16. März 2020 / 08:24 Uhr

Dresdner Kanuten: Abenteuerliche Flucht aus Spanien

Dresdner Kanuten: Abenteuerliche Flucht aus Spanien

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
25.7.2019,
KC Dresden, Kanu, 
Tom Liebscher,
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Dresdens Kanu-Star Tom Liebscher musste in Spanien eiligst die Boote verladen und sich auf die Heimreise machen. © Matthias Rietschel
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Der Dresdner Kanu-Star Tom Liebscher musste sein Trainingslager im Ausland übereilt abbrechen. Ähnlich erging es den anderen Kanuten.

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Dresden. Nicht nur die Spielsportarten sind von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. Auch die Einzelsportler, die mitten in den Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele in Tokio stecken, trifft es massiv. So mussten die auch die Dresdner Kanu-Stars Tom Liebscher und Steffi Kriegerstein in der Nacht zum Sonnabend Hals über Kopf ihre Trainingslager im Ausland abbrechen und in die Heimat zurückkehren.

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Olympiasieger Tom Liebscher absolvierte gerade mit den deutschen Kajak-Männern ein Trainingslager im südspanischen Sevilla. „Wir waren seit zehn Tagen dort und vergangenen Mittwoch noch zu einem Team-Essen in der Stadt. Da war alles noch relativ normal und entspannt dort. Dann kam schon vom Verband die Absage der ersten Qualifikation Anfang April in Duisburg und die Spanier sagten ihre nationale Meisterschaft an diesem Wochenende ab. Am Freitagvormittag bekamen wir dann die Nachricht vom Reisebüro, dass wir am Sonntag abreisen müssen. Das Sportzentrum sollte geschlossen werden. Anschließend ging es Schlag auf Schlag“, berichtet der 26-Jährige.

„Wir haben unsere Boote auf die Hänger geladen, als es am Nachmittag hieß, wir müssen sofort raus, sonst kommen wir nicht mehr aus Spanien weg. Weil es mit dem Flieger schon nicht mehr möglich war, sind wir am späten Abend mit dem Taxi über die Grenze nach Portugal gefahren. Am Flughafen in Faro haben wir ab 1 Uhr nachts im Hotel noch ein paar Stunden geschlafen, dann ging es am Sonnabendvormittag mit dem Flieger nach München. Von dort bin ich dann mit dem Mietwagen nach Hause gefahren“, erzählt der mehrfache Weltmeister weiter. Es sei schwer, die ganze Situation richtig zu bewerten. „Auf jeden Fall merkt man, was man alles sonst hat und wieviel dazugehört, um sich auf den Sport konzentrieren zu können“, beschreibt Tom Liebscher seine Gedanken dazu.

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Stützpunkte in Dresden und Leipzig geschlossen

Daheim bliebt ihm allerdings jetzt nicht viel Zeit, denn der Olympia-Kader trifft sich am Mittwoch zum Trainingslager in Kienbaum. „Dort ist alles ziemlich abgeschottet und es werden auch Athleten aus anderen Sportarten dort trainieren, viele also, die zum Team Deutschland gehören“, so Liebscher, der nun auch seine ungarische Freundin Dora, ebenfalls eine Kanutin, länger nicht sehen wird. „Sie war in Florida im Trainingslager, musste am Wochenende auch in die Heimat zurückkehren“, weiß Liebscher, der sich auch Sorgen um den Nachwuchs macht: „Die beiden Stützpunkte in Dresden und Leipzig wurden geschlossen, das ist schwierig für die Landeskader. Da stellt die Quarantäne alles auf den Kopf.“

Wie Liebscher ging es auch seiner Dresdner Trainingsgefährtin Steffi Kriegerstein, die mit der Frauen-Nationalmannschaft ebenfalls kurzfristig aus dem Trainingslager in Portugal heimreisen musste. Heimtrainer Jens Kühn, der die Olympia-Zweite sowie auch die U23-Athleten Jakob Kurschat und Jonas Draeger vom Flughafen in Berlin abholte, sagt: „Mit den U23-Athleten trainieren wir auf der Elbe und auch auf einem See weiter.“ Wettkämpfe wird es aber bis einschließlich Ostern nicht geben. Was die Austragung der Olympischen Spiele anbetrifft, wagen weder Tom Liebscher noch Jens Kühn eine Prognose. „Je länger sich das Ganze mit dem Virus hinzieht, desto schwieriger wird es natürlich“, befürchtet Tom Liebscher.