07. Juli 2021 / 09:56 Uhr

Dresdner Kanute Tom Liebscher verabschiedet sich in Richtung Olympia

Dresdner Kanute Tom Liebscher verabschiedet sich in Richtung Olympia

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Tom Liebscher
Tom Liebscher packte am Dienstag noch einmal im Bootshaus seines Heimatvereins in Dresden an, jetzt geht es nach Duisburg. © Matthias Rietschel
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Für Tom Liebscher geht es am Mittwoch nach Duisburg, wo auf der dortigen Regattabahn noch einmal der letzte Feinschliff vorgenommen wird. Am 25. Juli geht es für das Dresdner Kanu-Ass dann über Frankfurt weiter nach Japan.

Dresden. „Die Stimmung wird immer besser und es macht langsam wieder Spaß zu paddeln“, sagt Tom Liebscher mit einem Lächeln auf den Lippen. Mit dieser erfreulichen Botschaft startet der Dresdner Kanu-Olympiasieger in den Countdown für Tokio. Am Dienstag gab es im heimatlichen Bootshaus noch einmal eine kleine Verabschiedungsrunde für den 27-Jährigen, am frühen Mittwochmorgen geht es in Richtung Duisburg. Auf der dortigen Regattabahn wird die deutsche Nationalmannschaft noch einmal am letzten Feinschliff für die Olympischen Spiele arbeiten, bevor am 25. Juli der Flieger nach Japan abhebt.

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"Harte sieben Monate"

Am 7. August, vier Tage nach seinem 28. Geburtstag, will Tom Liebscher mit dem Kajak-Vierer seinen Olympiasieg von Rio 2016 wiederholen. Mit seinen Teamgefährten Max Rendschmidt (Essen) – der einzige, der schon vor fünf Jahren mit im Boot saß – sowie Ronald Rauhe und Max Lemke (beide Potsdam) war er dreimal in Folge Weltmeister. Jetzt soll erneut die Krönung bei Olympia folgen. Für den Schützling von Heimtrainer Jens Kühn ist diesmal aber schon die Teilnahme ein besonderer Erfolg, schließlich liegen acht schwere Monate hinter ihm.

Genau am 31. Oktober 2020 geschah der schlimme Unfall. Bei einer Teambuildingmaßnahme der Nationalmannschaft im Allgäu fiel der Dresdner beim Rafting aus dem Boot und böse auf einen Stein. Die niederschmetternde Diagnose der Ärzte: fünffache Wirbelfortsatzfraktur im Rücken. Lange hielten er und der Verband die Verletzung geheim. Als er Monate später damit an die Öffentlichkeit ging, lief das Training schon wieder auf Hochtouren, wenngleich noch nicht mit einhundert Prozent.

„Es waren sehr harte sieben Monate, das kann Jens Kühn bestätigen“, gesteht Liebscher, der sich aber in den vergangenen Wochen Schritt für Schritt durch- und an die Weltelite herangebissen hat. Zwar war er beiden nationalen Qualifikationen Anfang Mai noch nicht wieder der Alte, aber als Siebenter der internen Rangliste konnte er sich ganz normal sein Tokio-Ticket erkämpfen, ohne auf einen Bonus vertrauen zu müssen.

"Auf Endspurt können wir uns verlassen"

„Ich wurde erstmal geerdet von der eigenen Leistung“, gibt er selbstkritisch zu, kann aber jetzt voller Zuversicht verkünden: „Seit sechs, sieben Wochen gibt´s nur noch Vollgas. Der Rücken hält und die Niederlage gegen die Spanier beim Weltcup in Szeged hat uns nochmal einen richtigen Antrieb gegeben.“

Damit nennt der Sportsoldat und Student für Verkehrsingenieurwesen auch gleich den Hauptkonkurrenten für Tokio. „Sie haben uns in Szeged deutlicher geschlagen als uns das lieb war. Aber vielleicht haben wir die Fahrt gegen die Wand gebraucht, um den Soll-Ist-Zustand auf einen klaren Punkt zu bringen. Dieses Aha-Erlebnis hat bei uns das Letzte herausgekitzelt“, schätzt er ein.


Vor allem an der Schnelligkeit und am Stehvermögen im Mittelteil der 500-Meter-Strecke habe man gearbeitet. „Da dürfen wir nicht zu viel verlieren, müssen voll dabei sein, sonst wird es schwer für den Kopf. Denn auf unseren Endspurt können wir uns verlassen“, so Liebscher. Kraft getankt hat er vergangene Woche noch einmal in Ungarn bei Freundin Dóra Lucz, die in Tokio im K1 über 200 Meter starten wird. „Ob wir uns in Japan sehen können, wissen wir nicht. Auf jeden Fall aber ist das Wiedersehen in vier Wochen geplant“, so Liebscher, der natürlich am liebsten als Doppel-Olympiasieger in den Urlaub fahren möchte.