13. November 2020 / 15:04 Uhr

TV-Experte Ehelechner über den Eishockey-Start, die Grizzlys und Superstar Draisaitl

TV-Experte Ehelechner über den Eishockey-Start, die Grizzlys und Superstar Draisaitl

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Eishockey-Experte Patrick Ehelechner: Für Magentasport kommentiert er, arbeitet dort als Redakteur und besucht schon mal Stars wie Leon Draisaitl daheim. Das sagt er zum Eishockey-Re-Start.
Eishockey-Experte Patrick Ehelechner: Für Magentasport kommentiert er, arbeitet dort als Redakteur und besucht schon mal Stars wie Leon Draisaitl daheim. Das sagt er zum Eishockey-Re-Start. © Magentasport
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Die Eishockey-Saison hat auch für das Oberhaus begonnen. Acht DEL-Klubs, darunter die Grizzlys Wolfsburg, spielen im Magentasport-Cup. Über die Bedeutung des Comebacks der Top-Klubs, seinen Spezi bei den Grizzlys und den Superstar des Welt-Eishockeys sprach Sportbuzzer-Redakteur Jürgen Braun mit dem Magentasport-Kommentator und Ex-Profi Patrick Ehelechner.

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Die deutschen Eishockey-Top-Klubs spielen wieder - im Magentasport-Cup, der am Mittwoch in zwei Gruppen begann und der, so ist es der Wunsch der Liga, direkt in den Saisonstart der DEL im Dezember münden soll. Für die Grizzlys Wolfsburg geht es am Sanstag (17.30 Uhr, ohne Zuschauer) gegen die Düsseldorfer EG los. Die Vorfreude ist riesig, auch bei Ex-Profi und Experte Patrick Ehelechner vom übertragenden Sender verrät.

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Wie fühlt es sich für einen Kommentator, einen Eishockey-Experten wie Sie an, nach so langer Zeit wieder an die Bande zu kommen?
Wenn ich ehrlich sein darf: Ich freue mich wie ein kleines Kind, denn das war jetzt eine lange, lange Leidenszeit. Ich kann noch gar nicht wirklich glauben, dass es wieder losgegangen ist. Das kommt mir alles noch so seltsam vor. Die Vorfreude auf jeden Fall war mega.

Patrick Ehelechner zu Besuch bei Leon Draisaitl

Als Ex-Profi kennen Sie ja die Gefühlswelt der Profis, wie geht es denen?
Ich bin mit vielen Spielern in Kontakt, das Feedback, das ich von JEDEM, wirklich jedem Spieler erhalten habe, war: Sie konnten oder können es kaum erwarten. Ich habe dann zu ihnen gesagt: 'Es ist doch ungewohnt, ihr hattet acht Monate Wettkampfpause?' Durch die Bank sagten alle, sie geben von Anfang an Vollgas, wollen das Turnier gewinnen. Ich glaube, das ist nicht nur ein Vorbereitungsturnier, sondern das wird richtig interessant. Beim Deutschland-Cup fand ich das Niveau beachtlich, man hat gesehen, dass die Jungs einen Heidenspaß hatten, im Finale war dann von Spaß weniger zu sehen, da wurde jeder Check zu Ende gefahren.

Was haben Sie in der langen Zeit ohne Eishockey gemacht?
Ich bin ja noch Torwarttrainer neben meiner Tätigkeit bei Magentasport. Dadurch, dass kein Eishockey war, habe ich da mehr gemacht, bin noch als Nachwuchs-Torwarttrainer in Geretsried eingestiegen. Und ich habe ein Designerlabel gegründet, wo ich T-Shirts, Hoodies, Caps und Mützen anbiete.

Als Alternative wegen Corona, oder weil die Zeit da war für eine Idee, die Sie schon länger hatten?
Meine Frau ist Textildesignerin, da liegt das nicht so fern. Und der Hintergrund ist witzig: Ich hatte mal einen Hoodie und eine Gesichtsmaske auf mit #CiaoForNow-Aufdruck - dem Abschieds-Slogan aus den Kühlbox-Sendungen - auf meinem Instagram-Account gepostet. Da haben mich 80 Fans angeschrieben, wo sie das Shirt erwerben könnten. Das hat mich auf die Idee gebracht. Aus dem Instagram-Jux ist Twenty Five Design entstanden.

In welchem Stadion wird man Sie bald sehen?
Momentan bin ich viel redaktionell unterwegs, um Beiträge für Vorberichte und Drittelpausen zu erstellen. Da mussten wir ja jetzt schnell von null auf 100 hochfahren. Mein erster Kommentatoren-Job wird in Schwenningen Ende November sein.

Sehr beliebt unter den Dingen, die Sie redaktionell machen, ist die Rubrik Kühlbox, gibt es die im Magentasport-Cup?
Die Kühlbox ist ein Hype geworden, hätte ich nie gedacht, dass das so ankommt bei den Leuten. Das freut uns. Wir planen die Kühlbox mit dem Start der DEL ein. Das ist ein erfolgreiches digitales Format auf allen Plattformen, das wir zudem in die aktuelle Live-Berichterstattung einbinden. Die Kühlbox live wird es auch wieder geben, sobald ich wieder Spieler daheim oder in ihrer Stadt besuchen kann. Bei Facebook live oder bei Magentasport online läuft das, da können die Fans interaktiv dem Besuchten Fragen stellen und ich gebe die weiter. Wen wir da haben werden, wird sich zeigen, das muss nicht immer ein Spieler sein, es kann auch mal ein Betreuer oder Trainer sein.

Im Februar hatten Sie in diesem Rahmen Leon Draisaitl in Edmonton besucht, der bald darauf zum wertvollsten Akteur der NHL-Saison gekürt wurde, obendrein Topscorer der Liga war.
(Ehelechner atmet durch, sammelt sich) ...Draisaitl - der beste Eishockeyspieler der Welt, dass wir den besuchen durften, dass er dem überhaupt zugestimmt hatte, war Wahnsinn. Das ist keine Selbstverständlichkeit, finde ich. Ein so ein sympathischer Kerl. Einmalig. Der Leon, faszinierend fand ich, was so ein kölscher Jung in Übersee für ein Superstar ist. Das kann man sich in Deutschland nicht vorstellen, weil der Leon da drüben nicht auf die Straße gehen kann, ohne erkannt zu werden. Mit Connor McDavid spielt ein zweiter Superstar mit ihm, Dominik Kahun als weiterer Deutscher neben Draisaitl wird dazustoßen. Ich würde denen wünschen, dass sie da mal was gewinnen.

Draisaitl wurde ja auch schon mal als Eishockey-Nowitzki bezeichnet, um seinen Stellenwert in seinem Sport zu verdeutlichen. Auf Fußball übertragen wären Draisaitl/McDavid wie Ronaldo und Messi in einem Verein, aber die Edmonton Oilers sind in der Liga nicht so besonders. Erklären Sie als Experte dem Laien mal bitte, woran das liegt.
Weil es die Gehaltsobergrenze gibt. Um die Stars kann man kein Star-Ensemble zusammenkaufen. Rund 82 Millionen Dollar darf der Klub ausgeben. Das Budget kann er verteilen wie er will, aber gibst du für fünf Stars schon 50 Millionen aus, dann musst du, um eine spielfähige Mannschaft zu haben, noch so rund 22 Spieler für die restlichen 30 Millionen Euro anheuern. Da die richtige Balance zu finden, ist schwierig. Und manchmal braucht es auch Glück. Nämlich aus dem Draft - wie einst mit Draisaitl - einen Akteur zu kriegen, der sofort durch die Decke geht. Denn am Anfang kriegen diese Spieler drei Jahre grundsätzlich ein kleines Gehalt.

Deutschland ist im Eishockey international im Kommen - wie wichtig ist der Re-Start vor dem Hintergrund, diese Welle nutzen zu können?
Punkt eins ist: Eishockey darf nicht in Vergessenheit geraten. Nach Fußball, der sich in einer anderen Liga bewegt, kämpft Eishockey dahinter mit einigen anderen Sportarten um Platz zwei. Einige andere Sportarten spielen wieder, das Eishockey-Comeback ist unglaublich wichtig, da hängt ja ein ganzer Rattenschwanz dran: Nationalmannschaft, Nachwuchs... Schaffen wir es nicht mit DEL-Eishockey zu starten, haben wir auch perspektivisch gesehen, ein Riesenproblem. Wir haben den besten NHL-Draft ever erlebt, mit dem leider verletzten Tim Stützle an Position drei, mit Lukas Reichel ebenfalls in der ersten Runde und mit JJ Peterka früh in der zweiten Runde. Alle drei sind gerade mal erst 18 Jahre alt. Die Jungs konnten nicht spielen, weil es keinen Liga-Betrieb - weder in Deutschland noch in Nordamerika - gibt. Wir brauchen den Betrieb, nur so hat der Sport Aufmerksamkeit.

Da gibt es ja dann beim Magentasport-Cup was zu sehen…
Ja. Dominik Kahun jetzt noch in München erleben zu können und Lukas Reichel, topgedraftet für die NHL von Chicago bei den Eisbären Berlin – ich bin total gespannt. Und auch gespannt bin ich auf das Projekt Schwenningen, wo man versucht, durchzustarten. Die waren immer zu weit weg von den Play-Offs, der erste Absteiger aus der DEL mag keiner werden und 2021/22 wird es ja einen Absteiger geben.

München ist Ihr Favorit beim Cup, wo ordnen Sie die Grizzlys ein?
Wolfsburg ist schwierig einzuordnen, deshalb freue ich mich auf ihre ersten Einsätze und habe da ein Auge auf meinen Freund Dustin Strahlmeier.

Denn als Ex-Keeper gucken Sie immer auf Torhüter…
Klar, das ist immer der erste Aspekt, auf den ich achte. Ich verfolge ihn, seitdem er in der DEL spielt, ich mag seine offene, sympathische Art, und ich finde seinen Werdegang sehr interessant. Er hatte Straubing verlassen, ist nach Schwenningen gegangen, weil er mehr spielen wollte, hat sich da durchgesetzt, ist zum Nationalspieler geworden. Dustin Strahlmeier gebührt mein höchster Respekt, weil ich genau weiß, wie schwer das ist, zu beweisen, was in dir steckt, wenn die Chance kommt. Umso mehr freue ich mich, dass Wolfsburg ihm nun die Chance gibt zum nächsten Schritt. Er ist ja nicht am Ende seiner Karriere, aus meiner Sicht startet er jetzt erst richtig durch. Ich bin gespannt, wie er sich in Wolfsburg schlagen wird. Wolfsburgs Spielweise könnte ihm zugute kommen, die Grizzlys sind grundsätzlich immer für solide Defensivarbeit bekannt. In Schwenningen hatte Dustin immer mit Abstand die meisten Schüsse auf sein Tor. Da hatte er oft acht hundertprozentige Chancen gegen sich, jetzt vielleicht nur noch zwei oder drei. Ich bin aber auch gespannt auf die ganze Chemie bei Wolfsburg, auf die Mischung mit vielen Imports aus verschiedenen Ländern.

Die DEL-Saison soll im Dezember vor Weihnachten starten – wird sie starten?
Ingolstadt und Nürnberg haben gesagt, sie wollen dabei sein, Köln sollte es doch schaffen. Elf, zwölf Teams sind bestimmt dabei, aber ich hoffe alle. Ich meine, wenn zwei oder drei Teams zuschauen, das ist doch ein absolut surrealer Gedanke.

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Das ist Patrick Ehelechner

Magentasport (früher Telekomsport), das das gerade begonnene Eishockey-Cup-Turnier überträgt und alle Spiele der DEL-Saison (Abo-pflichtig) live zeigen wird (wenn sie denn los geht), hat einige Ex-Profis als Experten an Bord. Patrick Ehelechner ist quasi der Vollprofi unter ihnen. Der 36-jährige frühere DEL-Keeper der Nürnberg Ice Tigers und Augsburger Panther arbeitet als Experte, begleitete unter anderem auch das deutsche Eishockey-Team für Eurosport bei Olympia-Silber 2018, aber seit 2016 ist er auch als Kommentator für Magentasport tätig – und er arbeitet dort zugleich als Redakteur, erstellt Filmbeiträge rund ums Eishockey.