23. Februar 2021 / 10:25 Uhr

Nach Debakel von Rotterdam: Waspos Nationaltorwart Schenkel nimmt DSV in die Pflicht

Nach Debakel von Rotterdam: Waspos Nationaltorwart Schenkel nimmt DSV in die Pflicht

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
 Nationalkeeper Moritz Schenkel ist enttäuscht vom Auftreten der DSV-Auswahl beim Olympia-Qualifikationsturnier.
Nationalkeeper Moritz Schenkel ist enttäuscht vom Auftreten der DSV-Auswahl beim Olympia-Qualifikationsturnier. © IMAGO/Nordphoto
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Fünf Niederlagen in fünf Spielen: Die Bilanz der Wasserball-Nationalmannschaft beim Olympiaqualifikationsturnier in Rotterdam ist desaströs. Waspo-Keeper Moritz Schenkel fehlte "das Feuer in den Augen". Er sieht den DSV jetzt in der Pflicht zu reagieren, um die Zukunft des Nationalteams zu sichern.

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Bisher hat Moritz Schenkel keine Erklärung gefunden für das Debakel von Rotterdam. Der Wasserballtorwart von Meister Waspo 98 hat mit der DSV-Auswahl alle fünf Partien des Olympiaqualifikationsturniers verloren. Das Nationalteam ist in einem tiefen Wellental, die Spiele in Tokio wurden klar verpasst.

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„Wir hatten ohnehin nur eine Chance von vielleicht zehn, 20 Prozent, das Ticket zu lösen. Aber ich habe kein Feuer in den Augen der Spieler gesehen, so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Schenkel. Er hofft nun, dass der Verband schnell Perspektiven aufzeigt, wie es weitergehen soll. Immerhin muss für Bundestrainer Hagen Stamm ein Nachfolger gefunden werden.

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Waspo-Nationalspieler lassen Zukunft offen

Der 30-jährige Schlussmann will seine Karriere nicht beenden, auch DSV-Kapitän Julian Real (31 Jahre) hat das nicht vor. „Ob ich noch für einen kompletten olympischen Zyklus zur Verfügung stehe, kann ich aber momentan nicht garantieren“, sagt der Keeper. Tobias Preuß, mit 31 Jahren dritter Nationalmannschaftsroutinier, hat noch keine Entscheidung gefällt. „Ich warte erst mal meine Vorgehensweise mit meiner Verletzung ab und dann sehen wir weiter“, so Abwehrspezialist Preuß, der sich mit einer lädierten Schulter plagt und auf das Turnier in Rotterdam verzichtet hatte. Von Waspo fuhr Fynn Schütze (22 Jahre) mit in die Niederlande, zum Kader gehört zudem Niclas Schipper (18). Montenegro, Griechenland und Kroatien mit Waspo-Star Marko Macan lösten in Rotterdam das Ticket für Tokio.

"Alles steht und fällt mit dem Konzept des DSV"

Die deutschen Wasserballer, die zuletzt 2008 bei Olympia dabei waren, müssen nun fürchten, vom DOSB nicht mehr so stark gefördert zu werden. Unabhängig davon sagt Schenkel: „Alles steht und fällt jetzt mit einem Konzept des DSV, es darf kein Vakuum entstehen, es muss schnellstmöglich Gespräche geben.“ Er fände es gut, würden auch drei bis vier Spieler in die Planungen eingebunden. Spannend wird neben den Finanzen die Frage, wer Stamm als Bundestrainer nachfolgen soll.


Schenkels Forderung: Nationalen Nachwuchs besser fördern

Das deutsche Spiel in Rotterdam wirkte kraft- und mutlos, es gab wenig Konter, die Abschlussquote war schlecht, die Abwehr wirkte zu zögerlich. Schenkel will das nicht bewerten, sagt aber: „Wir müssen jeden Stein umdrehen bei der Analyse.“ Ein zentrales Problem hat der Keeper darin ausgemacht, „dass in Deutschland zu wenige junge Spieler oben ankommen. Das müssen wir ändern.“

Sein Vorschlag: die Anzahl der ausländischen Spieler in der Bundesliga mittelfristig zu begrenzen, auf etwa drei pro Partie und Mannschaft. „Darüber muss man zumindest einmal nachdenken. Wir müssen dem Nachwuchs etwas bieten und Wege aufzeigen, um wieder nach oben zu kommen“, sagt Schenkel, „für den Wasserball ist das jetzt eine sehr wichtige Phase.“