18. Dezember 2017 / 12:57 Uhr

Doppelbelastung, Standards und Rotation: Das war RB Leipzigs Bundesliga-Hinrunde

Doppelbelastung, Standards und Rotation: Das war RB Leipzigs Bundesliga-Hinrunde

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Oft unterschätzt doch für das Spiel von Trainer Ralph Hasenhüttl unverzichtbar: Offensivspieler Marcel Sabitzer. 
Oft unterschätzt doch für das Spiel von Trainer Ralph Hasenhüttl unverzichtbar: Offensivspieler Marcel Sabitzer.  © dpa
Anzeige

RB Leipzig beendet die Hinrunde in der Bundesliga als Tabellenfünfter. Ein Blick zurück auf die vielen englischen Wochen, kleine und große Baustellen sowie den Mentalitätsspieler der ersten Saisonhälfte.

Anzeige

Leipzig. Alles war vorbereitet für einen versöhnlichen Jahresabschluss: Doch nach der 2:3-Pleite gegen Hertha und der ersten Heimniederlage in dieser Bundesligasaison wirkte die Lichtershow für die Fans am Sonntagabend irgendwie fehl am Platz. Das Ende der Hinrunde, es zog sich für RB Leipzig wie Kaugummi. In den letzten fünf Spielen blieb das Team von Ralph Hasenhüttl sieglos und stellte damit den Vereinsnegativrekord seit der Gründung im Jahr 2009 ein. Die Winterpause – noch nie wurde sie so sehr herbeigesehnt. Keeper Peter Gulacsi bilanzierte: „Wir sind ganz nah an den Champions-League-Plätzen dran. Deswegen ist es trotzdem eine erfolgreiche Hinrunde.“ Ein Blick zurück.

Anzeige

Doppelbelastung

Zum ersten Mal war der Europapokalneuling fast vier Monate lang mit englischen Wochen konfrontiert. Die Bilanz nach den Champions-League-Spielen kann sich sehen lassen: RBL kassierte keine einzige Niederlage im Fußball-Oberhaus. Im Vergleich mit den anderen international startenden Bundesligisten reihen sich die Leipziger hinter Bayern und Dortmund, aber vor den Europa-League-Startern Hoffenheim, Hertha sowie Köln in der Tabelle ein.

(Gegen)-Tore

Würde es ein Unwort des Jahres geben, so hieße es bei RB Leipzig vermutlich „Standards“. Seit Wochen kassiert das Hasenhüttl-Team reihenweise Tore nach ruhenden Bällen, brachte sich damit in allen Wettbewerben um wichtige Punkte. Am Sonntag gegen Hertha waren es sogar in Überzahl zwei Stück. Von den ersten fünf Teams in der Bundesliga hat RB die meisten Treffer (25) kassiert und gleichzeitig die wenigsten erzielt (27). Vergangene Saison hatte der Aufsteiger nach der Hinrunde noch zehn Gegentore weniger (15) und sieben Treffer mehr auf dem Konto (34).

DURCHKLICKEN: Der RB-Sieg beim BVB im Oktober 2017

Borussia Dortmund - RB Leipzig (Imago) (4) Zur Galerie
Borussia Dortmund - RB Leipzig (Imago) (4) ©

Rotation

In den drei Blöcken mit englischen Wochen, zwischen denen zwei Länderspielpausen lagen, funktionierte die Rotation unterschiedlich gut. In der ersten Phase stieß Hasenhüttl mit neun Veränderungen beim Spiel in Augsburg an seine Grenzen und kassiert eine 0:1-Niederlage. In der zweiten Phase rotierten die Leipziger einen Tick weniger, verkrafteten sogar die Ausfälle von Timo Werner und Stefan Ilsanker. Unter anderem gelang ein 3:2-Sieg in Dortmund und der erste Champions-League-Erfolg mit demselben Ergebnis zu Hause gegen Porto.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Spiel gegen Porto

RB Leipzig - FC Porto (Imago) (21) Zur Galerie
RB Leipzig - FC Porto (Imago) (21) ©

Schwierig wurde es im letzten Block des Jahres, als Emil Forsberg und Marcel Sabitzer lange ausfielen. In der Offensive fehlte oft der entscheidende Pass. Bis auf Kevin Kampl konnte kein Neuzugang kontinuierlich überzeugen, deshalb gab es für den Coach kaum Alternativen. Zwei Beispiele: Bruma fehlt noch die Abstimmung, das wurde an seinen Laufwegen und Fehlpässen sichtbar. Stürmer Jean-Kevin Augustin blieb im November und Dezember hinter den Erwartungen des Trainers zurück und kassierte dafür öffentlich Kritik. Sein letztes Tor erzielte er vor zwei Monaten.

Heimstärke

Dass die Leipziger trotz fünf Niederlagen in der Hinrunde so weit vorne stehen, haben sie vor allem ihrer Heimstärke zu verdanken. Am Sonntag setzte es gegen Hertha die erste Niederlage vor den eigenen Fans. Hasenhüttl ist deshalb zuversichtlich fürs neue Jahr: „Wir haben nach wie vor eine tolle Ausgangssituation für die Rückrunde. Wir haben alle großen Mannschaften die da vorne stehen, noch zu Hause bei uns.“ Bayern, Dortmund und Leverkusen kommen in der zweiten Saisonhälfte nach Leipzig. Gleich am ersten Spieltag, dem 13. Januar, steht das Topspiel gegen Schalke vor den heimischen Fans auf dem Programm. Ein weiterer Vorteil: RBL hat ein Heimspiel mehr als in der Hinrunde.

Mentalitätsspieler

Wie wichtig Marcel Sabitzer für RB Leipzig ist zeigt die Bilanz des Teams, seitdem er wegen seiner Schulterverletzung fehlt: In den vergangenen sechs Spielen gelang nur ein Sieg. Dem gegenüber standen zwei Remis und drei Niederlagen. Der RB-Coach erklärte: „Es wird problematisch, wenn so einer länger ausfällt, weil er Mentalitätsspieler ist und in Spielen wo es eng wird, noch einmal voran marschiert.“ Sind mehr Häuptlinge in der Mannschaft nötig? „Vielleicht sind wir gerade dabei, den ein oder anderen in die Richtung zu entwickeln. Aber es dauert ein bisschen“, so Hasenhüttl.

DURCHKLICKEN: Marcel Sabitzer bei RB Leipzig

2015 Juli: Sabitzer trainiert für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 Juli: Sabitzer trainiert für RB (@GEPA Pictures) ©

Baustellen im Winter

Nach zwei Wochen Weihnachtsurlaub starten die Leipziger am 2. Januar die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte am heimischen Cottaweg. Der RB-Trainer will dann vor allem beim Thema Standards „den Finger in die Wunde legen“. Doch nicht nur die Verteidigung der ruhenden Bälle sondern auch die Ausführung von Standards wird dabei im Mittelpunkt stehen.

Die Torausbeute ließ in den letzten Wochen zu wünschen übrig. Bezeichnend, dass mit Willi Orban und Marcel Halstenberg zwei Verteidiger die Treffer in den vergangenen zwei Partien gegen Wolfsburg und Hertha erzielten. Deshalb hofft der Coach, dass die Offensivspezialisten Sabitzer und Forsberg im neuen Jahr gesund zurückkehren. Bitter für Neu-Nationalspieler Halstenberg, der in den vergangenen zwei Partien zwei Tore erzielte: Nach seinem dreifachen Mittelhandbruch gegen Hertha ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass er im Januar bereits wieder spielen kann.