06. Mai 2020 / 20:29 Uhr

Doppelinterview: Fraufarth und Weckwerth über Marcus Lemke, Mallorcareisen und eine veränderte Atmosphäre

Doppelinterview: Fraufarth und Weckwerth über Marcus Lemke, Mallorcareisen und eine veränderte Atmosphäre

Dirk Becker
Märkische Allgemeine Zeitung
Nur wegen Corona auf Abstand: Daniel Fraufarth (l.) und Marcel Weckwerth vom MSV Neuruppin verbindet eine langjährige Freundschaft.
Nur wegen Corona auf Abstand: Daniel Fraufarth (l.) und Marcel Weckwerth vom MSV Neuruppin verbindet eine langjährige Freundschaft. © Dirk Becker
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Brandenburgliga: Daniel Fraufarth und Marcel Weckwerth wünschen sich ein Abschiedsspiel vom MSV Neuruppin.

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Zehn Jahre lang sind zwei Männer beim MSV Neuruppin als Fußballspieler einen gemeinsamen Weg gegangen und sind über die Jahre dicke Freunde geworden: Daniel Fraufarth und Marcel Weckwerth – Torwart und Offensivspieler. Im SPORTBUZZER-Gespräch erinnern sich die beiden scheidenden Leistungsträger des Brandenburgliga-Teams an Begebenheiten, Trainer und sportliche Erfolge.

Mal so zum einstimmen die obligatorische Frage: Wie halten Sie sich so fit in diesen Corona-Tagen?
Marcel Weckwerth: Meine Verlobte hat ein Pferd und mit dem war ich neulich joggen im Tegeler Forst.
Daniel Fraufarth: Was? Wie geht das?
Weckwerth: Ich hatte den an so einer zwei Meter langen Leine und neben der Straße ist so ein Pfad. Also ist das Pferd da gelaufen und ich auf der Straße. Das hat den Vorteil, dass dich das Pferd nicht vollquatscht beim Laufen. Vielleicht werde ich jetzt auch mal reiten, anstatt Fußball zu spielen.

Wieder zurück zu ihrer Zeit als Fußballer. In welchen Vereinen haben Sie schon gespielt?
Fraufarth: Ich habe mit acht Jahren beim MSV Neuruppin angefangen und bin dabei geblieben, ein Neuruppiner Junge durch und durch.
Weckwerth: Ich habe beim SV Sadenbeck in der F-Jugend begonnen, beim Pritzwalker FHV in der Jugend gespielt, auch ein Jahr bei den Kuckuck Kickers, und in der Saison 2010/11 bin ich zum MSV Neuruppin gewechselt. Da war abzusehen, dass es bei Kuckuck nicht weitergeht.

Und beim MSV Neuruppin haben Sie sich dann kennengelernt?
Fraufarth: Wir haben beim Spiel Neuruppin gegen Kuckuck gegeneinander gespielt, da hat „Butch“ sein erstes Brandenburgliga-Tor erzielt, gegen mich. 1:3 haben wir damals verloren.
Weckwerth: Ja genau, das fand er nicht so gut. (schmunzelt)

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Sind Sie auch außerhalb des Platzes gemeinsam unterwegs gewesen?
Weckwerth: Wir haben beide auch bei Huch Behälterbau gearbeitet.
Fraufarth: Ja, sogar im selben Büro gesessen.

Und es heißt, dass Sie beide dafür gesorgt haben, dass Marcus Lemke zum MSV kam?
Weckwerth: Ja, den Transfer haben wir beide sozusagen organisiert. Wir waren bei einem Turnier in Mecklenburg-Vorpommern und Marcus war da – seinerzeit Spieler bei SF Siegen, die in der Regionalliga spielten. Abends bei einer Flasche Whisky haben wir den Wechsel klar gemacht.
Fraufarth: Er ist ja ein Wittstocker Junge und wollte wohl wieder in die Heimat, aber nicht bei Hansa in der Landesliga spielen. Am nächsten Tag haben wir Jens Reckmann angerufen, der damals unser Trainer war. Die beiden haben den Vertrag auf der Tribüne geschlossen. (lacht)

Apropos Trainer. Sie haben ja ein paar gehabt. Wie haben Sie die unterschiedlichen Trainertypen erlebt?
Weckwerth: Zurückblickend war es eine coole Zeit mit Jens Reckmann, er wusste, was wir konnten. Danach Dietmar Bletsch, der hat auch mal nach dem Spiel in der Kabine gesessen. Bletsch war eher so der Kumpeltyp. Er hatte auch das MSV-Herz.
Fraufarth: Jens Reckmann hat uns spielen lassen, war nicht so der Taktikfuchs, aber ein guter Motivator. Marc Flohr hat dann ein dreiviertel Jahr gemacht und Vadims Logins die Saison zu Ende gebracht. Und dann kam schon Henry Bloch.

Was hat sich atmosphärisch seit der ersten Zeit auch mit den unterschiedlichen Trainern verändert?
Fraufarth: Die Zeiten sind leistungsbezogener geworden, das Kumpelhafte ein bisschen auf der Strecke geblieben.
Weckwerth: Dem stimme ich zu.

Sie sind so etwas wie Führungskräfte in der Mannschaft gewesen. Es wird aber auch gerne auf das 0:0 gegen Sachsenhausen in der Hinrunde hingewiesen, wo die älteren Spieler aus unterschiedlichen Gründen fehlten und die Rasselbande einen guten Job gemacht hat: Braucht eine Mannschaft überhaupt noch solche Spieler wie Sie?
Fraufarth: Das sind doch Momentaufnahmen, viel besser war doch das 1:0 in der Rückrunde, wo wir TuS keine Möglichkeiten gegeben haben. Sollten die häufiger ohne Führungsspieler auskommen müssen, würde sich zeigen, was in ihnen steckt. So langsam müssen sich einige mal entscheiden, ob sie sich nicht mal zeigen wollen. Es gab in der Vergangenheit schon oft Spieler, die eher ein buntes, als ein blaues Herz hatten.
Weckwerth: Es stimmt schon, gegen Sachsenhausen waren wir sehr jung. Aber das, was Daniel sagt, stimmt auch.

Was sind eigentlich ihre bevorzugten Spielercharaktere, zum Beispiel in der Bundesliga?
Weckwerth: Ich bin eher so ein Typ wie Luis Figo (portugiesischer Fußballer; Anm.d.Red.). Ich bin nicht der, der geil auf Karten ist. Ausraster, warum? Obwohl, eine Rote Karte habe ich mal bekommen. Die habe ich wegen eines Handspiels auf der Linie bekommen, zu Hause gegen Hennigsdorf, glaube ich. Schon länger her, Saison 2012/13.
Fraufarth: Ich stehe auf so Torwarttypen wie Olli Kahn. Die sich beim Gegner Respekt verschaffen und auch mal einen Ausraster kriegen. Ich habe mir zwei Rote Karten geholt, weil ich den Schiedsrichter in zwei Spielen beschimpft habe – einmal in einem Pokalspiel und einmal gegen Schöneiche.

In Bildern: Babelsberg 03 setzt sich im Landespokal-Halbfinale beim MSV Neuruppin mit 2:0 durch.


Die gastgebenden MSV-Kicker begutachteten schon weit vor dem Anpfiff das Grün. Zur Galerie
Die gastgebenden MSV-Kicker begutachteten schon weit vor dem Anpfiff das Grün. © Frank Neßler

Was sind denn ihre persönlichen Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre?
Weckwerth: Zählen Mallorcareisen auch dazu? (lacht) Es gab schon geile Momente. Es gab einige Siegesserien in der Liga, Halbfinale im Landespokal gegen Babelsberg (2018, 0:2 verloren; Anm.d.Red.).
Fraufarth: Ich fand auch den Aufstieg in die Brandenburgliga gut, aber das war ja schon vorher. Aber das Spiel gegen den Hamburger Sportverein, das war schon mega.

Auf der Website vom MSV Neuruppin ist Marcel Weckwerth als Trainer der Bambini aufgeführt. Ist das eine Option für Sie, Nachwuchstrainer?
Weckwerth: Ja, das war donnerstags, zwischen Arbeit und Training hatte ich Zeit. Da habe ich so 45 Minuten Selina Köhn unterstützt. In glückliche Kinderaugen zu schauen, war schon toll. Aber das werde ich jetzt nicht mehr machen.
Fraufarth: Das beeindruckt schon, wenn ein Spieler der ersten Männermannschaft beim Training auftaucht. Das hätte ich mir damals als junger Spieler auch gewünscht. Als Trainer für den Nachwuchs habe ich keine Ambitionen.

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Wie schwer fällt ihnen der Abschied vom MSV im Speziellen, und vom Fußball im Allgemeinen?
Weckwerth: Ich glaube, Abstand ist jetzt mal ganz gut. Die Freizeit ist jetzt nicht schlecht, um andere Vorhaben umzusetzen. Vielleicht ein Grundstück suchen mit meiner Verlobten, ein Kind haben.
Fraufarth: Ich kann mir auch noch etwas anderes vorstellen, meine Lebensplanung ist noch nicht abgeschlossen. Ein Kind könnte ich mir auch vorstellen. Ich bin aber Single, also ein Schritt nach dem anderen. (lacht) Aber mal ernsthaft. Viele Leute können sich gar nicht vorstellen, wie viel Zeit wir schon in der Brandenburgliga in der Woche aufwenden. Dreimal in der Woche Training heißt, du kommst von der Arbeit nach Hause, wirfst dir noch was hinter und fährst dann zum Platz. Um 20.30 Uhr kommst du wieder nach Hause, machst noch kurz den Fernseher an, dann gehst du schlafen. Am Samstag dann spielen, und wenn du nach Guben musst, bist du den ganzen Tag unterwegs.
Weckwerth: Und wenn du wie ich in Berlin wohnst, dann bist du noch weniger zu Hause. Da muss auch die Freundin mitspielen.

Haben Sie noch etwas, was Sie zum Abschied vom Verein loswerden wollen?
Weckwerth: Ich bin für die zehn Jahre unheimlich dankbar. Für mich ging es eigentlich immer nur bergauf. Ich konnte die Mannschaft führen, wir haben super Siege gefeiert. Es haben sich dicke Freundschaften, so wie mit Daniel, entwickelt.
Fraufarth: Ich denke, da spreche ich auch im Sinne von „Butch“, dass ein Abschiedsspiel, wie es der MSV jetzt plant, eine sehr nette Geste wäre. Das wäre eine super Sache vom Verein, wenn das klappen sollte. Es wäre auch eine Chance, anderen ehemaligen Spielern, wie zum Beispiel Martin Dombrowski, noch einmal „Danke“ zu sagen. Das hat es soweit ich mich erinnere, noch nicht gegeben.
Weckwerth: Ja, ein Abschiedsspiel wäre super. Fraufi und Friends gegen Butchi und Friends an einem Freitagabend im Volkspark – und danach ein kühles Bierchen.