11. Februar 2019 / 07:58 Uhr

Doll: "Jetzt lasst uns alles raushauen" - Hannover 96 zwischen Mut und Realismus

Doll: "Jetzt lasst uns alles raushauen" - Hannover 96 zwischen Mut und Realismus

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Doll war dank der drei Punkte gut gelaunt, doch das ganze 96-Umfeld bemühte sich, die Wichtigkeit des Siegs zu betonen und gleichzeitig zu mahnen.
Thomas Doll war dank der drei Punkte gut gelaunt, doch das ganze 96-Umfeld bemühte sich, die Wichtigkeit des Siegs zu betonen und gleichzeitig zu mahnen. © Maike Lobback
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Es fühlt sich immer noch gut an: Der Dreier für Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg war enorm bedeutsam. Aber bringt er letztlich wirklich was? Ob der Sieg die nötigen Kräfte freisetzt, muss die Doll-Elf bei den kommenden Aufgaben unter Beweis stellen - das wissen die 96-Verantwortlichen realistisch einzuschätzen. 

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Da blitzt es wieder, dieses Lächeln auf den Gesichtern der Profis. Waldemar Anton huscht durch den Kabinentrakt mit erhobenem Haupt, klarem Blick und breitem Grinsen. Lange ist es her, dass der 96-Kapitän über einen Erfolg sprechen durfte. Mit 2:0 hat Hannover das Abstiegsendspiel gegen Nürnberg gewonnen. Ein wichtiger Sieg – aber, das weiß auch Anton, als er sich frisch geduscht in den VIP-Bereich verabschiedet: Es war nur ein erster Schritt. Mehr nicht.

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Kind: "Entspannt, aber sicher nicht euphorisch"

Das mahnt auch sein Präsident, als er nach dem verdienten Erfolg gegen ganz schwache Nürnberger in die Kabine zur Mannschaft ging. „Die Stimmung in der Kabine war entspannt, aber sicher nicht euphorisch.

Jeder Spieler weiß diesen Erfolg einzuschätzen“, beschreibt Martin Kind das 96-Innenleben. Und tatsächlich. So schön der Erfolg nach der Sieglos-Serie von neun Spielen war, zur Wahrheit gehört auch, dass diese Leistung im Keller-Krampf so wohl noch nicht zur Bundesliga-Tauglichkeit genügt.

„Ich habe zu den Spielern gesagt: Es ist großartig, dass wir ein Lebenszeichen gesetzt haben“, so Trainer Thomas Doll. „Unabhängig davon, dass wir alle wissen, dass wir unglaublich viel Arbeit vor uns haben. Das habe ich auch gesehen in den 90 Minuten.“

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Der nötige Realismus

Denn was 96 gegen Nürnberg ablieferte, hatte über weite Strecken nur bedingt etwas mit Bundesliga-Format zu tun. Mehr noch: Der 2:0-Erfolg kaschierte nicht die 96-Schwächen. In der Offensive ist und bleibt noch ganz vieles Stückwerk, aus dem Mittelfeld kommt zu wenig nachhaltige Power für das Angriffsspiel, über die Außen landen zu wenige verwertbare Flanken bei den Stürmern. Und das, obwohl 96 nach der Roten Karte für Nürnbergs Simon Rhein (nach Foul an Julian Korb) 80 Minuten in Überzahl spielte.

Heldt: "Eine Serie - warum nicht?"

„Da war wirklich ein bisschen Hektik drin. In der Phase haben wir es nicht gut gemacht“, sagte Doll. Gut aber, dass die Mannschaft über 90 Minuten an sich geglaubt an. Das war zu sehen. Die Spieler wollten diesen wichtigen Sieg im Keller-Duell. „Ich bin erleichtert, dass wir gewonnen haben. Das war verdammt wichtig“, sagt Manager Horst Heldt.

Gestern Abend ergänzte er auf Sky: „Wir sind in der Lage, dass wir es aus eigener Kraft schaffen.“ Heldt hält sogar eine Erfolgsserie für möglich, wie sie Stuttgart in der Rückrunde der Vorsaison hinlegte. „Warum soll uns das nicht auch gelingen?“

Bilder vom Spiel der 1. Bundesliga zwischen Hannover 96 und dem 1. FC Nürnberg

Hannovers Waldemar Anton (links) passt den Ball vor Nürnbergs Adam Zrelak weiter. Zur Galerie
Hannovers Waldemar Anton (links) passt den Ball vor Nürnbergs Adam Zrelak weiter. ©
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Doll lobt Arbeitseifer - Müller tut's gut

Auch wenn nicht alles gelang, wurden die Profis nicht müde, immer wieder anzurennen. „Die Jungs haben sich reingehauen, ich habe Engagement gesehen“, sagte Doll.

Das 1:0 durch Nicolai Müller fiel in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zu einem günstigen Zeitpunkt. Und auch das 2:0 knipste Müller (77.). Nach einem schönen Pass von Jonathas blieb der Stürmer vor dem Tor eiskalt, traf stark ins linke Eck. „Ich stand heute zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Die Tore haben gutgetan. Ich hoffe, es geht so weiter“, sagte der Doppel-Torschütze mit zufriedenem Lächeln.

Kommende Aufgaben haben Gewicht

Der Sieg gibt zumindest ein Stückchen verlorenes Selbstvertrauen zurück. Die Spieler haben gesehen, dass sie es doch noch können. Durch die drei Punkte hat 96 den letzten Platz an Nürnberg übergeben. Den dritten Dreier der Saison ordnet Doll vernünftig ein. „Wir leben noch – und das ist, glaube ich, das Wichtigste für alle zusammen im Verein“, sagte der Trainer. „Jetzt lasst uns alles raushauen die letzten Wochen und Monate. Dann wird der ein oder andere, der uns schon abgeschrieben hat, sich umschauen.“

Für den Moment jedenfalls kehrt die Leichtigkeit zurück in die Mannschaftskabine. Als nächste Aufgaben warten Hoffenheim und Frankfurt – da wird sich zeigen, was der Erfolg im Keller-Gipfel wert ist.

Von Carsten Bergmann und Tobias Manzke

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