28. Februar 2019 / 17:52 Uhr

Kommentar zum Doping-Beben bei der Ski-WM: Der weiße Sport hat Flecken bekommen

Kommentar zum Doping-Beben bei der Ski-WM: Der weiße Sport hat Flecken bekommen

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
<b>SPORT</b>BUZZER-Redakteur Sebastian Harfst glaubt: Doping ist im Sport systemimmanent. Der Skandal bei der Nordischen Ski-WM, ausgelöst durch den Whistleblower Johannes Dürr (M.) könnte dennoch ungeahnte Folgen haben.
SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst glaubt: Doping ist im Sport systemimmanent. Der Skandal bei der Nordischen Ski-WM, ausgelöst durch den Whistleblower Johannes Dürr (M.) könnte dennoch ungeahnte Folgen haben. © dpa/Montage
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Die Bilder von der Nordischen Ski-WM in Seefeld vermitteln Idylle - doch in den Bergen und Wäldern Tirols könnte sich einer der größten Skandale der Sportgeschichte abspielen, dessen Tragweite der Öffentlichkeit erst nach und nach bewusst wird. Für SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst zeigt sich in Österreich die dunkle Seite des Sports.

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Die Bilder, die aus dem österreichischen Seefeld in die Welt gesendet werden, sind ein Traum. Schneedecken vor Wäldern und Tiroler Gipfeln, Sonnenschein pur – die Nordische Ski-Weltmeisterschaft bietet all das, was auch die Zuschauer in Deutschland so sehr am Wintersport lieben.

Nur hat der weiße Sport Flecken bekommen. Von der „Zerschlagung eines weltweit agierenden Netzwerks“ war die Rede, nachdem Fahnder mehrere Langläufer und ihre vermeintlichen Helfer festgenommen hatten. Der Sport hat damit seinen nächsten Dopingskandal, dessen Spuren bis zu einem Arzt im thüringischen Erfurt führen. Wer deswegen aber überrascht ist, zeigt ein gehöriges Maß an Naivität. Zu oft wurde der Sport schon durchgerüttelt. Allein im erneut unter Verruf geratenen österreichischen Langlaufteam waren bei den Olympischen Winterspielen 2002, 2006 und 2014 Athleten erwischt worden.

Doping im Sport ist systemimmanent

Anders gesagt: Doping im Sport ist systemimmanent. Der jüngste Fall, der bisher ein paar Langläufer betrifft, könnte das nächste Tor aufstoßen. Sollte es stimmen, dass von einer Praxis in Thüringen aus Athleten aus diversen Sportarten gedopt wurden, könnte sich die Affäre zu einem der größten Skandale der Sportgeschichte ausweiten. Disziplinübergreifend, über Verbandsgrenzen hinweg.

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Erneut zeigt sich hier die dunkle Seite des Sports, genährt aus einem Zwiespalt: Einerseits gieren die Zuschauer nach Bestleistungen, andererseits sind diese mit Training kaum noch zu erreichen. Zu nah an den natürlichen Grenzen agieren die Körper der Topathleten. Zu den Erwartungen des Publikums gesellen sich Ehrgeiz und wirtschaftlicher Druck, auch auf Seiten der Trainer und Verbände. Denn wer als Profi nicht abliefert, wer als Trainer seine Athleten nicht zu Erfolgen treibt, ist unattraktiv für Sponsoren. Oder er fliegt raus aus den Förderprogrammen.

Doping legalisieren? Das kann keine Lösung sein

Doping deswegen freizugeben, ist keine Lösung. Wer könnte das gegenüber Kindern, die sich für eine Sportart entscheiden, vertreten? Wie soll das den Athleten erklärt werden, die wirklich nur auf hartes Training setzen?

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Die Reflexe, wenn wieder ein Sportler des Dopings überführt wird, sind derweil immer ähnlich. Kollegen und Funktionäre sprechen von Einzelfällen oder von Versehen. In Österreich muss nun der Sportliche Leiter für Langlauf und Biathlon als Bauernopfer herhalten. Der Präsident des Skiverbandes, Peter Schröcksnadel, bleibt im Amt, das er seit 1990 innehat.

Es muss also die Frage erlaubt sein, ob die Verbände wirklich alles in den Kampf gegen Doping investieren. Stattdessen bleibt der Eindruck, dass Medaillen – und damit die Faktoren, die eine Entscheidung fürs Dopen begünstigen – als einzige Kriterien des Erfolgs herangezogen werden. Schon das Eingeständnis, ein Problem zu haben, wäre ein wichtiger Schritt. Denn was die Glaubwürdigkeit gegenüber dem Publikum angeht, ist die Kleinrederei fatal. Da helfen auch die schönsten Bilder nichts mehr.