16. Februar 2017 / 08:02 Uhr

Dresden bewirbt sich mit zu kleinem Stadion für EM 2024

Dresden bewirbt sich mit zu kleinem Stadion für EM 2024

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Ausbaupläne für das DDV-Stadion
Ausbaupläne für das DDV-Stadion gibt es schon. Sie sind aber in einer so frühen Phase, dass sie für die EM nicht greifen. © BAM Sports GmbH/phase 10
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Die Stadt will Austragungsort der Fußball-EM 2024 werden – und hat die Rechnung ohne die UEFA gemacht .

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Dresden. Eine Riesenstimmung herrschte 2011 im Dresdner Stadion beim Viertelfinalspiel der Frauen-Fußball-WM zwischen Brasilien mit Weltstar Marta und den letztlich im Elfmeterschießen siegreichen US-Amerikanerinnen. Mit 25 .598 Zuschauern war die Spielstätte an der Lennéstraße damals ausverkauft. Mehr geht nicht, weil laut Regularien bei solchen Turnieren nur Sitzplätze zulässig sind. Einmal Austragungsort auch von Spielen eines großen Männerturniers zu sein, wie Leipzig bei der WM 2006 – davon träumt Dresden schon lange.

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Das will die Stadt nun anpacken – im Sog der aktuellen Pläne des Deutschen Fußballbunds (DFB), sich als Ausrichter der Europameisterschaft 2024 zu bewerben. Dresden will bei diesem Spektakel einer der zehn Spielorte sein, hat aber – mal abgesehen von der starken bundesweiten Konkurrenz – ein fundamentales Problem: Das DDV-Stadion ist dafür schlicht zu klein. Die geforderte Mindestgröße liegt bei 30 000 Sitzplätzen, die Kapazität in Dresden dürfte sich im Vergleich zu 2011 jedoch kaum geändert haben. Kurzum: rund 4000 Plätze fehlen.

Bis Freitagmittag muss die Stadt gemeinsam mit der Stadion-Projektgesellschaft beim DFB vorerst unverbindlich ihr Interesse an der Austragung von EM-Partien bekunden. Und sie will das auch tun. „Wir werden uns mit dem Stadion mit seiner Kapazität von rund 26 000 Sitzplätzen fristgerecht bewerben“, kündigte Sportbürgermeister Peter Lames (SPD) gestern gegenüber DNN an – und gesteht sogleich ein: „Die geforderten 30 000 können wir nicht bieten, sondern wir unterbreiten ein Angebot für den Fall, dass sich der DFB ganz konkret für eine kleinere Variante entscheidet. Damit wollen wir an die hervorragende Gastgeberrolle Dresdens bei der Frauen-WM anknüpfen.“



Die Krux ist nur, dass der europäische Kontinentalverband UEFA die Rahmenbedingungen vorgibt. Der DFB hat darauf keinen Einfluss und wird, um den Erfolg seiner Bewerbung nicht zu riskieren, im Zweifel auf ein größeres Stadion zurückgreifen – zum Beispiel auf die Leipziger Red-Bull-Arena, die schon jetzt mit ihren 43. 000 Plätzen absolut EM-tauglich ist und aktuellen Plänen zufolge auf 57. 000 Plätze erweitert werden soll. „Ich mache mir da keine übertriebenen Hoffnungen, aber einen Versuch ist es wert. Die Chance ist minimal, das ist uns allen bewusst. Aber wenn wir unser Interesse gar nicht bekunden, dann wäre sie null“, so Lames.

Für den 11. April lädt der DFB Vertreter der interessierten Städte und Stadionbetreiber ein. Im Juni endet die Frist für verbindliche Bewerbungen. Die Entscheidung über die Austragungsorte, mit denen sich der DFB bewirbt, fällt das Verbandspräsidium im September. „Man kann sich auch mit einer kleineren Kapazität bewerben, muss dann aber beim Verfahren anhand bestätigter Baupläne oder bewilligter Investitionen in den abgegebenen Unterlagen nachweisen, dass der Ausbau auf die geforderten 30 000 Plätze umgesetzt wird. An dieser Zahl führt kein Weg vorbei“, stellte gestern ein DFB-Sprecher klar.

Damit ist die Dresdner Bewerbung wohl zum Scheitern verurteilt. Ausbaupläne für das Stadion gibt es zwar, doch die sind in einem sehr frühen Stadium. Ein Dresdner Ingenieurbüro hat im Auftrag der Stadion-Projektgesellschaft eine Machbarkeitsstudie erstellt und erste Visualisierungen angefertigt. Danach sollen drei Seiten des Stadions um 20 Sitzreihen erhöht werden. Beim K-Block und der gegenüberliegenden Südtribüne käme ein neuer Oberrang hinzu, bei der Westtribüne wären es sogar zwei.

Für den K-Block würden sich 4708 neue Stehplätze ergeben, im Gästebereich 2237 zusätzliche Stehplätze. Zudem sind der Studie zufolge 6164 „normale" Sitzplätze und 600 im VIP-Bereich machbar. Das ergibt 13 709 Plätze mehr. „Das sind nur erste Gedankenspiele nahe am möglichen Maximum“, erklärt Axel Eichholtz, der Geschäftsführer der Stadion-Projektgesellschaft. Im November hatte sie die Ausbau-Pläne bei der Stadt vorgestellt. Nun muss sie erst mal klären, ob das Projekt überhaupt zu stemmen ist.

„Die Idee ist es wert, sich ernsthaft damit zu beschäftigen, aber um es vorsichtig zu sagen: Alles nicht ganz easy. Die Pläne werfen in vielen Bereichen erhebliche Probleme auf“, so Peter Lames. Wichtigster Punkt: die ungeklärte Finanzierung – die Kosten liegen locker im zweistelligen Millionenbereich. Doch auch die technische Machbarkeit sei schwierig, da ein Stadion so noch nie umgebaut wurde.

Fragen werfen Lames zufolge auch der Betrieb während der Bauphase und die rechtliche Genehmigungsfähigkeit an der Stelle auf. Schließlich liegen mit dem Großen Garten, dem Blüherpark und der Bürgerwiese drei wichtige Grünflächen in direkter Nachbarschaft. Das Dach würde wegen der erforderlichen Anhebung die Parkbäume deutlich überragen. Zudem würde das angrenzende Georg-Arnhold-Bad weniger Sonnenlicht bekommen. Eine Baugenehmigung zu erhalten, ist mit enormem Aufwand verbunden. „Deshalb ist ausgeschlossen, sich bei einer Bewerbung für die EM 2024 auf diese Ausbaupläne zu stützen. Das ist bis Juni definitiv nicht spruchreif“, sagt Peter Lames.

Dennoch will Eichholtz dranbleiben: „Wir versuchen, bis Sommer zu klären, ob ein Ausbau möglich ist“, kündigt er an. Denn auch Dynamo Dresden spiele in den Überlegungen eine Rolle. Oftmals gibt es kaum Karten, viele Spiele des Zweitligisten sind ausverkauft. „Es geht aber auch darum, außerhalb des Fußballs mehr Angebote machen zu können, zum Beispiel Tagungen und Konzerte“, so Eichholtz weiter. Sogar ein Hotel könnte zu diesem Zweck entstehen – anstelle des Kunstrasenplatzes westlich des Stadions.

Doch auch dies ist nur ein Gedankenspiel. Um EM-Spiele 2024 in Dresden austragen zu können, kommt das alles zu spät. „Dieses Stadion ist super für die erste, zweite und dritte Liga. So ist es konzipiert worden, das hat man gewusst, deshalb gibt es da auch nichts zu lamentieren. Wir müssen damit leben, dass wir kleiner sind als die ganz großen deutschen Stadien“, sagt Peter Lames. Und Dresden muss damit leben, dass es auch diesmal vom ganz großen Fußball wohl nur träumen darf.