19. September 2021 / 16:50 Uhr

Drei Tore, drei Platzverweise: Hansa kämpft Alt Ruppin nieder (mit Galerie)

Drei Tore, drei Platzverweise: Hansa kämpft Alt Ruppin nieder (mit Galerie)

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Dreifach-Rot: Schiedsrichter Stefan Fleschner (2.v.l.) verweist Dominik Dargelis (Mitte), Maurice Grube (am Boden) und Jannis Neumann (Nummer 4) des Feldes. Patrick Mann (r.) schaut ungläubig drein.
Dreifach-Rot: Schiedsrichter Stefan Fleschner (2.v.l.) verweist Dominik Dargelis (Mitte), Maurice Grube (am Boden) und Jannis Neumann (Nummer 4) des Feldes. Patrick Mann (r.) schaut ungläubig drein. © Marius Böttcher
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Landesliga Nord: Ausgerechnet im Derby senden die Hanseaten ein Lebenszeichen – sportlicher Ausgang rückt in den Schlussminuten in den Hintergrund.

Eintracht Alt Ruppin – Hansa Wittstock 1:2 (0:2). Tore: 0:1 Sergei Paschtschenko (25.), 0:2 Christopher Michaelis (45.), 1:2 Patrick Mann (72.). Rote Karten: Maurice Grube, Jannis Neumann, Dominik Dargelis (90.+3, alle Alt Ruppin, jeweils Tätlichkeit). Zuschauer: 160. Daniel Kraatz hatte nach 90 und etlichen Minuten Nachspielzeit reichlich Schaum vor dem Mund. „Wir konnten hier heute nicht gewinnen. Der Schiedsrichter betrügt mit seiner Leistung meine Mannschaft, die sich jede Woche drei-, viermal den Arsch aufreißt“, sagte der Trainer des SV Eintracht Alt Ruppin nach der 1:2-Heimniederlage im Derby gegen Hansa Wittstock. Referee Stefan Fleschner (SV Altlüdersdorf) geriet am Samstagnachmittag im Waldstadion zur Zielscheibe – schon während der regulären Spielzeit, spätestens aber in der Nachspielzeit, als zwei Entscheidungen die auf Anschlag vollgeladenen Derby-Gemüter noch mehr erhitzte.

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Hansa-Angreifer Dirk Atlas sicherte das Spielgerät im Mittelfeld, düpierte Eintracht-Verteidiger Dominik Dargelis und danach auch Alt Ruppins Torhüter Daniel Borrmann. Im Fallen bugsierte er das runde Leder zum 3:1 hinter die Linie, bei den Gästen brachen alle Dämme, Atlas versank in der Wittstocker Jubeltraube. Bei den Hausherren entlud sich dagegen der angestaute Frust – ihrer Meinung nach war der Treffer nämlich irregulär. Atlas soll den Ball, der vermutlich neben den Pfosten ins Aus getrudelt wäre, mit der Hand die entscheidende Richtungsänderung gegeben haben. Dies verdeutlichten gleich drei Alt Ruppiner dem Unparteiischen. Sehr deutlich. Zu deutlich.

In Bildern: Hansa Wittstock feiert Derbysieg bei Eintracht Alt Ruppin.

Am 5. Spieltag der Landesliga Nord sichert sich der FK Hansa Wittstock (blaue Trikots) die ersten Punkte. Sergei Paschtschenko und Christopher Michaelis brachten die Gäste mit 2:0 in Front, der Anschluss durch Patrick Mann reichte für die Eintracht nicht mehr zum Punktgewinn. In der Nachspielzeit dezimierten sich die Hausherren sogar noch dreifach. Zur Galerie
Am 5. Spieltag der Landesliga Nord sichert sich der FK Hansa Wittstock (blaue Trikots) die ersten Punkte. Sergei Paschtschenko und Christopher Michaelis brachten die Gäste mit 2:0 in Front, der Anschluss durch Patrick Mann reichte für die Eintracht nicht mehr zum Punktgewinn. In der Nachspielzeit dezimierten sich die Hausherren sogar noch dreifach. © Marius Böttcher

Fleschner zeigte dem gesamten Eintracht-Trio – Maurice Grube, Dominik Dargelis und Jannis Neumann – die Rote Karte. „Das Tor war für mich erstmal da“, erklärte der Referee im Nachgang, „binnen weniger Sekunden kamen drei Spieler auf mich zu, greifen mich an, mit beiden Händen packen sie mich am Trikot und ziehen an meinen Schultern. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als das jeweils mit der Roten Karte zu sanktionieren“. Nach Rücksprache mit Assistent Robert Graeske, der ein Handspiel von Dirk Atlas erkannt haben wollte, revidierte Fleschner seine erste Entscheidung: „Die Torerzielung galt nicht und es gab Freistoß für Alt Ruppin.“ Die Platzverweise hatten jedoch Bestand. Graeske: „In dem Moment, wo ich das Handspiel signalisierte, griffen die Spieler Stefan schon an. So schnell konnte ich gar nicht reagieren. Alt Ruppin hätte die Situation ruhiger abwarten sollen.“

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Daniel Kraatz erlebte jene Szenerie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an seiner Trainerbank. Die zweite Halbzeit lief wenige Sekunden, da wurde er von Fleschner bereits mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Der Eintracht-Coach betonte jedoch, dass er freiwillig den Weg hinter die Barriere suchte. „Für mich ist das eine Katastrophe, wie der Schiedsrichter hier auftritt. Er hat jede Aktion gegen uns gepfiffen und drei Rote Karten verteilt, weil er sich in die Hose scheißt, ich muss das so ehrlich sagen. Es fängt vor dem Spiel an – er geht in die Kabine, sagt nicht ,Guten Tag’, erkundigt sich nicht, in welchen Trikots gespielt wird. Das ist einfach arrogant und von oben herab“, sagte Kraatz, der jedoch klar stellt: „Dass meine Spieler den Schiedsrichter nicht anfassen dürfen, steht außer Frage. Sie waren aber wegen dem Handspiel aufgebracht. Nun schreibt Herr Fleschner einen Bericht und drei meiner Jungs stehen mir wochenlang nicht zur Verfügung.“

Hansa verteidigt Führung leidenschaftlich

Kraatz wolle den Fall laut eigener Aussage prüfen und gegebenenfalls Protest einlegen: „Nicht, um das Spiel zu annullieren, das wäre unfair und Wittstock hat sich den Sieg verdient. Ich will meine Spieler schützen.“ Stefan Fleschner kontaktierte – nachdem er auf dem Weg in die Kabine „von einem Ordner leicht geschubst und von einer anderen Person angespuckt“ wurde – umgehend die spielleitende Stelle, berichtete von den Vorkommnissen und fertigt einen Sonderbericht an.

Anders als die Schlussphase und die Szenen nach dem Abpfiff ist das Sportliche schnell erzählt: Die Heimelf war über weite Strecken am Drücker, lange jedoch nicht zielstrebig genug. Ein abgefälschter Schuss und ein blitzsauberer Konter brachte den bis dato punktlosen FKH mit 2:0 in Front. Auch nach der Pause verteidigten die Schützlinge vom Trainer-Duo Tino Sasse/Erik Sonnenberg mit Leidenschaft – und behielten auch nach dem Anschlusstreffer die nötige Cleverness, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen. „In den letzten Wochen haben wir viel Pech gehabt, heute hatten wir auch mal Glück und einen überragenden Philipp Müller zwischen den Pfosten. Mit unseren Umschaltmomente waren wir immer gefährlich“, resümierte Tino Sasse.

Eintracht Alt Ruppin: Borrmann – Goetsch, Dargelis, Grube, John (46. Dodt) – Wegner, Schulz, Neumann, Pritzkow – Degener (60. Barkow), Donatz (46. Mann).
Hansa Wittstock: Müller – J. Rieck, Eckardt (46. Gardemin), Radon, Klöss – Michaelis, Paschtschenko, Hordan (67. Atlas), Müller (86. Reschke) – Monschau, Rodrigues de Siqueira.