07. November 2021 / 22:54 Uhr

Drei Spiele, drei Siege: Kohfeldt, der Wolfsburger Stimmungsklima-Wandler

Drei Spiele, drei Siege: Kohfeldt, der Wolfsburger Stimmungsklima-Wandler

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Es läuft wieder: Florian Kohfeldt und der VfL Wolfsburg sind zurück in der Erfolgsspur.
Es läuft wieder: Florian Kohfeldt und der VfL Wolfsburg sind zurück in der Erfolgsspur. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Der VfL Wolfsburg schwimmt nach seiner langen Durststrecke und der Trennung von Trainer Mark van Bommel wieder auf einer Erfolgswelle. Auch dank Trainer Florian Kohfeldt.

„Mit Flori stimmt das Klima hier“ stand auf dem selbst gestalteten Plakat von Dorothea Nahrstedt-Hampel, der bekannten „Schilderfrau“ in der VW-Arena. Ein Satz, dem man nicht widersprechen kann. Seit Florian Kohfeldt Trainer des VfL ist, hat der Wolfsburger Bundesligist drei Siege eingefahren, den bisher letzten am Samstag mit einem 1:0 (1:0) gegen den FC Augsburg. Und auch wenn nach dem frühen Tor durch Lukas Nmecha längst nicht alles rund lief, hat die perfekte englische Woche mit dem neuen Coach die Stimmung in Fußball-Wolfsburg in die richtige Richtung gedreht. Mit Kohfeldt als Stimmungsklima-Wandler.

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Es ist noch nicht lange her, da war die Laune auf den Rängen der VW-Arena eher mies, die ersten Fans forderten den Rauswurf von Mark van Bommel, den es vor zwei Wochen gab. Der Trainer-Wechseleffekt, den sich die Verantwortlichen beim Tausch auf dem Trainerstuhl immer erhoffen – beim VfL ist er nicht zu übersehen. Weil Kohfeldts erste Entscheidungen zündeten. Der Ex-Bremer sorgte mit seinen emotionalen Ansprachen dafür, dass auf dem Platz wieder jeder für jeden rennt, dass im VfL-Spiel wieder die Intensität steckt, wie man es eigentlich kennt.

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Zudem hat der Coach mit seiner Systemumstellung auf Dreierkette/Fünferkette der zuletzt arg wackelnden Defensive Stabilität verliehen. „Ich muss wirklich noch mal betonen, dass es mir der VfL Wolfsburg mit allen Verantwortlichen – zuvorderst Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer – und auch den Mitarbeitern leicht gemacht hat, hier anzukommen“, gab sich der 39-Jährige nach dem Erfolg gegen den FCA demütig. Er betonte: Im gesamten Verein habe sich „schnell ein ,Wir’“ eingestellt. Er sei ein Teil davon. Nicht mehr und nicht weniger. Zu viel wollte der Stimmungswandler auch nicht über sich selbst reden, seine Spieler machten das aber. „Er ist ein emotionaler Trainer. Und ich glaube, das brauchen wir manchmal“, sagte Neu-Nationalspieler Nmecha. „Taktisch“ sei jetzt „alles ein bisschen klarer“. Ähnliches gab’s von Yannick Gerhardt, einer der Gewinner des Trainerwechsels: „Die Mentalität gegen den Ball war uns ein bisschen abhanden gekommen. Der Trainer hat den Fokus wieder auf diese Basics gelegt.“


Noch wichtiger jedoch: Kohfeldt traf mit seinen Ansprachen den richtigen Ton und er verstand es, Spieler zu pushen. Er äußerte sich als Wout-Weghorst-Fan, platzierte öffentlich schnell, dass es bei ihm keine Entweder-Oder-Frage ist, ob Weghorst und Nmecha zusammen stürmen können. Sowohl beim 2:1 in der Champions League als auch beim Dreier gegen Augsburg spielten die Torjäger Seite an Seite. Und sowohl gegen Salzburg als auch gegen Augsburg glänzte zumindest Nmecha als Torheld. „Lukas hat ein Timing“, lobte der Wolfsburger Trainer den Siegtorschützen gegen den FCA für sein Kopfballtreffer, gleichwohl legte er größten Wert darauf, dass Weghorst eben auch seinen Anteil an diesem Treffer habe. „Er profitiert da auch enorm von Wout, weil er andere Spieler bindet. Und das ist ja auch der Gedanke dahinter“, so Kohfeldt, der zudem Ex-Kapitän und und Leader Josuha Guilavogui als neuen Abwehrchef installierte und so den unter Oliver Glasner und auch unter van Bommel geschwächten Defensivmann wieder zu alter Stärke verhalf.

VfL Wolfsburg gegen den FC Augsburg - Die Bilder

Szene aus dem Spiel VfL Wolfsburg - FC Augsburg, 06.11.2021, Renato Steffen #11 Zur Galerie
Szene aus dem Spiel VfL Wolfsburg - FC Augsburg, 06.11.2021, Renato Steffen #11 ©

Statt Frust haben die Fans wieder Lust auf den VfL. Kohfeldt: „Wir haben - aus meiner Sicht – ein gutes Miteinander mit den Zuschauern. Ich muss sagen, dass ich die Stimmung als sehr angenehm wahrnehme – gerade am Dienstagabend war hier richtig Dampf.“ Dass die Arena mit 16.100 Fans erneut nur halbvoll war, könnte sich zwar schnell wieder ändern, aber Kohfeldt betonte auch, dass das Team dafür in Vorleistung treten müsse. „Letztendlich hoffen wir, dass wir über eine gewisse Begeisterung den einen oder anderen mehr hier hinlocken. Ich glaube, mit Ausnahme der zweiten Halbzeit, die, die hier waren, erzählen hoffentlich weiter, dass es sich lohnt, hier hin zu kommen“, sagte Kohfeldt - ohne zu verschweigen, dass das Spiel seiner Mannschaft am Samstag auch Schwächen hatte: „Die erste Halbzeit war die beste Halbzeit in dieser Woche von uns – in beide Richtungen fand ich das sehr gut. Die zweite Halbzeit kann nicht unser Anspruch sein. Da waren wir einen Tick zu weit auseinander, hätten uns über den Ausgleich nicht beschweren können. Aber am Ende ist die zweite Halbzeit insofern okay, weil wir einen Weg gefunden haben, das Spiel zu gewinnen.“

Nach seiner ersten Woche in Wolfsburg kann er wegen der Länderspiel-Pause nun Durchpusten. „Es war eine tolle Woche", betonte der Van-Bommel-Nachfolger. "Jetzt freue ich mich auf die nächsten Wochen, Monate - und vielleicht auch Jahre. Wir werden sehen.“