10. Juni 2021 / 10:34 Uhr

Dresdens Hindernisläufer Bebendorf träumt vom Finale in Tokio

Dresdens Hindernisläufer Bebendorf träumt vom Finale in Tokio

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig verteidigte der Dresdner Karl Bebendorf seinen Titel über 3.000 Meter Hindernis erfolgreich.
Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig verteidigte der Dresdner Karl Bebendorf seinen Titel über 3.000 Meter Hindernis erfolgreich. © Wolfgang Birkenstock
Anzeige

Unter den besten 45: Der Leichtathlet Karl Bebendorf vom Dresdner SC fährt am Wochenende nach Berlin, um sich für die Olympischen Spiele in Japan einkleiden zu lassen. In Fernost will der Sachse weit kommen.

Anzeige

Dresden. Karl Bebendorf hat am Wochenende einen wichtigen Termin in Berlin. Der frischgebackene Deutsche Meister über 3.000 Meter Hindernis erhielt eine Einladung zur Olympia-Einkleidung. Ein untrügliches Zeichen, dass für den DSC-Athleten das Ticket nach Tokio eigentlich nur noch Formsache sein dürfte. Auch wenn er bei seinem Titel-Hattrick von Braunschweig die direkte Olympia-Norm von 8:22 Minuten knapp verpasste, hat er mit seiner Sieger- und persönlichen Bestzeit von 8:23,28 Minuten reichlich Punkte für die Weltrangliste gesammelt.

Anzeige

Schrecksekunde in Braunschweig

Seit Mittwoch dieser Woche weist ihn der internationale Leichtathletikverband auf Ranglistenplatz 37 aus. Die besten 45 dürfen bei den Spielen in Japan starten. Auch wenn noch zwei, drei internationale Rennen stattfinden, ist sich der 25-jährige Dresdner sicher: „Es werden kaum noch so viele schneller laufen und mich in der Rangliste überholen.“

Mehr zu Dresdner Sport

Auch der Trainer Dietmar Jarosch bleibt gelassen: „Da wird nicht mehr so viel passieren.“ Mit der Vorstellung seines Schützlings bei den Deutschen Meisterschaften zeigte sich Jarosch sehr zufrieden, allein schon wegen der ungünstigen Vorzeichen. „Karli bekam es ein paar Tage vor dem Wettkampf mit seinem Heuschnupfen zu tun. Er fühlte sich schlapp, schniefte, kriegte nur schlecht Luft. Er ist sich deshalb noch mal zur Akupunktur gegangen. Ich hatte natürlich einige Bedenken vor der Meisterschaft, am Ende aber hat ihn wohl die ganze Konzentration auf die Gesundheit etwas abgelenkt“, glaubt der Coach, der die Leistungssteigerung von rund vier Sekunden darauf zurückführt, dass Bebendorf im Training in allen Bereichen – also Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit – rund zehn Prozent draufgepackt hat.



Eine Schrecksekunde gab es dann auch noch bei der Anreise in Braunschweig. „Karl war wie gewohnt einen Tag zuvor zum PCR-Test. Der reichte jedoch nicht. Er musste sich vor Betreten des Stadions noch mal einem Schnelltest unterziehen“, berichtet Jarosch. Bei der Erwärmung fühlte sich Bebendorf noch extrem schwach. „Ich wusste nicht, ob ich das Rennen durchstehe. Ich habe mich erstmals gedanklich sogar mit einem Ausstieg beschäftigt, habe mich wirklich noch nie vor einem Wettkampf so grausam gefühlt. Schließlich sind ja 3.000 Meter kein Sackhüpfen“, gibt der Elbestädter im Nachhinein zu. Dann aber ging es an den Start und schnell habe er gemerkt, es läuft doch bestens. „Vielleicht kam mir auch mein Training mit der Atemmaske zugute. Dabei konnte ich ja immer das schlecht Luft bekommen, simulieren“, vermutet Bebendorf, der auch ein dickes Lob an die Konkurrenten loswerden will: „Es war ein richtig schnelles Rennen. Wir hatten vorher genau besprochen, wer wann für Tempo sorgt. Alle haben sich bis zum Schluss darangehalten.“

Höhentraining in St. Moritz

So schaffte übrigens der Zweitplatzierte Frederik Ruppert (SC Myhl) mit seiner Zeit von 8:25,27 Minuten in der Weltrangliste den Sprung auf den 45. Platz, was derzeit ebenfalls das Olympia-Ticket bedeuten würde. „Für ihn wird aber wohl noch eine Zitterpartie“, meint Bebendorf, der in Braunschweig noch einmal richtig Selbstvertrauen getankt hat: „Dass ich trotz der gesundheitlichen Probleme so schnell gelaufen bin, zeigt, dass ich noch einige Reserven habe. Deshalb bin ich überzeugt, dass ich unter 8:20 rennen kann.“

Übrigens war kein anderer Deutscher über diese Strecke in den vergangenen neun Jahren schneller als er. Und er ist sich auch sicher, dass er bald die Bestzeit des zweimaligen Dresdner Olympia-Teilnehmers und Europameisters Hagen Melzer von 8:10,32 Minuten aus dem Jahr 1987 erreicht. „Das wird ja auch wirklich Zeit“, lacht Bebendorf. Schon am kommenden Dienstag geht es jetzt für drei Wochen ins Höhentrainingslager nach St. Moritz, wo die Form für Tokio noch einmal neu aufgebaut werden soll. Ab der zweiten Woche wird dann auch Dietmar Jarosch dabei sein. Die offizielle Olympia-Nominierung soll Ende Juni erfolgen. Sein großes Ziel in Japan heißt: „Finale erreichen. Das wäre schön.“