06. Juni 2020 / 06:00 Uhr

DLV-Plan für Meisterschaft sorgt für Kritik - Leichtathletik-Star Krause: "Der nächste Tiefschlag"

DLV-Plan für Meisterschaft sorgt für Kritik - Leichtathletik-Star Krause: "Der nächste Tiefschlag"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gesa Felicitas Krause kritisiert den DLV für das Konzept der deutschen Meisterschaft.
Gesa Felicitas Krause kritisiert den DLV für das Konzept der deutschen Meisterschaft. © imago images/Montage
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Das Konzept des Deutschen Leichtathletik-Verbandes zur Austragung der deutschen Meisterschaft verärgert Athletin Gesa Felicitas Krause. Disziplinen mit Kontakt sind verboten, Mittel- und Langstrecken werden nicht ausgetragen. Das bedeutet für die Wettkämpfer nicht nur finanzielle Einschnitte.

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Die deutsche Leichtathletin Gesa Felicitas Krause ist nicht dafür bekannt, dass sie schnell ihrem Unmut Luft macht. So stand sie selbst in der stärksten Zugluft nach ihrem famosen Bronze-Lauf über 3000 Meter Hindernis bei der Weltmeisterschaft in Doha 2019 geduldig über lange Zeit Rede und Antwort. Doch am Freitag war ein Punkt erreicht, an dem der Ärger raus musste. Gerade hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bekanntgegeben, dass das Konzept für die deutsche Meisterschaft in Braunschweig bei den Behörden eingereicht worden sei. Anfang August sollen demnach die nationalen Titelträger ermittelt werden – allerdings nicht alle. Denn alle Mittel- und Langstrecken werden nicht ausgetragen.

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Das betrifft die Aushängeschilder der Leichtathletik in den Laufdisziplinen: Konstanze Klosterhalfen – und eben auch Krause, die normalerweise beim Hindernislauf den Meistertitel hätte abholen wollen. Das Konzept verhindert dies. "Ich habe viele Fragen. 22 Menschen dürfen Fußball spielen, aber wir dürfen nicht auf der Bahn gegeneinander laufen?", so die 27-Jährige gegenüber dem SPORTBUZZER. Krause weiter: "Über die Entscheidung bin ich wirklich nicht erfreut. Ich bin seit vielen Jahren dabei und versuche das Publikum zu begeistern. In einem schwierigen Jahr ist das der nächste Tiefschlag."

Disziplinen mit Kontakt verboten

Hintergrund: Durch die Coronavirus-Pandemie wurde die bisherige Leichtathletik-Saison komplett ausgesetzt, mit dem Konzept für die nationale Meisterschaft will der deutsche Leichtathletik-Verband den Athleten nun aber zumindest etwas Planungssicherheit liefern. Dazu wurden Regeln aufgestellt, die nicht jedem schmecken. Bei den technischen Disziplinen werden die Teilnehmerfelder beschränkt, in den Laufdisziplinen bis 800 Meter muss immer eine Bahn zwischen den Athleten und Athletinnen frei bleiben.

"Die derzeitigen behördlichen Auflagen in Niedersachsen sehen vor, dass zwei Meter Abstand sein müssen. Disziplinen mit Kontakt sind schlicht verboten", sagte Annett Stein, Chefbundestrainerin der Leichtathleten, zum SPORTBUZZER. Mit dem Fußball könne sich die Leichtathletik nicht vergleichen: "Die Fußballer haben im Zusammenhang mit der Ausnahmegenehmigung ein Prozedere durchlaufen, das für uns in der Leichtathletik schwer umsetzbar ist. Sie wurden getestet und waren in Quarantäne – das geht in den Einzeldisziplinen nicht. Unsere Athleten trainieren alle an unterschiedlichen Standorten und reisen einzeln an."

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Chefbundestrainerin Stein: "Es blutet uns selbst das Herz"

Aus diesem Grund sei die nun eingereichte Sondergenehmigung für die deutsche Leichtathletik-Meisterschaft die einzig mögliche Variante – was allerdings nicht ausschließen würde, dass bei entsprechenden Lockerungen durch die Politik auch weitere Disziplinen ins Programm aufgenommen werden, so Stein. "Es blutet uns selbst das Herz", sagte die Chefbundestrainerin. "Aber zu einem späteren Zeitpunkt wäre eine deutsche Meisterschaft aufgrund von anderen Veranstaltungen wie der Diamond League wohl kaum mehr möglich gewesen."

Für die deutsche Top-Sprinterin Gina Lückenkemper ist die Art der Austragung dennoch ein Unding. "Generell ist es eine gute Nachricht für die Leichtathletik, dass die deutsche Meisterschaft in Braunschweig und andere Wettkämpfe wieder ausgetragen werden", sagte sie. "Nur glaube ich nicht, dass die DM mit vorherigen Meisterschaften vergleichbar sein wird. Schließlich fehlen die Langstreckler und Hindernisläufer. Dazu kommen limitierte Starterfelder. Zur Leichtathletik gehören für mich auch Athleten aus der zweiten und dritten Reihe aus kleineren Vereinen, die tolle Arbeit an der Basis leisten. Wenn solche Athleten 2020 nicht bei der DM starten können, ist es für mich keine ,echte‘ deutsche Meisterschaft."

Keine EM, kein Olympia: Sportliche Ziele fehlen im Jahr 2020

Besonders bitter: Die konkreten sportlichen Ziele fehlen in diesem Jahr durch die Absage der Europameisterschaften und der Olympischen Spiele. "Die deutsche Meisterschaft war ein Lichtblick. Ich hätte mich Zuschauern und Sponsoren zeigen können. Das fällt nun weg. Das bedeutet auch für mich finanzielle Einschnitte, schließlich wäre es einer der wenigen Wettkämpfe gewesen, der im TV übertragen worden wäre. Ich wäre sehr motiviert gewesen, den Fans was zu zeigen", sagte Krause.

Statt ihre eigentlich angestammte Disziplin Hindernis zu laufen, denkt sie über einen Start über 800 Meter nach. Das könnte nach SPORTBUZZER-Informationen auch für Klosterhalfen eine Option sein – wenn der Trainer zustimmt. Sowohl für Klosterhalfen als auch für Krause ist aber der Gesamtkalender entscheidend. Denn in der Diamond League lässt sich für Athleten in dieser so schwierigen Saison zumindest finanziell noch etwas herausholen. Bis dahin hofft Krause, "dass sich noch was ändert".