27. Februar 2019 / 12:34 Uhr

Nordische Ski-WM: Neun Festnahmen nach Doping-Razzien - auch Deutsche betroffen

Nordische Ski-WM: Neun Festnahmen nach Doping-Razzien - auch Deutsche betroffen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Razzia bei der Ski-WM: Doping-Verdacht in Seefeld.
Razzia bei der Ski-WM: Doping-Verdacht in Seefeld. © dpa
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Die österreische und deutsche Polizei haben offenbar eine gemeinsame Aktion gegen Dopingverdächtige begonnen. Bei der nordischen Ski-WM in Seefeld gab es eine Razzia - auch in Deutschland sollen Gebäude durchsucht worden sein.

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Ein neuer Doping-Skandal im Skisport bahnt sich an! Laut Bericht des ARD-Dopingjournalisten Hajo Seppelt wurden am Dienstag in Seefeld bei der nordischen Ski-WM und in Erfurt Razzien durchgeführt. Dabei soll es um den Verdacht von Doping gehen. Auch in anderen deutschen Bundesländern könnte es Razzien gegeben haben, schreibt Seppelt via Twitter. Insgesamt wurden inzwischen neun Menschen festgenommen, darunter fünf Sportler. "Bei den festgenommenen Athleten handelt es sich um zwei österreichische, einen kasachischen und zwei estnische Spitzensportler", teilte das österreichische Bundeskriminalamt mit. In Erfurt wurde ein deutscher Sportmediziner und ein Komplize festgenommen.

Das Bundeskriminalamt aus Österreich schreibt in einer Stellungnahme davon, ein "weltweit agierendes Dopingnetzwerk zerschlagen" zu haben. Die Ermittlungen sollen über Monate gelaufen sein. Es wurden 16 Hausdurchsuchungen im österreichischen Seefeld und in Erfurt vollzogen.

Deutscher Arzt festgenommen

Diese Razzien haben auf der Grundlage neuer Ermittlungen der österreichischen Staatsanwaltschaft stattgefunden. Unter anderem in Erfurt, wie eine Praxis eines deutschen Arztes untersucht wurde. Die Praxis im Ortsteil Rieth sei bereits länger observiert worden.

Dabei handelt es sich um den ehemaligen Mannschaftsarzt des Radsportteams Gerolsteiner: Dr. Mark Schmidt. Dieser wurde bereits vor einigen Jahren bei Doping-Enthüllungen im Radsport mit Blutdoping in Verbindung gebracht. Nun wurde er festgenommen. "Diese aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern und dadurch illegale Einkünfte zu lukrieren", schreibt Bundeskriminalamt.

Im Fokus der Untersuchungen sollen gleich mehrere Team stehen, die auch bei der nordischen Ski-WM in diesen Tagen in Seefeld teilnehmen. Laut der Krone-Zeitung handelte es sich dabei vor allem um das Team Österreich. Seppelt berichtet zudem, dass Athleten aus Estland und Kasachstan betroffen sind. Athleten sollen demnach inflagranti beim Blutdoping erwischt worden sein. Die Krone nennt sogar Namen: Dominik Baldauf und Max Hauke. Die beiden liefen im Teamsprint auf Platz sechs. Auch zwei Esten und ein Kasache sind in dem Dopingskandal involviert.

Razzien gegen Hintermänner

Bei den Razzien in Deutschland und Österreich soll es vor allem um die Hintermänner eventueller Doping-Vergehen gehen. Der österreichische Langläufer Johannes Dürr hatte zuletzt berichtet, dass in Deutschland Blutdoping betrieben wird. In der ARD-Dokumentation schilderte er vor wenigen Wochen, wie er selbst Blutbehandlungen in Bayern und Thüringen erhielt. Dürr selbst wurde 2014 wegen Dopings gesperrt.

Dass österreichische Bundeskriminalamt hatte schon vor gut zwei Jahren bei der Biathlon-WM in Hochfilzen in den Teamunterkünften der kasachischen Nationalmannschaft eine Razzia durchgeführt. Bei der nächtlichen Durchsuchung wurden damals zahlreiche medizinische Produkte und Medikamente sichergestellt. Grund war, dass im Januar 2017 eine Privatperson beobachtet hatte, wie die Insassen von mehreren Kleinbussen an einer Tankstelle in Osttirol einen größeren Karton entsorgten.

Vizekanzler und Sportminister Strache: "Antidoping-Bundesgesetz eine ausgezeichnete Grundlage"

Österreichs Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) will nach den Doping-Ermittlungen im Umfeld der Nordischen Ski-WM in Seefeld die Ermittlungsergebnisse abwarten, bevor über gesetzliche Verschärfungen beim Kampf gegen Doping beraten werden könnte. „Die aktuellen Vorkommnisse bestätigen, dass das Antidoping-Bundesgesetz eine ausgezeichnete Grundlage ist, um saubere Sportlerinnen und Sportler zu schützen und für einen fairen Wettkampf zu sorgen“, sagte Strache laut einer Mitteilung. „Ich bin an der lückenlosen Aufklärung interessiert, werde aber die Ergebnisse dieser Ermittlungen abwarten, ehe geprüft wird, ob zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der sauberen und fairen Sportlerinnen und Sportler eingeleitet werden müssen.“

„Das ist ein harter Schlag für den Langlauf im Allgemeinen. Ich stehe unter Schockstarre. Es ist ja nicht das erste Mal, und wie es ausschaut nicht das letzte Mal“, meinte Markus Gandler, der Sportliche Leiter im Österreichischen Skiverband für Langlauf und Biathlon am Mittwoch. Seit 2003 ist der Funktionär für die Bereiche Langlauf und Biathlon im österreichischen Verband zuständig. Er war auch schon bei der Polizei-Razzia bei Olympia 2006 in Turin im Amt.

Stadlober: "Weiß gar nicht, wie tief es noch hinuntergeht"

Alois Stadlober, Langlauf-Experte im ORF sowie Vater der beiden österreichischen WM-Starter Teresa und Luis, sagte: „Dümmer geht es nicht mehr, und tiefer kann man gar nicht mehr fallen. Ich glaube, wir waren mit dem österreichischen Langlauf schon tief, dann sind wir noch tiefer gefallen, und ich weiß gar nicht, wie tief es noch hinuntergeht.“

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