30. Juli 2019 / 14:40 Uhr

Diskuswerferin Kristin Pudenz: Das steckt hinter ihrem Tattoo

Diskuswerferin Kristin Pudenz: Das steckt hinter ihrem Tattoo

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Diskuswerferin Kristin Pudenz vom SC Potsdam hat auf ihrem rechten Wurfarm die Liedtextzeile „How we survive is what makes us who we are“ der Band Rise Against tätowiert.
Diskuswerferin Kristin Pudenz vom SC Potsdam hat auf ihrem rechten Wurfarm die Liedtextzeile „How we survive is what makes us who we are“ der Band Rise Against tätowiert. © Peter Stein
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Leichtathletik: Auf ihre rechten Wurfarm hat Diskuswerferin Kristin Pudenz vom SC Potsdam ein Tattoo, das gut zu ihrer starken Form in diesem Jahr passt. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin will sich die 26-Jährige für die Weltmeiserschaften qualifizieren.

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Kristin Pudenz dreht sich im Ring so schnell wie noch nie. Logische Folge: Der Diskus fliegt so weit wie noch nie. Die Werferin vom SC Potsdam hat Gewicht reduziert und will bei den Deutschen Meisterschaften am 3.und 4. August im Berliner Olympiastadion unbedingt das Ticket für die Weltmeisterschaften Ende September in Doha/Katar lösen. Dazu muss sie unter die Top drei kommen, ergo eine DM-Medaille gewinnen. „Ich fahre mit der S-Bahn zur Meisterschaft. Das ist doch mal was“, flachst die 26-Jährige.

Bislang war Pudenz meist nur Zuschauerin bei Großevents

Kristin Pudenz hat in den vergangenen Jahren in schöner Regelmäßigkeit die Normen für die Saisonhöhepunkte erfüllt. Doch ob Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften – stets konnte sie die Höhepunkte nur aus der Ferne oder eben wie im Vorjahr bei der EM in Berlin als Zuschauern live im Stadion verfolgen, weil drei deutsche Diskuswerferinnen einfach besser waren. „Auf der Tribüne zu sitzen, ist weniger schön“, gibt sie zu. Spätestens da hatte der Schützling von Trainer Jörg Schulte einen Entschluss gefasst: „Es muss sich etwas ändern.“ Getreu dem Motto, das sie sich auf die obere Hälfte ihres rechten Wurfarms hat tätowieren lassen: „How we survive is what makes us who we are“ steht da in schön geschwungener Schrift. Das ist der Refrain aus dem Song „Survive“ der US-Punkband Rise Against und heißt so viel wie: „So wie wir überleben, macht uns zu dem, was wir sind.“

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Kristin Pudenz hat ihre Ernährung umgestellt und acht Kilo abgenommen. „Ich habe im Januar angefangen und hatte nach vier Monaten acht Kilo runter. Ich habe nach den Hinweisen eines Ernährungsberaters konsequent darauf geachtet, Fette und Kohlenhydrate zu trennen und trotzdem sportlergerecht zu essen.“ Die Folge sei auch für sie verblüffend gewesen: „Ich habe an der Kraft nichts eingebüßt. Messungen haben ergeben, dass die Muskelmasse nicht weniger geworden ist. Ich bin jetzt aber schneller im Ring. Sprints und Sprungübungen fallen mir viel leichter.“ Außerdem gehe sie regelmäßig zum Neuroathletiktrainer, das habe ihre Körper- und Bewegungskoordination verbessert. „Ich habe also neue Wege bestritten und sehe mich darin bestätigt. Ich bin viele Jahre den anderen hinterhergelaufen, nun bin ich dabei, kann mitmischen“, sagt die Sportsoldatin, die einen Bachelorabschluss für soziale Arbeit hat.

Dritte der deutschen Bestenliste

In der deutschen Jahres-Bestenliste liegt sie mit 64,32 Meter auf Platz drei, die sie zum Saisonstart Ende Mai in Schönebeck geworfen hatte. Ihre persönliche Topweite stand bisher bei 62,89 Meter (2017). Die WM-Norm von 61,20 Meter war kein Thema. Inzwischen hat das Kristin Pudenz mehrfach bestätigt, startete erstmals auch bei einem Diamond League-Meeting in Rabat/Marokko, wo sie mit 62,82 Meter Platz sieben belegte. Dabei hatte sie vier Würfe mit der einen Kilo schweren Scheibe über 62 Meter. „Mal ein Ausreißer nach oben zu haben, wäre auch nicht schlecht, möglichst gleich im ersten Versuch. Andererseits zeigt das, dass ich ein stabiles Niveau habe“, so die Potsdamerin, die nun auch den Hausrekord inne hat. Denn Vater Rüdiger Pudenz gehörte beim SC Chemie Halle einst zur DDR-Spitze und warf den Zwei-Kilo-Diskus auf 62,93 Meter. Mutter Annette war Kugelstoßerin. Die Tochter kam nach der 10. Klasse von Bielefeld, wo die Familie inzwischen lebt, nach Potsdam.

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Im Trainingslager in Kienbaum hat sich Kristin Pudenz auf die Meisterschaften vorbereitet. „Leider haben wir Diskuswerferinnen nicht so viele Wettkämpfe, sind bei den großen Meetings weniger im Programm“, hat sie festgestellt. „Ich hoffe, ich kann noch mal eine Schippe drauflegen. Das Selbstbewusstsein ist da, der Konkurrenz die Stirn zu bieten“, sagt die Universiade-Siegerin von 2017 und Dritte der U23-EM von 2015. Mit der Jahresbesten und EM-Vierten Claudine Vita (Neubrandenburg/66,64m), die aus Fürstenwalde stammt, Vizeeuropameisterin Nadine Müller (Halle), Marike Steinacker (Leverkusen), Anna Rüh (Magdeburg) und der EM-Dritten Shanice Craft (Mannheim) gibt es noch eine Handvoll Kandidatinnen, die ebenso am WM-Ticketschalter stehen.

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