09. Oktober 2018 / 20:24 Uhr

Droht Hannover 96 der Lizenzentzug? DFL und Verein stehen im Austausch

Droht Hannover 96 der Lizenzentzug? DFL und Verein stehen im Austausch

Carsten Bergmann und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
96-Präsident Martin Kind.
96-Präsident Martin Kind. © Getty Images
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Riskiert Hannover 96 seine Bundesliga-Lizenz? Eine Satzungsänderung in der Profifußball-Gesellschaft beschäftigt Fans und mittlerweile auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL). 

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Es ist gar nicht leicht, in dem Konstrukt den Überblick zu behalten. Martin Kind strebt mit seinem Ausnahmeantrag für die 50+1- Regel die Mehrheit in der Management GmbH an. Diese Gesellschaft ernennt den Geschäftsführer der Profiabteilung Hannover 96 KGaA und muss laut DFL-Statuten zu 100 Prozent dem Verein gehören. Ein Konstrukt, das die Mitsprache des Stammvereins an der Profisparte garantieren soll.

Choreos, Spruchbänder, Schweigen: Die Proteste bei Hannover 96 in Bildern.

Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. Zur Galerie
Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. ©
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"Wir riskieren nicht die Lizenz"

Nun aber hat Hannover 96 die Befugnisse dieses Geschäftsführers derart beschnitten, dass bei jeder Entscheidung von Tragweite wie Transfers, Budgetplanung von mehr als 150 000 Euro und Vertragsverlängerungen der Aufsichtsrat der KGaA zustimmen muss. In diesem Gremium sitzen wiederum acht Mitglieder, sechs von den Investoren ernannt, zwei vom Verein ohne Stimmrecht. Vereinfacht: Gefällt den Investoren die Arbeit des Geschäftsführers nicht, können sie über ihre Vertreter im Aufsichtsrat unmittelbar eingreifen. Der Geschäftsführer kann nicht uneingeschränkt handeln.

Aber genau das wiederum schreibt die DFL in ihrer Satzung vor – und ist damit Voraussetzung für die Erteilung der Lizenz. Der „Tagesspiegel“ berichtete zuerst über diese Satzungsänderung. „Seitdem steht die DFL mit Hannover 96 im Austausch“, gab der Verband am Dienstag bekannt. Kind sieht die Zukunft allerdings nicht gefährdet. „Wir riskieren nicht die Lizenz. Darüber hinaus werden wir zu gesellschaftsrechtlichen Fragen keine Stellungnahme abgeben“, sagte der 96-Boss.

In der aktuellen Konstellation in den Gesellschaften wirkt sich diese Satzungsänderung, die am 28. September in das Handelsregister eingetragen worden ist, ohnehin nicht aus. Martin Kind ist Vereinspräsident, Geschäftsführer der Management GmbH, Geschäftsführer der KGaA und Hauptinvestor. Er wird also nicht gegen die eigenen Interessen handeln.

Bilder zur Demo der 96-Fans gegen die Übernahmepläne von Martin Kind (Januar 2018):

Bilder zur Demo der 96-Fans gegen die Übernahmepläne von Martin Kind. Zur Galerie
Bilder zur Demo der 96-Fans gegen die Übernahmepläne von Martin Kind. ©
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Aufsichtsräte haben Rückzug angekündigt

Im März jedoch steht Hannover 96 vor einer gewaltigen Zäsur. Kind wird nicht wieder Präsident des Muttervereins, auch die Aufsichtsräte Valentin Schmidt, Michael Beck und Veronika von Lintel haben nach Informationen aus dem Umfeld ihren Rückzug angekündigt. Derweil strebt die Opposition eine außerordentliche Mitgliederversammlung an, um schon vorzeitig den Aufsichtsrat, der den Vorstandsvorsitzenden bestimmt, abzusägen. Nötig sind bei rund 21 000 Vereinsmitgliedern dazu 1050 Unterschriften. Im Umfeld wachsen allerdings Zweifel, ob die Initiative ausreichend mobilisieren konnte.

Dazu kommt: Die IG Pro Verein hat keine Mitgliedslisten, kann also nicht bei den Antragstellern verifizieren, ob es sich tatsächlich um 96-Vereinsmitglieder handelt. Pro Verein will nun auf Einsicht in das Vereinsregister klagen, die Hannover 96 verwehrt. Während die Interessengemeinschaft den Minderheitenschutz einfordert, beruft sich Hannover 96 unter anderem auf den Datenschutz. Ergebnis offen.

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