03. Mai 2021 / 08:39 Uhr

Dresdner-SC-Meistercoach Alexander Waibl: "Wir haben alle bekommen, die wir wollten"

Dresdner-SC-Meistercoach Alexander Waibl: "Wir haben alle bekommen, die wir wollten"

Astrid Hofmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Vierter Volleyball-Meistertitel mit dem Dresdner SC: Coach Alexander Waibl schaffte mit seinem das Comeback gegen den MTV Stuttgart.
Vierter Volleyball-Meistertitel mit dem Dresdner SC: Coach Alexander Waibl schaffte mit seinem das Comeback gegen den MTV Stuttgart. © imago images/Pressefoto Baumann
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Der Trainer der DSC-Volleyballerinnen erklärt im SPORTBUZZER-Interview, was beim Titelgewinn den Ausschlag gab und warum die Chancen auch 2022 gut stehen.

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Dresden. Als Alexander Waibl vor einer Woche die Meisterschale in die Höhe stemmte, erfüllte sich für den 53-Jährigen ein Traum. Sein zwölftes Trainerjahr bei den DSC-Volleyballerinnen krönte er mit seinem vierten Titelgewinn. Mit vier Pokalsiegen und dem Gewinn des europäischen Challenge Cups avancierte er längst zu einem der erfolgreichsten Trainer seiner Zunft. Gefreut hat sich der gebürtige Stuttgarter aber eher still. Schon nach zwei Tagen machte sich der Volleyball-Verrückte schon wieder auf zur Nationalmannschaft und absolviert derzeit als U23-Bundestrainer mit dem deutschen Anschlusskader Testspiele in Frankreich. Vor der Abreise fand der zweifache Familienvater Zeit für ein Gespräch.

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Haben Sie trotz Corona den Titel mit dem Team feiern können?

Natürlich nicht in dem Rahmen wie sonst. Wir haben mit den Trainern und der Mannschaft noch in der Halle ein bisschen zusammengesessen und ein Bier oder ein Glas Sekt getrunken. Weil das letzte Spiel ja sehr zeitig stattfand, war ich aber schon um acht Uhr zu Hause und konnte dort mit meiner Frau anstoßen. Bei solchen Anlässen gibt´s bei uns immer ein leckeres Raclette und dazu ein schönes Glas italienischen Rotwein.

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Der Dresdner SC ist zum sechsten Mal deutscher Volleyball-Meister der Frauen. Das Team von Trainer Alexander Waibl gewann am Sonnabend das entscheidende fünfte Playoff-Finalspiel in der heimischen Arena gegen Allianz MTV Stuttgart mit 3:0. Zur Galerie
Der Dresdner SC ist zum sechsten Mal deutscher Volleyball-Meister der Frauen. Das Team von Trainer Alexander Waibl gewann am Sonnabend das entscheidende fünfte Playoff-Finalspiel in der heimischen Arena gegen Allianz MTV Stuttgart mit 3:0. ©

Sie haben mit Ihrer Frau Steffi eine absolute Fachfrau an Ihrer Seite. Spielt das Thema Volleyball auch daheim eine große Rolle?

Wir reden viel über Volleyball. Für mich ist es immer sehr wertvoll, mit jemandem sprechen zu können, der das komplett versteht. Sie bringt auch andere Blickwinkel mit ein, sieht manches aus der Perspektive der Spielerinnen. Darüber bin ich sehr froh. Aber wenn es mal schlecht gelaufen ist, man Abstand braucht, fällt es uns auch leicht, das Thema völlig auszublenden.

Die letzten Wochen waren für Sie extrem stressig. Konnten Sie während der Finalserie genügend schlafen und woher nehmen Sie die Energie, jetzt nahtlos weiter mit der U23-Auswahl zu arbeiten?

Also ich habe eigentlich recht gut geschlafen (lacht). Nur nachts im Bus schlafe ich nicht. Da schaue ich mir meist noch die Statistiken oder einzelne Spielsequenzen an, spreche mit den Kollegen oder Spielerinnen. Und dann sehe ich meist Netflix-Serien vom Sport, zum Beispiel über die Formel 1 oder Michael Jordan und Dirk Nowitzki. Da kann man immer etwas lernen. Was die U23-Mannschaft angeht, so ist die Zeit ja nur auf diese eine Woche und die Spiele gegen Frankreich begrenzt. Danach bin ich wieder zu Hause.

Apropos Kollegen. Welchen Anteil haben Konstantin Bitter, Mateusz Żarczyński und Athletik-Coach Lukasz Zarebkiewicz am Meistertitel?

Natürlich einen sehr wichtigen. Ein solcher Erfolg ist immer das Ergebnis aller Beteiligter. Bei uns hat jeder Co-Trainer einen technischen Bereich, für den er zuständig ist, Konstantin Bitter war zudem Scout. Auch Lukasz hat einen Riesenanteil, denn er hat die Mädels nicht nur athletisch topfit gemacht, sondern er ist ein wahnsinnig positiver Mensch, der immer für gute Laune sorgt. Auch Jacek Bentkowski war als einziger Physiotherapeut sehr wichtig.

Sie haben trotz eines holprigen Saisonstarts sehr zeitig gesagt, dass Ihr Team um Titel spielen kann. Worauf gründete sich dieser Glaube?

Auf das Talent jeder einzelnen Spielerin, denn wir haben alle bekommen, die wir haben wollten. Wer mich im ersten Training nochmal überrascht hat, war Maja Storck. Als ich das erste Mal diesen Arm, diese Härte gesehen habe, ist mir die Kinnlade runtergefallen. Und wir haben Typen, die über die nötige Wettkampfhärte verfügen. Mir war zudem klar, dass Lena Stigrot einen weiteren Schritt vorwärts gemacht hat, ich wusste, was Jennifer Janiska kann oder dass Jenna Gray eine ist, die schon Titel gewonnen hat.

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<b>Alexander Waibl (Trainer Dresdner SC):</b> Ich bin ein bisschen müde und leer. Zunächst einmal fühle ich auch mit den Stuttgarterinnen mit. Ich weiß, wie sich sowas anfühlt. Deshalb großes Kompliment an sie, denn es war eine geile Finalserie. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, gerade in einer Phase, wo wir ein bisschen Probleme hatten, wo die Leute der Meinung waren, dass ich viel zu lange hier bin, dass ich schlecht und der falsche Trainer bin. Wir konnten zeigen, dass sich Kontinuität auch im Trainergeschäft im Sport bezahlt macht. Ich freue mich vor allem für unsere Mannschaft, denn wir haben sehr viele Spielerinnen, die noch keine Meisterschaft gewonnen haben, für die es wichtig war, noch einmal den ganz großen Wurf zu schaffen. Ich glaube, wir haben es verdient, aber Stuttgart hätte es auch verdient gehabt. Dass Krystal Rivers ausgefallen ist, hat es für uns emotional eher schwerer gemacht. Wir freuen uns natürlich, dass wir jetzt die Meisterschale erkämpft haben. Allerdings ist es schade, dass keine Fans in der Halle sein durften. Zur Galerie
Alexander Waibl (Trainer Dresdner SC): "Ich bin ein bisschen müde und leer. Zunächst einmal fühle ich auch mit den Stuttgarterinnen mit. Ich weiß, wie sich sowas anfühlt. Deshalb großes Kompliment an sie, denn es war eine geile Finalserie. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, gerade in einer Phase, wo wir ein bisschen Probleme hatten, wo die Leute der Meinung waren, dass ich viel zu lange hier bin, dass ich schlecht und der falsche Trainer bin. Wir konnten zeigen, dass sich Kontinuität auch im Trainergeschäft im Sport bezahlt macht. Ich freue mich vor allem für unsere Mannschaft, denn wir haben sehr viele Spielerinnen, die noch keine Meisterschaft gewonnen haben, für die es wichtig war, noch einmal den ganz großen Wurf zu schaffen. Ich glaube, wir haben es verdient, aber Stuttgart hätte es auch verdient gehabt. Dass Krystal Rivers ausgefallen ist, hat es für uns emotional eher schwerer gemacht. Wir freuen uns natürlich, dass wir jetzt die Meisterschale erkämpft haben. Allerdings ist es schade, dass keine Fans in der Halle sein durften." ©

Wie ist es am Ende gelungen, gerade gegen Stuttgart, gegen die der DSC insgesamt dreimal 0:3 verloren hatte, die Serie zu drehen. Gab es einen Trick, nach den Niederlagen die Spielerinnen aufzubauen?

Zuallererst haben wir es über das Volleyballerische gelöst. Wir haben immer besser verstanden, wie man gegen Krystal Rivers spielt und haben auch sonst unsere Taktik von Spiel zu Spiel angepasst. Als wir das zweite Spiel so knapp mit 2:3 verloren hatten, habe ich im Bus viele Einzelgespräche geführt. Ein kleiner Kniff war, dass ich der Mannschaft schon den Trainingsplan für die nächste Woche gegeben habe. Um zu zeigen: Es geht über volle fünf Spiele.

Wie hat sich eine Saison so völlig ohne Fans angefühlt?

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Schon sehr traurig. Gerade bei der Meisterfeier wurde das noch einmal so deutlich. Da habe ich mich an frühere stimmungsvolle Momente erinnert. So eine Saison will ich wirklich nicht mehr haben.

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Wird der DSC auch nächste Saison um Titel spielen?

Ich bin sicher, wir haben eine Mannschaft auf sehr ähnlichem Niveau. Auch wenn wir einige Spielerinnen abgeben müssen, wird sich das Gesicht nicht komplett ändern.