09. Juni 2021 / 20:05 Uhr

DM-Gold nach vier Wochen Quarantäne: Robert Farken qualifiziert sich für Olympia

DM-Gold nach vier Wochen Quarantäne: Robert Farken qualifiziert sich für Olympia

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Leichtathlet Robert Farken bei der Deutsche Meisterschaft über 1500 Meter in Aktion.
Leichtathlet Robert Farken bei der Deutsche Meisterschaft über 1500 Meter in Aktion. © Michael Kappeler/dpa
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Robert Farken musste auf seiner langen Wegstrecke zur Deutschen Meisterschaft etliche Stolpersteine aus dem Weg räumen. Da waren ein Ermüdungsbruch als Schwimmer im Kulkwitzer See, ein positiver Coronatest, der Abbruch der Hallensaison. Doch Robert Farken hatte immer einen Plan B. Er gewann schließlich das 1500-m-Finale in Braunschweig und schaffte es, sich eines der begehrten Olympiatickets zu sichern.

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Leipzig. Die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig waren für die Leipziger Asse in vielerlei Hinsicht spektakulär: Von acht DHfK-Leichtathleten kehrten sieben mit einer Einzelmedaille heim – ein einmaliger Erfolg. Die beiden Goldplaketten und Tokio-Tickets sicherten sich mit Marvin Schulte und Robert Farken zwei waschechte Leipziger Jungs, nachdem die olympische Kernsportart in der Messestadt über Jahre von auswärtigen Verstärkungen lebte.

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Farken ist rechtzeitig in Form gekommen

Vor allem 1500-m-Mann Farken schoss den Vogel ab. In den vergangenen zwölf Monaten musste er gemeinsam mit Trainer Thomas Dreißigacker zahlreiche Stolpersteine – mitunter gar Brocken – aus dem Weg räumen. Im Sommer 2020 trainierte er nach einem Ermüdungsbruch als Schwimmer im Kulkwitzer See. Von den ersten fünf Monaten dieses Jahres verbrachte der Blondschopf vier Wochen in häuslicher Quarantäne – zunächst 14 Tage nach einer Corona-Infektion im Januar. Dann im März nach Rückkehr aus dem Mutationsgebiet Südafrika. Doch er hatte immer einen Plan B, trainierte daheim auf dem Fahrradergometer und einem geliehenen Laufband, das ihm der Verein vermittelte und seine Eltern aus Dresden holten. Zudem war der Papa sein Betreuer in Südafrika, als Robert die Hallensaison abbrach.

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So kam er trotz allem zur rechten Zeit in Top-Form, steigerte sich von Wettkampf zu Wettkampf. Ausgerechnet im meist taktisch geprägten Meisterschaftsfinale unterbot er nun die Olympianorm. All zu viel Erfahrung auf den knapp vier Stadionrunden besaß er gar nicht, galt er doch bis vor wenigen Wochen als 800-m-Spezialist.



„Ich konnte es am Sonntag erst gar nicht richtig fassen, dass ich jetzt sicher bei Olympia dabei bin“, erzählte der 24-Jährige mit zwei Tagen Abstand. Erst im Siegerinterview mit leichtathletik.tv machte die Reporterin den Sachsen darauf aufmerksam, dass er auch von drei (theoretisch) Schnelleren nicht mehr verdrängt werden kann. Denn laut Kriterien ist der Meister mit Norm „safe“. Am Dienstag nutzte er das schöne Wetter, um mit den stolzen Großeltern in Gohlis ein Eis zu essen. Denn schon gestern ging es weiter ins seit längerem geplante Höhentraining nach St. Moritz. Eigentlich sollte er von dort aus zur weiteren Normjagd Europa bereisen. Nun kann er eine Wettkampfpause einlegen, ehe er am 29. Juni in Luzern antritt. „Ich kann die Natur und die Luft mal richtig genießen und in Ruhe den Neuaufbau für die zweite Saisonhälfte starten“, so der dreifache deutsche Hallenmeister, der nun endlich mal im Freien sein Potenzial ausgereizt hat.

Die Attacke zur rechten Zeit

Die 3:34 sind noch nicht das Ende der Fahnenstange“, ist sich Thomas Dreißigacker sicher. Sein Schützling pflichtet dem Coach bei: „Wenn ich in einem richtig schnellen Lauf im Pulk mitgehen kann, dürfte noch mehr drin sein. Es ist auch unüblich, dass der Sieger eines 1500-Meter-Laufes wie in meinem Fall schon 500 Meter vor dem Ziel von vorn läuft.“

Doch die Attacke kam zur rechten Zeit. Zum einen hatte er sich geschworen, erst bei 1000 Metern auf die Zwischenzeit zu schauen, um sich nicht nach jeder halben Runde verrückt zu machen. Auf der anderen Seite stand er mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen am Start: „Mein Trainer hatte mir gesagt: Du bist auf jeden Rennverlauf bestens vorbereitet. Und ich hatte das Selbstverständnis, die letzten 500 Meter richtig schnell zu laufen – egal, wie sich die Beine anfühlen.“

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Dreißigacker betreut Farken nun schon seit zehn Jahren. Der 33-Jährige hatte schon länger erkannt, dass sein Schützling über 1500 Meter womöglich noch mehr Potenzial besitzt als über 800. „Doch diverse Verletzungen haben den Umstieg verzögert.“ Bis vor wenigen Tagen plante das Duo auch zweigleisig. Denn über 800 Meter besaß der SC-DHfK-Mann wegen seiner Weltranglistenposition die etwas bessere Ausgangsposition für Tokio. Doch in Braunschweig wäre ein Start über die zwei Stadionrunden riskant gewesen, weil das gute DM-Ergebnis von 2019 (Silber mit starker Zeit) gelöscht worden wäre. Nun lautet das Fazit: Alles richtig gemacht, denn neben der Olympianorm löschte er ganz nebenbei den 44 Jahre alten Meisterschaftsrekord. Farken sieht sich seit Sonntag keineswegs als 1500-Meter-Spezialist. „Ich bin Mittelstreckler“, betont er. „Das Gute ist: Meine Grundschnelligkeit hilft mir am Ende über 1500, die Ausdauer kann ich auch über 800 gebrauchen.“

Nach dem Höhentraining im angenehmen Gebirgsklima wird die Gewöhnung an die tropische Hitze in Tokio ein wichtiges Thema. 45-minütige Wannenbäder gehören ebenso dazu wie der Feinschliff in einem japanischen Trainingscamp.