27. Januar 2021 / 13:03 Uhr

Drei Abgänge und ein Problemfall: Beim Radefelder SV ist reichlich Bewegung drin

Drei Abgänge und ein Problemfall: Beim Radefelder SV ist reichlich Bewegung drin

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
kai-uwe ziegler
Radefeld-Coach Kai-Uwe Ziegler sieht keine Notwendigkeit darin, neue Spieler zu verpflichten. © Alexander Prautzsch
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Steve Kühn, Hugo Seisdedos und Martin Höschel haben den Radefelder SV im Januar verlassen. Hinzukommt, dass Ex-Profi Nicky Adler aufgrund Verletzungsproblemen bisher nur 35 Einsatzminuten vorweisen kann. Dennoch sieht Trainer Kai-Uwe Ziegler die Situation gelassen.

Radefeld. Eigentlich plätschert der Amateur-Fußball seit Tagen, Wochen, ja Monaten teilnahmslos dahin. Zur Corona-Pause hat sich inzwischen die Winterpause gesellt. Wann beide in diesem Jahr enden, muss man aus den Prophezeiungen des Nostradamus lesen. Doch mancherorts schwillt das Plätschern zu einem deutlich hörbaren Rauschen an. Etwa beim Radefelder SV. Mit Steve Kühn (29), Hugo Seisdedos (32) und Martin Höschel (33) haben gleich drei Offensivakteure das Landesklasse-Team im Januar verlassen. Ein anderer ist dagegen noch gar nicht recht ins Rollen gekommen. Dennoch bleibt Trainer Kai-Uwe Ziegler betont ruhig.

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Fünf Siege aus sieben Spielen

„Natürlich ist es schade, dass die Spieler gegangen sind. Wir haben aber für alle eine saubere Lösung gefunden. Und unser Kader ist auch so groß genug, es besteht keine Notwendigkeit zu Neuzugängen“, sagt der Coach. Gespräche habe es gleichwohl gegeben. Doch offenbar (bislang?) ohne Ergebnisse. Und die spektakulärste Verpflichtung des Sommers kam bisher erst auf 35 Einsatzminuten. Vielleicht gibt der Körper wenigstens 2021 noch etwas her. Optimismus klingt allerdings anders. „Ich bin beim Training immer gern gesehen. Aber einem geregelten Training kann ich nicht mehr nachgehen, dazu bräuchte ich regelmäßig Physiotherapie und das geht im Amateurbereich so nicht“, sagt Nicky Adler. Der im Sommer aus dem Vorruhestand geholte Ex-Profi konnte wegen Verletzungsproblemen kaum etwas beitragen.

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Trotzdem sprangen in sieben Spielen fünf Siege für den generalüberholten RSV heraus, das bedeutet bislang Rang drei. „Ob es für Platz eins reicht, weiß ich nicht. Aber wir haben für diese Liga auf jeden Fall eine gute Mannschaft, das sieht man ja an den Ergebnissen”, sagt Adler. Ziegler gibt sich bei den Zielen ebenfalls diplomatisch: „Wir wollen uns als Mannschaft festigen und im vorderen Teil der Tabelle mitspielen. Beim Abbruch waren wir gut im Rhythmus.“

Selbstverständlich ist es jedenfalls nicht, dass die Truppe erneut die Spitze aufmischt. „Vor der Saison mussten wir den Kader fast komplett neu zusammenstellen. Wir haben viele junge Spieler, die viel spielen und einige haben sich richtig gut entwickelt“, erzählt Ziegler.

Online-Training für Spieler

Das sieht Routinier Adler übrigens ähnlich: „Da sind viele talentierte Jungs dabei. Für einige wird die Landesklasse sicher nicht die Endstation sein.“ Speziell denkt er dabei an Markus Richter oder die beiden Portugiesen Tidjana Silla und Davidson Cabral. Für das Duo dolmetscht übrigens Teamkollege Isaque Dias, der fließend deutsch und portugiesisch spricht.

Angesichts dieser Qualität kamen die langjährigen RSV-Kicker Höschel und Seisdedos kaum noch zu Einsatzzeit und wechseln nun zu TuS Leutzsch. Das wiederum überrascht wenig. Schließlich hat dort gerade Radefelds Ex-Trainer Tino Berger den Posten des Sportdirektors übernommen. Höschel und Seisdedos gibt Ziegler beste Wünsche mit auf den Weg: „Sie haben sich einige Verdienste für den Verein erworben. Ich verstehe, dass sie jetzt eine neue Herausforderung suchen.“ Kühn zieht es derweil nach nur einem halben Jahr wieder zurück zum SV Pahnitzsch/Borsdorf. Der Knipser (vorige Saison 19 Tore in 15 Stadtliga-Spielen) kam am Rande von Schkeuditz über die Rolle des Edeljokers nicht hinaus.


Der Rest des Teams hat indes vom Coach die Vorgabe, pro Woche mindestens ein Sechs-Kilometer-Läufchen abzuspulen. Außerdem bietet sein Fitnesstrainer Olaf Artmann einmal wöchentlich Online-Training an. „Wir sind ganz gut dabei“, sagt Ziegler. „Mal sehen, wie lange wir noch durchhalten. Die Jungs stehen in den Startlöchern, man merkt, dass ihnen etwas fehlt.“ Es wäre zu schade, wenn die Truppe die Zwangspause nicht überstünde. „Das Potenzial wird man in den nächsten Jahren sehen, wenn die Mannschaft zusammenbleibt“, sagt Kai-Uwe Ziegler. In diesem Winter hat das mit dem Zusammenbleiben freilich nicht funktioniert.