26. März 2020 / 16:32 Uhr

"Langsam verliere ich die Hoffnung": Zwangspause ist für Jonack kein echter Trost

"Langsam verliere ich die Hoffnung": Zwangspause ist für Jonack kein echter Trost

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Von Einsätzen für Hannover 96 kann Dominik Jonack derzeit nur träumen.
Von Einsätzen für Hannover 96 kann Dominik Jonack derzeit nur träumen. © Uwe Serreck
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Das Patellaspitzensyndrom an beiden Knie setzt Dominik Jonack schon seit geraumer Zeit außer Gefecht. Der talentierte Tischtennisspieler von Hannover 96 tut alles für eine baldige Rückkehr. Dass er wegen der Corona-Krise weniger verpasst als normal, ist maximal ein schwacher Trost.

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Im Leistungszentrum des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen herrscht wegen der Corona-Pandemie derzeit ebenfalls beängstigende Stille. Dominik Jonack ist ohnehin schon lange nicht mehr dort gewesen, seit Dezember hat die verletzte Nummer drei von Drittligist Hannover 96 die Trainingshalle nur sporadisch betreten.

Patellaspitzensyndrom bremst Jonack aus

„Es ist sehr hart, die anderen trainieren zu sehen“, sagt der 19-Jährige. Das Patellaspitzensyndrom an beiden Knien setzt ihm seit Monaten zu. Die Überlastungsreaktion der Sehne ist eine Folge der hohen Belastungen während des vergangenen Jahres, als der Abwehrspieler zunächst Mitte Juli bei der Jugend-Europameisterschaft in Ostrava (Tschechien) und im November bei der WM in Thailand auf internationalem Parkett für Furore sorgte.

Während der Vorbereitung für die EM machten sich die Schmerzen im Knie zum ersten Mal bemerkbar. Die Probleme wurden im Laufe des Jahres nicht besser, aber der 1,93 Meter große Schlaks biss sich durch, obwohl er in den schlimmsten Momenten keine drei Minuten mit angewinkelten Knien sitzen konnte: „Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht, aber ich wollte die WM auf keinen Fall sausen lassen.“ Verständlich, denn zum Ende der Jugendzeit war es eine einmalige Chance.

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Nach Abschluss der ersten Halbserie in der 3. Liga legte Jonack eine Pause ein, in der Hoffnung auf Besserung, um im neuen Jahr aufs Neue durchzustarten. „Das war mal gar nichts“, musste er ernüchtert feststellen. Nun arbeitet der 19-Jährige mindestens viermal in der Woche mit gezieltem Athletik- und Rehabilitationstraining an seiner Rückkehr an den Tisch. Ziel ist, den Stoffwechsel anzukurbeln, damit das Gewebe schneller regeneriert, und außerdem die Oberschenkelmuskulatur zu lockern und zu stärken.

Zwei Monate sind längst vorbei

Die Fortschritte sind schleppend, und die vorhergesagte zweimonatige Pause ist lange vorbei. „Ich hätte Bock gehabt, wieder zu spielen. Gerade, weil es im vergangenen Jahr so gut lief“, sagt der aus dem Garbsener Stadtteil Osterwald stammende Schüler des Humboldt-Gymnasiums. Selbst einige Versuche im Aufschlagtraining dauerten wegen der Schmerzen nicht lange.

Besonders frustrierend sind für ihn die Momente, wenn Kumpel und Mannschaftskollege Heye Köpke die Trainingstasche packt. „Langsam verliere ich die Hoffnung“, gibt Jonack einen Einblick in sein Gefühlsleben.

Dominik Jonack (Dritter von rechts) holte im Juli 2019 mit der Jugendnationalmannschaft die Bronzemedaille in Tschechien.
Dominik Jonack (Dritter von rechts) holte im Juli 2019 mit der Jugendnationalmannschaft die Bronzemedaille in Tschechien. © Marco Steinbrenner
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Ohne ihn verlor 96 alle sechs bisherigen Spiele der Rückrunde und rutschte auf den vorletzten Platz ab. „Das ist total bitter“, sagt Jonack. Landestrainer Lennart Wehking versucht, seinen Schützling so gut es eben geht aufzubauen: „Man braucht einen langem Atem.“ Ein eher schwacher Trost ist die Zwangspause durch die Corona-Pandemie, die Genesung hätte ohnehin im Vordergrund gestanden. „Es wird noch ein bisschen dauern. Wegen einer solchen Verletzung musste noch nie jemand aufhören“, sagt Wehking.

Neuer Verein steht noch nicht fest

Wie es für Jonack in der neuen Saison weitergeht, ist offen. Der Spielbetrieb ist mindestens bis zum 17. April ausgesetzt. Doch unabhängig davon, ob es danach weitergehen kann, steht fest, dass sich 96 aus finanziellen Gründen zurückzieht. „Wir wussten schon zur Halbserie, dass es mit uns nicht weitergeht“, verrät Jonack.

Er wird der 3. Liga auf jeden Fall erhalten bleiben. Auf der Liste der möglichen Klubs stehen der TTC Fulda, der TSV Schwarzenbek und Regionalliga-Tabellenführer TTS Borsum. Der wäre für Jonack wohl die beste Lösung, um nicht den Platz im Förderprogramm „Team Niedersachsen“ zu verlieren.

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