09. August 2019 / 07:46 Uhr

Dobermann, geh’ du voran - Ex-Nationalspieler der BSG Chemie wird 75

Dobermann, geh’ du voran - Ex-Nationalspieler der BSG Chemie wird 75

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Bernd Dobermann mit Offensivdrang am Ball im Spiel gegen den 1 FC Magdeburg(r. Jörg Ohm).
Bernd Dobermann mit Offensivdrang am Ball im Spiel gegen den 1 FC Magdeburg(r. Jörg Ohm). © Archiv/Peter Kümmel
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Der wieselflinke Rechtsverteidiger begeisterte  Ende der 60er Jahre die Fans der BSG Chemie Leipzig mit seinen schnellen Vorstößen. Wir erinnern anlässlich seines 75. Geburtstages an die Karriere des beliebten Leipzigers. 

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Leipzig. „Dobermann geh‘ Du voran“, skandierten die Chemie Leipzigs Fans in den Jahren von 1967 bis 1970, wenn der wieselflinke Verteidiger über seine rechte Seite zum Sturmlauf ansetzte. Sein Offensivdrang – damals bei Abwehrspielern noch nicht häufig anzutreffen – hatte der an diesem Freitag vor 75 Jahren in Leipzig geborene Bernd Dobermann als gelernter Stürmer wahrscheinlich einfach im Blut.

Doch erst im Alter von 18 Jahren wurde Dobermann von der BSG Medizin Mitte Leipzig zum DDR-Fußball-Oberligisten SC Lok Leipzig geholt, wo er 1962/63 im Nachwuchs und in der DDR-Oberliga-Reserve kickte. Bereits 1963 wechselte er weiter zum Bezirksligisten Lok Ost (heute Fortuna), wo er bis 1966 blieb. Es folgte die Saison 1966/67 beim Zweitliga-Aufsteiger Aktivist (nachmals Chemie) Böhlen.

Eine Erstliga-Karriere zeichnete sich da also nicht unbedingt ab, denn es dauerte noch ein Jahr, bis ihn Chemie-Meistertrainer Alfred Kunze nach Leutzsch holte, da immerhin schon 23-jährig. Bei den Grün-Weißen wurde er schnell Stammspieler, ab 1968 unter Coach Otto Tschirner aber als rechter Verteidiger statt als Angreifer. Sein Drang nach vorn war auffällig und belebte das Spiel beträchtlich, was ihm die Fans mit eingangs erwähnten Rufen dankten. Er selbst will das nicht zu hoch hängen, es scheint so, als seien ihm derartige Ovationen noch heute etwas peinlich. „Volker Trojan sicherte mich als defensiver Mittelfeldspieler bei meinen Ausflügen ab“, erklärt Dobermann die bis heute nicht veraltete Taktik.

Länderspiel in Kairo

Unbegründet kann die jeweilige Euphorie der Fans dabei nicht gewesen sein, denn Harald Seeger, der damalige DDR-Auswahltrainer, wurde auf ihn aufmerksam. Sein erstes Länderspiel erlebte Dobermann am 9. Juli 1969 gegen Ägypten, die DDR gewann in Rostock 7:0. Kurioserweise lief der Leipziger auch in seinem zweiten – und zugleich schon wieder letzten – A-Auswahlspiel gegen Ägypten auf, diesmal am 19. Dezember des gleichen Jahres in Kairo. Wieder gab es einen DDR-Sieg, diesmal 3:1. „Das war ein tolles Erlebnis für mich“, erinnert sich Dobermann.

Bernd Dobermann war von 1967 bis 1970 für die BSG Chemie Leipzig aktiv. Am Freitag feiert der ehemalige Verteidiger seinen 75. Geburtstag. 
Bernd Dobermann war von 1967 bis 1970 für die BSG Chemie Leipzig aktiv. Am Freitag feiert der ehemalige Verteidiger seinen 75. Geburtstag.  © imago/Christian Schroedter
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Abgesehen von ein paar B-Auswahleinsätzen war damit die internationale Karriere des Chemie-Verteidigers jedoch schon wieder vorbei. Der als Auswahlcoach auf Seeger folgende Georg Buschner setzte Dobermann nicht mehr ein, berief ihn lediglich noch ein paar Mal ins Aufgebot. Immerhin gehört er neben Günter Busch, Manfred Walter, Rudi Krause und Bernd Bauchspieß zu den Nationalspielern der Chemie-Historie.

Als ab 1970 wieder „einfacher“ Oberliga-Spieler einer Betriebssportgemeinschaft ereilte ihn nach 63 Erstliga-Partien für Chemie der Armeedienst, den viele Erstliga-Fußballer nicht vermeiden konnten. Für einen Sportler wie Dobermann verlief dieser jedoch glimpflich, durfte er doch in der zweitklassigen DDR-Liga-Truppe von Vorwärts Cottbus kicken. Von dort holte ihn alsbald der zentrale Armee-Fußballclub Vorwärts Frankfurt in sein damals ziemlich starkes Oberliga-Team.

Mit Armeedienst hatte das – erfreulich für den Leipziger – nicht viel zu tun. Für den FCV brachte er es auf 21 Oberliga-Einsätze. Im Oktober 1973 war sein dreijähriger NVA-Dienst vorbei. Nun schon 29-jährig kehrte er aber nicht zu Chemie zurück, sondern zur gerade in die DDR-Liga aufgestiegenen BSG Rotation 1950 Leipzig. „Ich wohnte dort in der Nähe und hatte keine Erstliga-Ambitionen mehr“, erklärt er diesen Schritt zurück. „Außerdem bekam ich im zugehörigen Trägerbetrieb von Rotation im Druckereiwesen eine Arbeitsstelle.“

Beste Zeit bei Chemie

Schon 1974 stieg Rotation wieder in die Bezirksliga ab. In dieser dritthöchsten Spielklasse kickte Dobermann dann bis zum Karriereende 1978. Danach wirkte er als Trainer im Chemie-Nachwuchs (bis 1982), bei Stahl Südwest und am längsten schließlich bei Fortschritt Leipziger Wollkämmerei (heute SV 1910) von 1983 bis 1993. „Meine beste Zeit hatte ich zweifellos bei Chemie“, sagt der Jubilar rückblickend. „Und mein bester Trainer war Kurt Neustadt, bei dem ich im Nachwuchs viel gelernt habe.“

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