02. März 2019 / 09:04 Uhr

Dresdner Leichtathlet Karl Bebendorf feiert sein internationales Debüt

Dresdner Leichtathlet Karl Bebendorf feiert sein internationales Debüt

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Die DSC-Halle im Ostragehege ist Karl Bebendorfs sportliche Heimat. An diesem Wochenende mischt er auf der „Insel“ bei der Hallen-Europameisterschaft mit.
Die DSC-Halle im Ostragehege ist Karl Bebendorfs sportliche Heimat. An diesem Wochenende mischt er auf der „Insel“ bei der Hallen-Europameisterschaft mit. © Matthias Rietschel
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DSC-Leichtathlet Karl Bebendorf gibt bei der Hallen-EM am Wochenende in Glasgow sein Debüt auf internationaler Bühne. Sein erstes Ziel hat er dort sogar schon erreicht.

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Dresden. DSC-Läufer Karl Bebendorf schwankte gestern zwischen Enttäuschung und Jubel. Bei der Hallen-EM im schottischen Glasgow erwischte der 22-Jährige über 1500 Meter einen schnellen Vorlauf mit dem norwegischen Doppel-Europameister Jakob Ingebrigtsen. Nachdem sich eine kleine Gruppe zum Schluss etwas absetzen konnten, musste Bebendorf abreißen lassen, kämpfte aber um jeden Meter und kam in 3:45,70 Minuten ins Ziel.

„Jetzt bin ich wohl um einen Platz am Finale vorbeigelaufen“, ärgerte sich der Schützling von Dietmar Jarosch kurz nach dem Rennen, aber wenig später konnte er doch noch strahlen. Weil ein vor ihm platzierter Läufer wegen eines Remplers nachträglich disqualifiziert wurde, rückte der Dresdner nach und steht damit im Finale am Sonntag. Bebendorf gab zu: „Die Aufregung war echt mega groß. Im Vergleich zu deutschen Meisterschaften war es eine ganz andere Situation. Ich kannte meine Gegner nicht und da ist ein bisschen Ungewissheit dabei. Das Rennen war sehr anspruchsvoll, weil es zeitig zur Sache ging, das bin ich noch nicht gewohnt, da muss ich in den nächsten Jahren dranbleiben. Ich fand es krass, neben einem Ingebrigtsen an der Startlinie zu stehen. Es war interessant, ihn im Wettbewerb zu erleben, wenn man ihn sonst nur im Fernsehen sieht. Jetzt arbeite ich mich auch langsam in diese Regionen vor, das motiviert mich extrem für die kommenden Monate“, so der Mittelstreckler, der bei seinem Debüt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft sein erstes Ziel schon erreicht hat.

„Der Einzug ins Finale wäre ein Riesenerfolg für mich“, hatte er noch einen Tag vor der Abreise erklärt. Erst vor wenigen Wochen konnte er beim Indoor Meeting von Karlsruhe in 3:40,67 Minuten die Norm für die Hallen-EM knacken. Für den ehrgeizigen DSC-Athleten, der in der europäischen Rangliste auf Platz 16 geführt wird, der bisherige Höhepunkt seiner Laufbahn.

Bebendorfs Spezialstrecke sind die 1500 m. 
Bebendorfs Spezialstrecke sind die 1500 m.  © Matthias Rietschel
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Als Knirps hatte er erst Fußball und Tennis gespielt, bevor er sich für die Leichtathletik entschied. Bis vor drei Jahren trainierte er unter den Fittichen der leider schon verstorbenen Katja Hermann, die sein Talent über die Hindernisstrecke erkannte und ihn 2014 zum deutschen U18-Meistertitel über die 2000-m-Hindernis führte. Bei Dietmar Jarosch konzentriert sich Bebendorf bislang auf die 1500 Meter. „In den ersten beiden Jahren musste ich mich an die Trainings-Umstellung gewöhnen, dazu bremsten mich immer wieder Verletzungen, Allergien und Krankheiten aus. Jetzt stimmt langsam alles, habe ich den richtigen Rhythmus gefunden und wir können die Leistung systematisch aufbauen und steigern“, freut sich Bebendorf. Dietmar Jarosch fügt hinzu: „Dass er die letzten Monate durchtrainieren konnte, ist das Entscheidende im Vergleich zu den Vorjahren. Wir haben Umfang und Intensität erhöht, aber da ist noch viel Luft nach oben“, so Jarosch.

„Die Spitzenläufer bringen es in der Woche auf 130 Trainingskilometer, er ist gerade bei 80 km angekommen“, merkt der Coach an. Allerdings trainieren die meisten Elite-Athleten deutlich mehr in der Höhe als Bebendorf, der 25 Stunden in der Woche als Kundenberater bei der AOK Plus in Cotta arbeitet. „Auch wenn mein Tag dadurch stressiger ist, finde ich den Ausgleich für den Kopf sehr wichtig. Da wird man immer geerdet“, sieht er einen wichtigen Vorteil.

„Ich werde dort gut unterstützt, kann natürlich aber nicht wochenlang Urlaub nehmen. Ich fahre zweimal nach der Hallen-EM in die Höhe, erst vier Wochen mit dem kompletten deutschen Laufkader nach Flagstaff in Arizona und dann noch einmal Ende April nach Südafrika. Da arbeite ich zuvor mehr, um die 75 Überstunden, die ich dafür brauche, herauszuarbeiten“, erzählt Karl Bebendorf und dankt einem weiteren Unterstützer: „Eine Riesenhilfe ist zudem der Leichtathletik-Förderverein Dresden, der mir durch die Finanzierung eines kompletten Trainingslagers unter die Arme greift. Dadurch komme ich am Ende bei Plus-Minus-Null raus.“

Nicht ohne Stolz hebt er zudem hervor: „In Glasgow bin ich der einzige deutsche Läufer, der vorher nicht in der Höhe trainiert hat.“ Dafür hat der „Lauf-Verrückte“ seit Herbst etwas Neues entdeckt. Er benutzt im Training eine Atemmaske. Die ersetzt zwar nicht das Höhentraining, aber auch Dietmar Jarosch sagt: „Sie stärkt auf jeden Fall die Atemmuskulatur. Das Laufen damit wird anstrengender, die Lunge muss mehr arbeiten. Wir haben es ausprobiert und haben gute Erfahrungen damit gemacht“, meint der Trainer. Neben diesem „Training unter erschwerten Bedingungen“ hat Bebendorf auch sein Gewicht reduziert, um noch leistungsfähiger zu sein. „Drei, vier Kilo habe ich weniger als im Vorjahr, bin jetzt bei 64 Kilo.“

All das zeigt, Bebendorf lebt für seinen Sport und für seinen großen Traum: „Ich möchte natürlich einmal bei olympischen Spielen starten. Am liebsten schon nächstes Jahr.“ Auf welcher Strecke er dieses Ziel anvisieren will, lässt er noch offen, gibt aber zu, dass die Chancen über die 3000-m-Hindernis sogar deutlich günstiger stehen. Eine Rückkehr zu seiner einstigen Paradestrecke ist also möglich, zumal er die Hürdentechnik in sein Training ohnehin integriert hat.

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