08. Juli 2020 / 11:17 Uhr

Doberschützer Pokalprophet Patommel sagt Tschüss: "Es war einfach an der Zeit"

Doberschützer Pokalprophet Patommel sagt Tschüss: "Es war einfach an der Zeit"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Früheres Erfolgsquartett: Thomas Patommel mit Co-Trainer Christian Bardt, Mannschaftsleiter Jörg Schmittinger und Abteilungsleiter Michael Nölle (von links). Inzwischen gibt es diese Rollenverteilung nicht mehr.
Früheres Erfolgsquartett: Thomas Patommel mit Co-Trainer Christian Bardt, Mannschaftsleiter Jörg Schmittinger und Abteilungsleiter Michael Nölle (von links). Inzwischen gibt es diese Rollenverteilung nicht mehr. © Privat
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Von Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna zu Wacker Dahlen: Diesen Schritt von Thomas Patommel konnte man nicht unbedingt erwarten. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt der Trainer seine Entscheidung und lässt die vergangenen Jahre Revue passieren.

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Dahlen. Sieben Jahre, vier Pokalsiege, ein Aufstieg, ein Abstieg: Thomas Patommel, 58, hat als Trainer von Fußball-Nordsachsenligist Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna wirklich alles erlebt. Nun verlässt er den Verein, den er mehr als ein halbes Jahrzehnt maßgeblich mitgeprägt hat aus freien Stücken – und heuert ausgerechnet bei Liga-Konkurrent Wacker Dahlen an. Jene Mannschaft, die ihm eine seiner bittersten Niederlagen beibrachte. Im Interview rekapituliert Patommel die intensive Zeit bei Frisch Auf und verrät sein Pokal-Geheimnis.

Herr Patommel, nach sieben Jahren ist Schluss in Doberschütz-Mockrehna. Warum?

Es war einfach an der Zeit. Vielleicht hätte ich diesen Schritt sogar schon ein Jahr eher gehen sollen, aber man hängt ja auch an seinen Spielern. Entweder wechselt man nach so langer Zeit den Trainer aus oder die Spieler und da das mit den Spielern schwierig wird, habe ich die Reißleine gezogen. Jetzt ist ein neuer Trainer da, der sicher neuen Schwung reinbringt.

Klingt, als hätte es bei Ihnen am Ende Abnutzungserscheinungen gegeben?

Auf jeden Fall. Die gab es aber bei allen, bei den Spielern und bei mir. Ich brauchte einfach mal eine Zeit, in der ich nichts mit Fußball zu tun haben musste, insofern hat mir die Corona-Pause gut getan.

DURCHKLICKEN: Der Dahlener Pokalsieg 2017

Sieg im Elfmeterschießen: Der FSV Wacker Dahlen setzt sich im Finale des Bärenpokals im Mai 2017 im Elfmeterschießen gegen Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna durch. Zur Galerie
Sieg im Elfmeterschießen: Der FSV Wacker Dahlen setzt sich im Finale des Bärenpokals im Mai 2017 im Elfmeterschießen gegen Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna durch. © Ronny Belitz

Als Sie angefangen haben, hatte Frisch Auf durchaus höhere Ambitionen, sprich den Aufstieg im Blick. Doch stattdessen gab es einen Knick nach unten. Was ist dazwischen gekommen?

Wir hatten in den ersten beiden Jahren wirklich einen sehr guten Kader und neben dem Pokalendspiel auch das Ziel, uns in der Tabelle oben zu etablieren. Tatsächlich haben wir gleich in meinem ersten Jahr den Pokal gewonnen und sind Vizemeister geworden. Dann gibt‘s natürlich nur noch eins: den Aufstieg. Als wir den dann in meinem zweiten Jahr verpasst haben, haben uns die ersten Spieler verlassen, die höherklassig spielen wollten.

Und guten Ersatz zu bekommen, war nicht möglich?

Wir mussten immer wieder eine neue Mannschaft aufbauen, und es ist schwer, entsprechende Spieler nach Doberschütz zu holen. Junge Spieler aus der A-Jugend gehen lieber in die Kreisklasse zu ihren Kumpels. Sie quälen sich nicht mehr. Aber das muss man akzeptieren, man hat einfach keine Chance, ihnen ins Gewissen zu reden.

Es folgten Abstieg, sofortiger Wiederaufstieg und eine schwierige Rückkehr in die Nordsachsenliga. Wie stressig war das für Sie persönlich?

Das war Stress pur. Ich bin mir aber sicher, dass wir in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zu tun gehabt hätten. Kurz vor Beginn der Corona-Krise hatte ich zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder einen vollen Kader, das war eine richtig starke Truppe. Aber die Corona-Pause hat mir auch Zeit gegeben zu überlegen, welche Ziele hat man noch? Ich wollte den Abschied nicht endlos hinauszögern, das wäre für beide Seiten schlecht gewesen.

Finale im TZ-Bärenpokal 2015: Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna sichert sich den Titel dank Finalsieg gegen Laußig.
Finale im TZ-Bärenpokal 2015: Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna sichert sich den Titel dank Finalsieg gegen Laußig. © Thomas Manthey

Kennen Sie Ihren Nachfolger Dirk Geissler eigentlich? Was würden Sie ihm mit auf den Weg geben?

Wir sind uns nur kurz über den Weg gelaufen. Ich bin mir sicher, er wird ein paar positive Aspekte reinbringen. Ansonsten wird man sich ja bald wiedersehen…

Wie hat sich die Nordsachsenliga verändert, seit Sie angefangen haben?

Das Niveau bei fast allen Mannschaften ist gesunken. Viele leiden unter einer sehr dünnen Personaldecke. Die Qualität, die die Liga vor sechs, sieben Jahren hatte, ist nicht mehr da. Viele gute ältere Spieler haben aufgehört, das ist leider so.

Was war Ihr schönster Moment als Trainer von Frisch Auf?

Ganz klar der erste Pokalsieg gegen Mügeln-Ablaß. Das war zugleich unser schwerstes und bestes Spiel von der spielerischen Klasse her. Wir haben in der Verlängerung 1:0 gewonnen. Das war sehr aufregend und emotional, gleich in meiner ersten Saison den Pokal zu holen.

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Nun haben Sie sich mit einer halben Saison verabschiedet, sind per Quotientenregelung auf dem vorletzten Platz eingestuft worden. Was hat der Corona-Abbruch bei Ihnen bewirkt?

Es fiel mir leichter aufzuhören. Wir sind auch im Guten auseinander gegangen, wollen uns alle nochmal treffen und ein Bier zusammen trinken.

Nun führt Sie Ihr Weg direkt nach Dahlen. Wie kommt‘s?

Der Verein hat sich sehr um mich bemüht. Sie haben viele junge Leute, die wirklich wollen. Da aber personell noch einiges in der Schwebe ist, werden wir die konkreten Ziele erst später darlegen.

Verraten Sie uns zum Schluss noch Ihr Pokal-Geheimnis?

Man muss auf diese bestimmten Spiele voll fokussiert sein, muss auch im Training vorher alles geben und dann den richtigen Matchplan haben. Aber natürlich gehört auch etwas Losglück dazu.

Sie haben nur eins von fünf Finals verloren, ausgerechnet gegen Dahlen …

Da stehe ich drüber. Die Jungs haben natürlich ein bisschen gefrotzelt, als ich mich vorgestellt habe. Aber das gehört dazu.