07. März 2021 / 19:09 Uhr

Dresdner Eislöwen nach 6:1-Führung in Freiburg völlig von der Rolle

Dresdner Eislöwen nach 6:1-Führung in Freiburg völlig von der Rolle

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
DresdnerEislöwen
Scott Allen (Nr. 90) bejubelt das 7:6 für Freiburg, Nick Jordan Vieregge (am Boden) ist wieder geschlagen. Toni Ritter (Nr. 17), Kevin Lavalléesind (Nr. 20) und Thomas Supis (verdeckt) sind konsterniert. Freiburgs Andreé Hult freut sich indes mit Allen. © imago images/Beautiful Sports
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Die Dresdner Eislöwen haben im Auswärtsspiel beim EHC Freiburg einen schwarzen Abend erlebt. Die Mannschaft von Trainer Andreas Brockmann bricht nach einer 6:1-Führung völlig in sich zusammen und verliert am Ende noch mit 6:9.

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Freiburg. Selbst am Tag danach war Andreas Brockmann noch sprachlos. „Nein, das ist noch nicht verdaut“, gab der erfahrene Trainer der Dresdner Eislöwen zu. Der 53-Jährige hat in seiner Karriere schon viel erlebt, aber an ein solches Desaster kann auch er sich kaum erinnern. Seine Mannschaft führte am Sonnabend bei den Freiburger Wölfen schon mit 6:1, kassierte jedoch eine krachende 6:9-Pleite (3:0, 3:4, 0:5).

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Selbst der schottische Wölfe-Coach Peter Russell meinte: „Das war ein Spiel, wie ich es noch nie erlebt habe.“ Während jedoch seine Schützlinge in dieser schon fast verloren geglaubten Partie Charakter zeigten, konnte man das von den Elbestädtern nicht gerade behaupten.

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Vor der Reise ins Breisgau hatte sich die Belegung im Lazarett weiter vergrößert: Neben Elvijs Biezais, René Kramer und Tom Knobloch fiel auch noch Steven Rupprich aus. Bei den Torhütern hatte Brockmann indes die Wahl, er gab dem 18-jährigen Nick Jordan Vieregge in Freiburg eine Einsatzchance. Am Ende konnte einem der Youngster leidtun.

Zum Schluss nicht mehr fokussiert

Doch zunächst starteten die Elbestädter blendend in die Partie. Schon in der 3. Minute sorgte Jordan Knackstedt für das 1:0. Lucas Flade erhöhte mit dem Nachsetzer auf 2:0 (10.). Eine Minute später stocherte Vladislav Filin den Puck über die Linie, doch nach Videobeweis wurde der Treffer wegen Behinderung nicht gegeben. Dafür aber markierte Filin in der 16. Minute das 3:0.

In der Pause reagierte Peter Russell und wechselte seine Goalies – für Enrico Salvacani kam der erfahrene Ben Meisner. Aber die Eislöwen knüpften nahtlos ans erste Drittel an. Knackstedt netzte zunächst im Powerplay zum 4:0 (26.) ein und in doppelter Überzahl baute der Kapitän den Vorsprung auf 5:0 (30.) aus. Als vier Minuten später Simon Danner zum 1:5 verkürzte, schien die blau-weiße Welt noch in Ordnung zu sein. Zumal Kevin Lavallée mit seinem ersten Saisontreffer zum 6:1 (36.) den alten Abstand wieder herstellte.

„Schon beim 1:5 haben wir nicht konsequent gespielt, die Scheibe nicht rausbekommen“, monierte Brockmann die erste Unaufmerksamkeit. Aber es kam noch viel schlimmer. Luca Trinkberger besorgte mit einem Nachschuss das 2:6 (37.) und kurz vor der Pause kämpfte sich Freiburg durch zwei Treffer von Chad Bassen und Simon Danner binnen 30 Sekunden auf 4:6 heran. „Da sind wir total von dem, was wir eigentlich spielen wollten, weggegangen. Wir waren zum Schluss nicht mehr fokussiert, scheinbar schon in der Kabine“, ärgerte sich der Coach.

Evan Trupp gesperrt

Man habe das Momentum total aus der Hand gegeben. „Es ist ja nicht das erste Mal, ähnlich war es in der Vorwoche und das zieht sich schon wie ein roter Faden durch die ganze Saison seit ich hier bin. Es ist hart, wenn man 30 Minuten gut spielt, viel probiert und sich dann solche Kardinalfehler leistet, einen nach dem anderen. Das ist brutal. Wenn man eben wieder denkt, es reicht schon, geht der Schuss nach hinten los“, kritisiert Brockmann.

Er musste zusehen, wie sein Team im Schlussdrittel völlig von der Rolle war. Nikolas Linsenmaier verkürzte auf 5:6 (46.). Dann flog Evan Trupp nach überhartem Foul mit fünf Minuten plus Spieldauer vom Eis. Ausgerechnet dem Ex-Dresdner Gregory Saakyan gelang der 6:6-Ausgleich (51.). Mit dem 7:6 (51.) von Scott Allen in Überzahl war die Partie endgültig gedreht. Ein Doppelpack des Ex-Eislöwen Chris Billich (57./59.) setzte den Schlusspunkt.

Nach Spielende verdrückten sich die Blau-Weißen ohne auf die Ehrung zu warten in die Kabine. Das Ganze habe nach dem 6:5 seinen Lauf genommen, zumal „der Fitnesszustand des Teams nicht der ist, den wir bräuchten“, merkte Brockmann noch an. Bereits an diesem Montag steht die nächste Partie in Heilbronn an. „Langsam gehen uns die Spieler aus. Wir werden alles probieren, doch Heilbronn ist natürlich eine Top-Mannschaft, die auch in die Playoffs will“, weiß der Coach. Evan Trupp ist nach seiner Spieldauerdisziplinarstrafe für zwei Spiele gesperrt worden. Zusätzlich wurde der US-Amerikaner mit einer Geldstrafe belegt.