermasken des Staates – wie Bundespolizei und Bundeswehr – überleben, "aber auch finanzielle Einbußen von 30 bis 70 Prozent haben. Im Nachwuchs sind die Auswirkungen gravierender", warnte der dreimalige Weltmeister.

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Harting, der als Chef einer Kommunikationsagentur auch Sportler betreut, sieht zudem ein generelles Problem in der jetzigen Athletengeneration. Neue Aushängeschilder wie er oder Weitspringerin Malaika Mihambo seien nicht in Sicht. Für die Sportler heute sei Relevanz durch Erfolg nicht mehr unbedingt nötig. "Zudem ist das Thema eine ideelle Baustelle. Ich denke, ohne Olympia in Deutschland gibt es für Sportarten wie die Leichtathletik keinen neuen Push – und keine neuen Stars", sagte Harting.

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Damit nach dem Ende der Pandemie Sportarten wie die Leichtathletik nicht völlig im Schatten des Fußballs verschwinden, müssten neue Ansätze her. "In Corona-Zeiten wurde von den Sportarten unterschiedlich intensiv berichtet, darum denken die Leute inzwischen weniger über die Sportarten nach, die vernachlässigt wurden", sagte Harting. Das traditionelle Denken in "höher, schneller, weiter" sei Schwachsinn, funktioniere nicht mehr. "Die Aufgabe muss sein, nach mehr Gemeinsamkeiten und Schnittpunkten mit den Fans, den Konsumenten zu suchen."

Harting glaubt, dass trotz der Pandemie die Olympischen Spiele in Tokio im Sommer stattfinden. "Mit guten Konzepten ist es möglich – sicherlich reduziert und ohne die ganz großen Emotionen. Wenn sie nicht stattfinden, wäre das wirklich global, kulturell und für den Sport eine Katastrophe", sagte Harting.