22. November 2020 / 11:20 Uhr

Dresden holt Hansa wieder auf den Teppich

Dresden holt Hansa wieder auf den Teppich

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Auf dem Boden der Tatsachen: Lukas Scherff und Bentley Baxter Bahn (r.).
Auf dem Boden der Tatsachen: Lukas Scherff und Bentley Baxter Bahn (r.). © Andy Bünning
Anzeige

Die Sieben-Spiele-Serie ohne Niederlage ist beendet: Hansa Rostock lag schnell 0:3 hinten und hatte gegen effektive und spielstarke Dresdner nicht die Mittel, die Partie noch zu drehen. Butzen droht lange Pause.

Anzeige

In Kaiserslautern und Halle wackelte Hansas Serie schon bedenklich, Dynamo Dresden hat sie am Sonnabend umgerissen. Und zwar „brutal effektiv“, wie Jens Härtel nach der verdienten 1:3 (1:3)-Heimniederlage, der ersten in dieser Saison, feststellte. Mit ernüchternden zwei Punkten aus den letzten drei Spielen reihen sich die Rostocker, die vor drei Wochen noch von der Tabellenspitze grüßten, erst mal wieder im Verfolgerfeld ein. Und es bleibt dabei: Hansa kann im eigenen Stadion gegen die Sachsen nicht gewinnen: Der letzte Heimsieg liegt fast ein Jahrzehnt zurück, das bis Sonnabend letzte Aufeinandertreffen im Ostseestadion verloren die Rostocker im Oktober 2015 ebenfalls mit 1:3.

Anzeige

Die Enttäuschung bei Jens Härtel, der schon zur Pause bedient war und lange vor seiner Mannschaft wieder aus der Kabine kam, saß tief: Eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage hat Hansa in der Vergangenheit nicht oft geschafft. Dass sie an diesem nasskalten Nachmittag im leeren Ostseestadion keinen Bestand haben würde, wurde dem Coach und den wenigen Beobachtern schnell klar, Dynamo zeigte von Anfang an, warum der Weg in die 2. Bundesliga in dieser Saison über Dresden führt. Obwohl mit Mai und Stefaniak zwei Leistungsträger ausfielen, hielten die Gäste den Gegner immer in Schach.

Die Hansa-Noten zum Spiel gegen Dynamo Dresden:

Markus Kolke: Zur Galerie
Markus Kolke: ©

„Wir haben ein vernünftiges Spiel gegen eine gute Dresdner Mannschaft gemacht“, resümierte Härtel "nicht ganz unzufrieden". Er könne seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, ergänzte er – und tat das dann doch ziemlich ausführlich. Im Fokus seiner Kritik: Hansas Abwehr, die Dresden vor den drei Gegentoren förmlich den roten Teppich ausrollte. Daferner (14.), Hartmann (30.) und Königsdörffer (41.) nahmen die Einladungen dankend an. „Das ist ein Geschenk, was wir da gemacht haben“, meinte Härtel mit Blick auf das 0:1, das Damian Roßbach Dresden mit einem katastrophalen Rückpass auflegte. Auch beim 0:2 nach einem Dynamo-Freistoß habe seine Mannschaft „schlafmützig verteidigt“. Das vorentscheidende 0:3 nach sehenswerter Kombination der Sachsen hätte man „besser verteidigen können“, haderte der Hansa-Coach. Torwart Markus Kolke war sichtbar angefressen und wurde noch etwas deutlicher: "Wir haben dreimal geschlafen."

Auch die Offensivleistung nahm Härtel von seiner Kritik nicht aus: „Wir haben vorne oft die falsche Entscheidung getroffen.“ Zwar gelang Pascal Breier noch vor dem Halbzeitpfiff das 1:3 (43.), aber auch nach dem Seitenwechsel konnten die Rostocker nicht mehr ernsthaft am Dresdner Erfolg rütteln. Zuvor hatte Maurice Litka Dynamo-Keeper Broll geprüft (34.) – mehr kam von Hansa nicht. Mit Blick auf den zweiten Durchgang meine Härtel: „Wir haben versucht, mit allem was wir hatten, anzugreifen.“ Das war am Sonnabend allerdings viel zu wenig. Erst nach 76 Minuten gab Bentley Baxter Bahn einen Schuss aufs Dynamo-Tor ab und scheiterte anschließend noch mal an Broll (82.). Ein Sonnenberg-Kopfball fand danach ebenfalls nicht den Weg ins Tor (85.).

Von der Ostsee an die Elbe / Von schwarz-gelb zu blau-weiß - Ehemalige Kicker des FC Hansa, die auch für Dynamo Dresden aktiv waren.

Abdelaziz Ahanfouf (Marokko): Der hessische Marokkaner konnte bei Hansa 1999/2000 die Erwartungen nicht erfüllen. Zog über Mainz und Dresden weiter nach Duisburg, wo er seine erfolgreichste Zeit hatte. Zur Galerie
Abdelaziz Ahanfouf (Marokko): Der "hessische Marokkaner" konnte bei Hansa 1999/2000 die Erwartungen nicht erfüllen. Zog über Mainz und Dresden weiter nach Duisburg, wo er seine erfolgreichste Zeit hatte. ©

„Wir hätten heute einen Riesenschritt machen können. Aber Dresden war brutal effektiv und uns hat die Galligkeit vorm Tor gefehlt“, befand Mittelfeldmann Jan Löhmannsröben, der den Blick nach nur einem Punkt aus zwei Ostderbys auf Mittwoch richtete. Dann muss Hansa beim kriselnden 1. FC Magdeburg antreten. „Wir haben aufs Maul bekommen, jetzt müssen wir wieder aufstehen und vielleicht das nächste Ostderby ziehen“, sagte der Ex-Magdeburger: „Wir haben jetzt zwei englische Wochen, da kann man es wieder gutmachen.“

Fehlen wird gegen seinen früheren Verein weiterhin Nils Butzen. Der Defensivallrounder, der das Spiel gegen Dresden von der Tribüne aus verfolgte, steht verletzungsbedingt offenbar vor einer längeren Pause. Der 27-Jährige lässt sich ab heute in Leipzig bei einem Spezialisten behandeln. Wann Butzen wieder spielen kann, ist offen – möglicherweise ist das Fußballjahr für ihn vorzeitig beendet.