30. September 2019 / 16:07 Uhr

Dreispringerin Neele Eckhardt tastet sich langsam wieder heran

Dreispringerin Neele Eckhardt tastet sich langsam wieder heran

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Vor zwei Jahren strahlte Neele Eckhardt bei der WM in London. Damals erreichte sie das Dreisprung-Finale.
Vor zwei Jahren strahlte Neele Eckhardt bei der WM in London. Damals erreichte sie das Dreisprung-Finale. © dpa
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Wenn am Donnerstag die weltbesten Dreispringerinnen bei der Leichtathletik-WM in Doha in der Qualifikation antreten, ist Neele Eckhardt von der LG Göttingen zum Zuschauen verurteilt. Das Ticket für Katar hatte sie gelöst, aus gesundheitlichen Gründen musste sie allerdings kurzfristig absagen.

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Eine Lungenentzündung hat die 27-Jährige vor drei Wochen außer Gefecht gesetzt – zum zweiten Mal binnen eines Jahres. „Das Antibioitikum hat schnell gewirkt, aber der Erschöpfungszustand danach ist unheimlich groß“, erzählt Eckhardt. Sie hatte gehofft, dass sie schneller wieder gesund wird. „Aber ich komme nicht so richtig in die Gänge“, gibt sie zu.

Momentan lebt die Soldatin mehr oder weniger in den Tag hinein, hört auf ihren Körper und entscheidet kurzfristig. „Vielleicht fange ich Ende der Woche oder Anfang nächster Woche so langsam wieder an zu trainieren“, sagt sie – und nimmt das Wort „langsam“ wörtlich: „Erst einmal fünf Minuten auf dem Fahrrad-Ergometer. Bloß nicht überlasten.“ Geduld muss sie in diesen Tagen eine Menge aufbringen. „Und Geduld ist nicht eine meiner Stärken“, gibt die Leichtathletin zu, die im vergangenen Jahr drei Monate nach einer Lungen- und Herzbeutel-Entzündung pausiert hatte.

Noch kein geregeltes Training

An ein geregeltes Training ist vor Mitte Oktober nicht zu denken. Erstes sportliches Ziel der Dreispringerin ist die Teilnahme an einem Trainingslager im November/Dezember in Südafrika. „Wie meine Hallensaison aussehen wird, weiß ich noch nicht. Da gibt es noch keine Planungen.“ Fernziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Eckhardts Vertrag bei der Bundeswehr wurde erst kürzlich um ein weiteres Jahr verlängert, sodass sie sich in Ruhe auf das Großereignis in Japan vorbereiten kann. „Mit dem zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften ist meine Saison 2019 ja dann doch noch ganz positiv gelaufen.“

Ungewiss ist, ob sie sich am Donnerstag die Dreisprung-Qualifikation in Doha im Fernsehen anschauen wird. „Ich weiß nicht, ob ich das kann. Das entscheide ich spontan.“ Vielleicht überredet sie ja ihre Eltern dazu, mit ihr gemeinsam zuzuschauen. „Ich fahre am Dienstag für ein paar Tage zu ihnen. Sie leben südlich von Bremen. Dort lasse ich mich dann verwöhnen, so oft habe ich sonst dazu ja nicht die Gelegenheit.“

Freude für Teamkameradin

Die Tatsache, dass keine deutsche Dreispringerin in Doha dabei sein wird, findet Eckhardt „echt schade“. „Natürlich wäre es schöner, wenn jemand dabei wäre. Im vergangenen Jahr waren wir noch vier Springerin, für die eine Qualifikation möglich gewesen wäre. Und nun ist keine von uns gefahren. Aber das konnte ja niemand ahnen, dass Verletzungen und Krankheiten so geballt auftreten.“

Einige Wettkämpfe hat Neele Eckhardt in den vergangenen Tag verfolgt. „Für mich ist das schwierig, ich bin nicht so glücklich dabei.“ Gefreut hat sie sich über die Final-Qualifikation von Imke Onnen, die Hochspringerin ist im Vorkampf mit 1,94 Meter persönliche Bestleistung gesprungen. „Wir kennen uns gut, da habe ich natürlich mitgefiebert“, sagt die Göttingerin über ihre niedersächsische Teamkameradin.

Verständnis hat sie übrigens an der Kritik der Sprinterinnen, die sich zu der Kamera im Startblock geäußert haben: „Das ist doch nur Spielerei. Die Leichtathletik braucht keine neuen Einstellungen, um interessanter zu werden. Da kann ich gut verstehen, dass sich Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto da unwohl gefühlt haben.“ Eckhardt ist dafür, dass der wichtige Moment des Starts bei einem Sprinter auch dessen ganz persönlicher Moment bleibt.

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