07. August 2018 / 10:00 Uhr

Drogen-Skandal um Jan Ullrich - Anwalt bestätigt Hilfsangebot: "Lance Armstrong ist bereit"

Drogen-Skandal um Jan Ullrich - Anwalt bestätigt Hilfsangebot: "Lance Armstrong ist bereit"

Dennis Ebbecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mehr denn je kann Jan Ullrich eine helfende Hand derzeit gut gebrauchen - und ausgerechnet sein ehemaliger Radsport-Rivale Lance Armstrong hat signalisiert, ihm diese reichen zu wollen.
Mehr denn je kann Jan Ullrich eine helfende Hand derzeit gut gebrauchen - und ausgerechnet sein ehemaliger Radsport-Rivale Lance Armstrong hat signalisiert, ihm diese reichen zu wollen. © Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images
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Das Drogen-Drama um Radsport-Legende Jan Ullrich ist inzwischen auch zu Lance Armstrong durchgedrungen. Dieser hat in einem Telefonat mit dem Ullrich-Anwalt nun offiziell seine Hilfe angeboten - sofern sich sein einstiger Rivale zu einer Therapie bereiterklärt.

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Der tiefe Fall des Jan Ullrich zieht immer weitere Kreise und ist nun auch in den USA bei Lance Armstrong angekommen. So sehr sich die beiden Radsport-Helden einst auf der Straße duellierten, so sehr halfen sie sich in der Vergangenheit auch gegenseitig. 2001 stürzte Ullrich bei der Tour de France - und Armstrong wartete auf ihn. 2003 verhielt es sich genau umgekehrt. Fast zwei Jahrzehnte später ist einer der beiden mehr denn je auf die Hilfe anderer angewiesen, weil sein Leben aus den Fugen geraten ist. Jan Ullrich scheint in einem Sumpf aus Drogen und Alkohol gefangen, aus dem er sich alleine nicht mehr herausziehen kann.

In Folge eines Nachbarschaftsstreit mit Schauspieler Til Schweiger verbrachte der Tour-Sieger von 1997 kürzlich eine Nacht in einem Gefängnis auf Mallorca. Sein prominenter Nachbar machte indes die Gründe für den Polizeieinsatz und das Drogen-Problem des einstigen Spitzensportlers öffentlich. Nach seiner Rückkehr in seine Villa auf der Balearen-Insel gewährte Ullrich einen Einblick in sein momentanes Seelenleben und erklärte seine Bereitschaft, eine Therapie machen zu wollen. Ein Ansatz, bei dem ihn sein früherer Weggefährte Armstrong unterstützen möchte.

Armstrong möchte Ullrich mit seinem Leibarzt besuchen

Wie die Bild berichtet, hat der siebenmalige Tour-Sieger, dessen Titel aufgrund Dopings allesamt aberkannt wurden, inzwischen Kontakt mit Ullrichs Anwalt aufgenommen. Wolfgang Hoppe bestätigte dies und nannte Details aus seinem Telefonat mit Armstrong: "Es war ein sehr gutes Gespräch. Lance Armstrong ist sehr an dem Schicksal von Jan interessiert, hat sich ständig informiert. Er sagt, dass die Rad-Community zusammenhalten muss. Aber das Wichtigste sei erst mal, dass Jan sich helfen lassen will." Sobald diese Bereitschaft seitens Ullrich sichergestellt ist, wäre Armstrong laut Hoppe "sofort bereit, sich mit einem Arzt in ein Fluguzeug zu setzen und nach Europa zu kommen".

Mehr zum Ullrich-Drama

Einen direkten Kontakt zwischen den ehemaligen Radsportlern scheint es (noch) nicht gegeben zu haben. Es liegt nun also an Jan Ullrich, den nächsten Schritt zu gehen und zu entscheiden, ob er die Hilfe des US-Amerikaners überhaupt annehmen möchte oder nicht. Grundvoraussetzung für einen gemeinsamen Weg ist aus Armstrong-Sicht offensichtlich der Beginn einer Therapie. Ein Platz in einer Klinik in Deutschland soll bereits gefunden worden sein (Hoppe: "Jan kann dort jederzeit hin").

Wie 2005? Hand in Hand durchs Ziel

Was spricht dafür, dass Ullrich das Angebot von Armstrong annimmt? In erster Linie die Tatsache, dass die zwei in der Vergangenheit Seite an Seite gleichermaßen Höhen und Tiefen erlebten. Zudem hat der US-Amerikaner mehrfach bewiesen, dass er weiß, wie man die Kämpfe des Lebens für sich entscheidet. Er besiegte den Hodenkrebs und erholte sich auch von den Doping-Skandalen, die - ähnlich wie bei Ullrich - mehr noch als die sportlichen Erfolge für alle Ewigkeit mit seinem Namen verbunden sein werden. Auch aufgrund dieser Gemeinsamkeiten ist es nicht ausgeschlossen, dass die zwei wie damals 2005 Hand in Hand durchs Ziel fahren werden ...