17. Oktober 2020 / 12:27 Uhr

DM-Absage: Leipziger Schwimmer und Trainer Embacher unter Schock

DM-Absage: Leipziger Schwimmer und Trainer Embacher unter Schock

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Trainer Frank Embacher (l.) ist enttäuscht über die Absage der Deutschen Meisterschaften in Berlin, kann aber die Entscheidung des DSV nachvollziehen. 
Trainer Frank Embacher (l.) ist enttäuscht über die Absage der Deutschen Meisterschaften in Berlin, kann aber die Entscheidung des DSV nachvollziehen.  © dpa (Archiv)
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Trotz der Enttäuschung zeigt Landestrainer Frank Embacher Verständnis und verteidigt die Absage durch den Deutschen Schwimm-Verband (DSV): "Die Gesundheit geht nun mal vor. Wir können nicht über Leichen gehen, um unser Wettkampfsystem aufrecht zu erhalten.""

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Berlin/Leipzig. Es sollte der erste größere Schwimmwettkampf seit Februar sein. Die Leipziger Asse um Lisa Graf, Lia Neubert, David Thomasberger, Marek Ulrich und Yannis Willims bereiteten sich am Sonnabend gerade in der Uni-Schwimmhalle auf die Deutschen Meisterschaften vor, als knapp zwei Wochen vor dem ersten Startsignal die Absage kam. "Das ist für meine Sportler ein Schlag vor den Kopf, zumal bis Februar auch gleich die Jahrgangstitelkämpfe des Nachwuchses und die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gestrichen wurde", sagte Landestrainer Frank Embacher dem SPORTBUZZER.

Die coronabedingte DM-Absage kam freilich nicht ganz überraschend. Zum einen sollten die Titelkämpfe im Hotspot Berlin stattfinden, zum anderen wären viele Athleten aus Risikogebieten angereist, wenn man allein die Schwimm-Hochburg Nordrhein-Westfalen sieht. Zudem waren die Zahl der Anmeldungen aus Vorsicht vor der Pandemie ohnehin stark rückläufig.

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Frank Embacher verteidigte gegenüber seinen enttäuschten Sportlern und auch im SPORTBUZZER-Gespräch die Linie des Deutschen Schwimm-Verbandes: "Der DSV lebt von hochkarätigen Wettkämpfen und motivierten Athleten. Er sagt so eine Meisterschaft nicht ohne Grund ab. Die Gesundheit geht nun mal vor. Wir können nicht über Leichen gehen, um unser Wettkampfsystem aufrecht zu erhalten."

Dass jedoch auch gleich die Bundesliga im Februar ohne Aussicht auf einen Ersatztermin gestrichen wurde, gefällt dem Leipziger Erfolgscoach auch nicht, zumal seine Männer gerade in die erste Liga aufgestiegen waren. "Dieser Wettkampf hat für viele Sportler eine hohe Bedeutung. Ich weiß im Moment auch nicht, wie ich jetzt noch den Motivationsonkel spielen soll."

Embacher zieht einen Vergleich mit seiner aktiven Zeit, als die Olympiaboykotte 1980 und 1984 für viele Athleten einen Schlag ins Gesicht bedeuteten. "Bei uns hat wenigstens jenseits von Olympia alles stattgefunden, wir könnten zu Wettkämpfen um die Welt tingeln. Wegen Corona findet man heute fast gar keinen hochkarätigen Wettkampf." Wegen der Pandemie drohe eine ganze Schwimmergeneration verloren zu gehen. "Ich bin ratlos und muss schauen, wer am Montag zum Training überhaupt noch auf der Matte steht", so der Leipziger Coach.