02. Januar 2022 / 19:04 Uhr

Drei Führungen verspielt: Aber Grizzlys Wolfsburg gewinnen Penalty-Krimi gegen München

Drei Führungen verspielt: Aber Grizzlys Wolfsburg gewinnen Penalty-Krimi gegen München

Benno Seelhöfer und Sven Grosche
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Was für ein irrer Eishockey-Nachmittag für die Grizzlys Wolfsburg am Sonntag. Mit 4:3 (1:1, 1:1, 1:1) n. P. gewann das Team von Coach Mike Stewart gegen den EHC München. Am Ende brachte der erst 14. Penalty die Entscheidung, nachdem die Wolfsburger gleich drei Führungen verspielt hatten.

Was für ein irres Drama zum Jahres-Auftakt: In einem Penalty-Krimi sicherten sich die Grizzlys Wolfsburg den fünften Sieg in Serie, schlugen den EHC München mit 4:3 (1:1, 1:1, 1:1) n. P. und sorgten somit für den sechsten Sieg in den letzten sieben Spielen gegen die Gäste. Die 500 Fans in der Wolfsburger Eis-Arena machten im Rahmen ihrer Möglichkeiten richtig Stimmung - und bekamen ordentlich was geboten. Dazu auch einen stark aufspielenden Tyler Gaudet, der ebenso wie Toto Rech und Darren Archibald für die Tore der Wolfsburger sorgte. Den entscheidenden Penalty verwertete Garrett Festerling. Die Münchner haben damit aus den letzten 15 Spielen zwölf verloren.

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Personal

Coach Mike Stewart setzte auf fast dasselbe Line-Up wie bereits am Donnerstag beim 5:3 in Ingolstadt: Die Verteidiger-Paare und die Sturm-Reihen blieben allesamt unverändert. Allerdings fehlte neben Jonas Enlund, Chris DeSousa und Sebastian Furchner diesmal auch Björn Krupp verletzt, der beim ERC noch als siebter Verteidiger dabei war. Außerdem rückte Dustin Strahlmeier wieder für Chet Pickard in den Kasten.

Eishockey: Grizzlys Wolfsburg - EHC München.

Eishockey: Grizzlys Wolfsburg - EHC München. Zur Galerie
Eishockey: Grizzlys Wolfsburg - EHC München. © Grizzlys Wolfsburg / City-Press GmbH, Britta Schulze

Das Spiel

Vor den ersten großen Torchancen gab's erst mal einen kleinen Schreckmoment: Wolfsburgs Luis Schinko blieb nach einer kleinen Rangelei abseits des Pucks mit Trevor Parkes verletzt liegen, hielt sich das Gesicht und schleppte sich anschließend vom Eis. Für ihn ging es aber nur wenige Minuten später schon weiter. Parkes kam ohne Strafe davon. Auffällig: Im gesamten ersten Drittel blieben beide Teams den Strafbänken fern.

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Große Chancen waren zunächst Mangelware, die Grizzlys aber spielbestimmend - und sie nutzten folgerichtig gleich die erste dicke Möglichkeit: Nach einem Traumpass über das halbe Feld von Jordan Murray, der mal wieder bewiesen hat, warum er zu den fünf punktbesten Verteidigern zählt, lief Gaudet plötzlich frei auf Danny aus den Birken zu und ließ dem Goalie der Münchner keine Chance. Die Gäste ließen ihre erste Großchance, ein Zwei-auf-Eins nach einem Konter, ungenutzt, Parkes zog vorbei.

Ein wenig aus dem Nichts dann aber doch der Ausgleich: Benjamin Smith fälschte Zach Redmonds Schuss von der blauen Linie entscheidend ab - Strahlmeier war chancenlos. Und im Anschluss verdienten sich die Münchner den Treffer nachträglich, setzten die Gastgeber ordentlich unter Druck und hatten zwei, drei große Chancen. Doch Strahlmeier parierte extrem stark, - einmal sogar mit einem Doppel-Save - und hielt den Grizzlys das 1:1 fest. "Beide Teams sind stark, es geht hin und her", analysierte Murray in der Drittelpause und forderte: "Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, wir müssen München weiter attackieren."

Missverständnis sorgt für erneuten Ausgleich

Die Forderung Murrays nahmen sich die Grizzlys im Mittelabschnitt direkt zu Herzen: Nach weniger als einer Minute jagte Trevor Mingoia einen artistisch ausgeführten Rückhandschuss an den Pfosten. Die Wolfsburger beherrschten in der Folge das Geschehen - begünstigt durch gleich drei Powerplays, die aber alle - trotz zum Teil guter Möglichkeiten durch Spencer Machacek oder Gerrit Fauser - ungenutzt blieben. Die Wolfsburger hingegen waren extrem diszipliniert, blieben erneut ohne Strafe.

Es war wieder mal ein Konter, über den die Grizzlys zum zweiten Tor-Erfolg kamen - und es war eine Kopie des ersten Treffers: Diesmal setzte allerdings Dominik Bittner Toto Rech stark in Szene, der dann im Eins-gegen-eins Aus den Birken keine Chance ließ. Schon gegen Ingolstadt konterten die Wolfsburger gefährlich und erfolgreich.

Doch es ging trotz der Überlegenheit nicht mit einer Führung in die Kabine: Nach einem Missverständnis von Janik Möser und Garrett Festerling in einer Ecke des eigenen Drittels kamen die Münchner an den Puck - und die Grizzlys bekamen die Situation nicht mehr unter Kontrolle. Daryl Boyle netzte zum Ausgleich ein. Ein schmeichelhaftes 2:2 für die Gäste.

Und wieder gleicht München aus

Die Grizzlys blieben auch im letzten Abschnitt gefährlich: Nach rund anderthalb Minuten hatte Festerling nach starkem Forecheck eine Chance, verzog aber. Dann blieb Julian Melchiori bei zwei Abschlüssen von der blauen Linie glücklos, Aus den Birken parierte. Und dann belohnten sich die Grizzlys doch noch für ihre Mühen: Nach einem Schuss von Rech (erneut ein schneller Angriff), den der Münchner Goalie noch parieren konnte, war dann Darren Archibald zur Stelle, staubte ab - und sorgte für die verdiente erneute Führung.


Wenig später war dann mal wieder Strahlmeier nach einer starken Kombination der Gäste gefordert: Der Grizzly hielt aber erneut stark gegen Parkes. Doch die Münchner kamen wieder zurück, trafen erneut mit einem abgefälschten Schuss. Diesmal hatte Parkes mehr Glück als bei seinen Chancen zuvor, verwertete einen Abschluss von Jonathon Blum. Bitter für die Grizzlys.

Dreieinhalb Minuten vor Schluss dann das erste Powerplay für die Gäste, Armin Wurm musste wegen hohen Stocks auf die Strafbank - München nutzte die Überzahl nicht, die fast mit einem Treffer der Grizzlys geendet wäre: Der Konter über Gaudet und Archibald landete aber bei Aus den Birken. Es ging in die Verlängerung.

Und dort liefen beiden Goalies zur Höchstform auf: Aus den Birken parierte stark gegen Archibald und Fauser, Strahlmeier ließ Philip Gogulla keine Chance. Dann gab's etwas Aufregung um ein mögliches Tor von Austin Ortega. Strahlmeier hatte seine Fanghand wohl auf der Scheibe, das Spiel war daraufhin von den Schiris offenbar unterbrochen worden. Im Anschluss kam der Puck doch hinter Strahlmeier frei, Ortega netzte ein. Der Treffer zählte aber nicht. Glücklich für die Wolfsburger.

Das Penaltyschießen musste entscheiden. Es blieb dramatisch! Mingoia verwandelte den zweiten Versuch der Gastgeber, Strahlmeier parierte die ersten zwei Münchner Versuche. Dann knallte Murray den Puck an den Pfosten - und Gogulla überwand den Goalie der Grizzlys. Es ging in den Sudden Death - und im insgesamt 14. (!) Versuch machte Festerling endlich den Deckel drauf. Die Grizzlys sicherten sich den verdienten Zusatzpunkt.

Matchwinner Festerling sagte nach dem Spiel bei Magentasport: "Das war wichtig für uns, den Extra-Punkt zu bekommen - und unseren Lauf fortzusetzen. Wir haben München zwei leichte Tore geschenkt, haben da in unserem Drittel blöde Fehler gemacht. Aber wir sind in der Folge immer drangeblieben."

Weil das Duell in Straubing, das eigentlich am Dienstag (20.30 Uhr) steigen sollte, auf den 26. Januar (19.30 Uhr) verlegt wurde, sind die Grizzlys nun erst wieder am Freitag im Einsatz: Dann sind um 19.30 Uhr die Krefeld Pinguine zu Gast in Wolfsburg.

Statistik

  • Grizzlys: Strahlmeier - Bittner, Melchiori; Murray, Möser; Button, Wurm - Machacek, Gaudet, Mingoia; Schinko, Pfohl, Hungerecker; Nijenhuis, Fauser, Reichel; Archibald, Festerling, Rech.
  • München: Aus den Birken - Redmond, Seidenberg; Boyle, Abeltshauser; Blum, Daubner; O'Brien - Ortega, Smith, Gogulla; Schütz, Hager, Varejcka; Parkes, Street, Kastner; Cimmerman, Eckl.
  • Schiedsrichter: MacFarlane/Steingroß.
  • Zuschauende: 500. - Strafminuten: Grizzlys 2 / München 6.
  • Tore: 1:0 (9:35) Gaudet (Murray/Melchiori), 1:1 (14:35) Smith (Redmond/Abeltshauser), 2:1 (31:06) Rech (Bittner/Melchiori), 2:2 (37:39) Boyle (Smith/Gogulla), 3:2 (49:12) Archibald (Rech), 3:3 (52:32) Parkes (Blum/Kastner), 4:3 (65:00) Festerling.