24. Februar 2021 / 12:50 Uhr

Döbelner-SC-Funktionär Karl-Heinz Schmieder: „Nicht nur reden, sondern anpacken“

Döbelner-SC-Funktionär Karl-Heinz Schmieder: „Nicht nur reden, sondern anpacken“

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Seit über 35 Jahren beim Döbelner SC aktiv: Karl-Heinz Schmieder
Seit über 35 Jahren beim Döbelner SC aktiv: Karl-Heinz Schmieder © Sven Bartsch/Privat/Montage
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Seit 35 Jahren ist Karl-Heinz Schmieder beim Döbelner SC aktiv – nie als Spieler, aber immer hinter den Kulissen: Als Multi-Funktionär. Ende Januar wurde er 70 Jahre alt.

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Döbeln. Im Januar ist Karl-Heinz Schmieder 70 geworden. Die große Feier musste der Jubilar wegen der Pandemie auf den Sommer verschieben, aber er hat sich sehr über die vielen Glückwünsche gefreut, vor allem über die vom Döbelner SC. Dessen Geschicke hat er in den vergangenen 35 Jahren in den unterschiedlichsten Funktionen wesentlich mitgelenkt. Bis heute ist er als Mitglied der Fußball-Abteilungsleitung für Schiedsrichter und Sportgerichtsangelegenheiten zuständig. „Aber momentan ist da natürlich wenig los. Ich versuche, gesund durch den Winter zu kommen und werde mich, wenn der Schnee weg ist, auch bald wieder aufs Fahrrad setzen.“

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Durch Sohn Dirk zum Verein gekommen

Selbst vor den Ball getreten hat Karl-Heinz-Schmieder nie, er war in seiner Jugend Judoka und spielte Tischtennis. Zum Fußball kam er durch seinen Sohn. „Dirk hatte bei Kurt Bunzel angefangen und durchlief die Nachwuchsteams bei Motor Döbeln. Eines Tages wurde ich gefragt, ob ich in der Leitung des Trainingszentrums mitarbeiten möchte und habe mich überreden lassen.“

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Karl-Heinz Schmieder war damals Technischer Direktor des Trägerbetriebs Döbelner Beschläge- und Metallwerke, heute würde man sagen des Hauptsponsors – und wurde 1985 auch stellvertretender Sektionsleiter Fußball bei Motor. In der Wendezeit drängte er darauf, dass der Verein wieder seinen alten Namen Döbelner SC annimmt. „Das war die richtige Entscheidung. Andere Vereine haben darauf verzichtet und ärgern sich noch heute darüber.“

Während Sohn Dirk, mittlerweile 46, erfolgreicher Landesliga-Fußballer beim DSC wurde, übrigens zeitweise an der Seite des jetzt wieder als Trainer zurückgekehrten Thomas Kupper, übernahm Karl-Heinz Schmieder weitere Führungspositionen im Verein: stellvertretender Präsident, Fußball-Abteilungsleiter, später Schatzmeister und Technischer Leiter. Lange war er zudem Sportgerichts-Vorsetzender des Döbelner Fußball-Verbandes und später dessen Präsident, bis der Zusammenschluss mit Borna und Grimma zum Verband Muldental/Leipziger Land erfolgte.

Präsident des Döbelner Fußball-Verbandes

„Es ist bis heute schwer, Leute für ehrenamtliche Führungspositionen zu gewinnen, die stehen da nicht Schlange“, sagt Karl-Heinz Schmieder, „ich habe das aber immer gerne gemacht. Viele Menschen reden oft nur schön daher, man muss aber was tun und selbst anpacken.“ Zeitweise trat jedoch auch er im Verein beruflich bedingt etwas kürzer. Die Metallwerke gibt es längst nicht mehr. Der Döbelner, Diplomingenieur für Maschinenbau, orientierte sich neu, arbeitete für BMW in Leipzig, absolvierte zudem eine Ausbildung zum Bauleiter und war oft unterwegs.

Auch mit dem DSC hat er viele Höhen und Tiefen erlebt. Besonders intensiv sind die Erinnerungen an die Flutkatastrophe 2002. „Die Mulde floss direkt durchs Stadion, hat die Plätze weggerissen, die Gebäude standen zwei Meter unter Wasser. Auch ich habe tagelang Schlamm geräumt.“ Der Döbelner Verein war mit am schwersten betroffen und erhielt Besuch vom damaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder. „Er hat sich alles angeschaut und vor allem einen dicken Scheck mitgebracht“, erzählt Karl-Heinz Schmieder. Er selbst erhielt den Fluthelferorden, sein DSC konnte 2003 dank vielfältiger Unterstützung eine neue Anlage einweihen. Mehr als ein Jahrzehnt später brauchten Flüchtlinge Hilfe. „Das Kinderheim Großweitzschen hatte angefragt, ob einige Jungs bei uns mittrainieren dürfen. Die spielen jetzt zum Teil in unseren Mannschaften“, sagt Karl-Heinz Schmieder.

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Er schloss vor allem den damals 16-jährigen Abdullahi Ahmed Ali aus Somalia ins Herz. Der hatte aus Mogadischu nicht viel mehr als ein Handy und einige Fotos mitgebracht, darunter eine von Fifa-Chef Sepp Blatter unterschriebene Schiedsrichter-Lizenz, und pfiff schon bald Spiele für den DSC. Zunächst im Nachwuchs, dann in der Kreisliga B. Inzwischen ist er 22 Jahre alt, in der Kreisoberliga angekommen und steht vor dem Sprung in die Landesklasse. Zu seinen ersten Einsätzen als Referee begleitete ihn Karl-Heinz Schmieder und griff ihm auch sonst unter die Arme, wo er nur konnte. „Der Junge spricht inzwischen ganz gut deutsch, ist sehr lernbegierig und fleißig, wir reden bis heute mehrmals in der Woche miteinander und er war auch oft bei mir zu Hause.“

Gemeinsam für die Facharbeiter-Prüfung gelernt

Im Januar hat Abdullahi Ahmed Ali eine Ausbildung als Fachkraft für Metalltechnik abgeschlossen, arbeitet und wohnt in Döbeln. Im vergangenen Sommer büffelte Karl-Heinz Schmieder mit ihm für die Prüfung bei der IHK. „Ich bin ja vom Fach und konnte deshalb helfen. Er hat im zweiten Anlauf bestanden. Auch viele Deutsche rasseln beim ersten Mal durch.“ Vor einigen Tagen fuhr sein Schützling nach Berlin und erhielt in der Botschaft endlich seine Geburtsurkunde, die er dringend braucht, um in Deutschland bleiben zu können. „Er gehört im Grunde schon zur Familie. Meine Frau sagt manchmal: Das ist unser drittes Kind.“

Karl-Heinz Schmieder hat noch eine Tochter, die mal Sportakrobatin war und jetzt in Dresden lebt. Und drei Enkel, von denen zwei Fußball spielen, einer beim Dresdner SC und einer beim Döbelner SC. Früher fuhr Karl-Heinz Schmieder zu allen Spielen der DSC-Männer, jetzt ist er nur noch bei den Heim-Auftritten dabei und hofft, dass unter Trainer Thomas Kupper wieder der Sprung in die Landesklasse gelingt. „Ich bin da sehr optimistisch.“ Und er will seinem Verein noch möglichst lange helfen, wo immer er kann. „Der Fußball hat mich immer ausgefüllt.“