02. Oktober 2022 / 11:17 Uhr

Drama nach Fußball-Spiel in Indonesien: Todeszahl nach Massenpanik auf 174 gestiegen 

Drama nach Fußball-Spiel in Indonesien: Todeszahl nach Massenpanik auf 174 gestiegen 

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Umgestürzte Polizeifahrzeuge stehen auf dem Spielfeld nach Ausschreitungen und einer tödlichen Massenpanik bei einem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC. 
Umgestürzte Polizeifahrzeuge stehen auf dem Spielfeld nach Ausschreitungen und einer tödlichen Massenpanik bei einem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC.  © dpa/AP
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Nach einem Spiel der ersten Fußball-Liga in Indonesien kommt es zu Ausschreitungen und einer Massenpanik mit verheerenden Folgen. Die Behörden sprachen zwischenzeitlich von mindestens 174 Toten. Diese Angabe korrigierte die Polizei später aber wieder.

Bei einer der schwersten Katastrophen der Fußball-Geschichte ist die Zahl der Toten nach einer Massenpanik nach einem Spiel in der indonesischen Provinz Ost-Java auf 174 gestiegen. Das teilte Emir Dardak, Vizegouverneur der Region, am Sonntag zwischenzeitlich bei Kompas TV mit. Mehr als 100 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, bei elf sei der Zustand kritisch, sagte er weiter. Die Polizei korrigierte diese Angabe später aber wieder nach unten und sprach von 125 Toten.

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Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, um randalierende Fans zu zerstreuen, sagte der Polizeichef der Provinz, Nico Afinta, zuvor bei einer Pressekonferenz. 34 Menschen seien auf dem Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions ums Leben gekommen, alle weiteren in Krankenhäusern, sagte Afinta laut dem Radiosender Elshinta und dem Sender tvOne weiter. Zur Ursache für die Ausschreitungen machte er zunächst keine Angaben.

Zu den Ausschreitungen war es nach dem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC gekommen. Im Anschluss an die 2:3-Niederlage von Arema hatten in Malang Tausende Zuschauer den Platz gestürmt. Auf Fotos, die auf der Seite von tvOne veröffentlicht wurden, ist unter anderem ein völlig zerstörtes Auto im Stadion zu sehen. Weitere Bilder zeigen den Platzsturm sowie Rauchschwaden auf dem Platz und den Tribünen.

Es seien rund 42 000 Menschen im Stadion gewesen, sagte Ferli Hidayat, der örtliche Polizeichef von Malang. Alle seien Arema-Fans gewesen, weil der Veranstalter den Fans von Persebaya den Zutritt zum Stadion verboten hatte, um Schlägereien zu vermeiden.

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Indonesischer Präsident fordert "gründliche" Untersuchung

Der indonesische Präsident Joko Widodo forderte in einer Ansprache eine "gründliche" Untersuchung. Zudem ordnete er nach eigenen Angaben an, dass der Spielbetrieb in der ersten Liga bis zu einer Auswertung der Untersuchungen und Verbesserungen durch den indonesischen Verband PSSI gestoppt werde. Widodo sprach den Opfern sein Beileid aus. "Ich bedauere diese Tragödie zutiefst und hoffe, dass dies die letzte Fußballtragödie in diesem Land ist."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzt sich für eine Untersuchung des Tränengaseinsatzes durch die Polizei ein. Es müsse sichergestellt werden, "dass eine derartige herzzerreißende Tragödie nie wieder passiert", sagte Usman Hamid von Amnesty International in einer Mitteilung. Tränengas solle niemals auf begrenztem Raum eingesetzt werden.

Unter den Toten seien auch zwei Mitglieder der Polizei gewesen, sagte Provinzpolizeichef Afinta. Die meisten Menschen seien an Sauerstoffmangel gestorben. Bei den Ausschreitungen wurden überdies 13 Fahrzeuge beschädigt, darunter zehn der Polizei.

Liga-Betrieb in Indonesien vorerst ausgesetzt

Die Fußball-Klubs Arema und Persebaya sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus. "Arema FC spricht tiefes Beileid für die Katastrophe in Kanjuruhan aus. Das Management von Arema FC ist auch für den Umgang mit den Opfern verantwortlich, sowohl für die Toten als auch für die Verletzten", sagte Vereinschef Abdul Haris. Der Klub werde ein Krisenzentrum und eine Opferinformationsstelle einrichten.

"Bei den Familien der Opfer entschuldigt sich das Management von Arema FC zutiefst und ist bereit, eine Entschädigung zu leisten. Das Management ist bereit, Vorschläge für den Umgang mit der Katastrophe anzunehmen, damit viele gerettet werden", erklärte Haris.

Der indonesische Verband setzte den Spielbetrieb in der ersten Liga zunächst für eine Woche aus. Arema wurde die Austragung von Heimspielen für den Rest der Saison untersagt. Zudem habe der Verband ein Untersuchungsteam eingesetzt, das noch am Sonntag seine Arbeit aufnehmen sollte. "PSSI bedauert die Aktionen der Arema-Anhänger im Kanjuruhan-Stadion. Es tut uns leid und wir entschuldigen uns bei den Familien der Opfer und bei allen Beteiligten für den Vorfall", sagte der Verbandsvorsitzende Mochamad Iriawan. Man werde die Polizei bei der Aufklärung unterstützen.

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