19. Juni 2021 / 08:00 Uhr

DTM-Chef Gerhard Berger über den Saisonstart in Monza, das veränderte Reglement und Stars im Fahrerfeld

DTM-Chef Gerhard Berger über den Saisonstart in Monza, das veränderte Reglement und Stars im Fahrerfeld

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DTM-Chef Gerhard Berger spricht im Interview über den Saisonstart in Monza und Frauen im Fahrerfeld.
DTM-Chef Gerhard Berger spricht im Interview über den Saisonstart in Monza und Frauen im Fahrerfeld. © IMAGO/Pakusch/Alexander Trienitz/HochZwei (Montage)
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Am Wochenende startet im italienischen Monza die neue Saison der Deutschen Tourenwagen-Masters. Rennserien-Chef Gerhard Berger spricht im SPORTBUZZER-Interview über die DTM-Rettung, die Herausforderung Corona und Frauen im Fahrerfeld.

Mit den beiden Grands Prix im italienischen Monza an diesem Samstag und Sonntag (jeweils 13.30 Uhr, Sat.1) steigt das Deutsche Tourenwagen-Masters in die neue Saison ein. Im vergangenen Jahr stand die Rennserie, die vom früheren Formel-1-Piloten Gerhard Berger geführt wird, vor dem Aus. Vor dem Saisonauftakt spricht der 61 Jahre alte Österreicher über die DTM-Rettung, das veränderte technische Reglement, die Herausforderung Corona und wichtige Personalien im Fahrerfeld.

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Herr Berger, die DTM ist gerettet – welche Hürde war die höchste, um die Rennserie zu erhalten?

Wir mussten einerseits das Produkt auf die Straße bringen und andererseits auch unser Team zusammenhalten. Das war nicht einfach. Mein Team hat harte Knochenarbeit geleistet. Aber es gibt immer noch einige Hürden, die wir nehmen müssen. Die Pandemie wird uns auch in dieser Saison weiter begleiten. Wegen der Corona-Beschränkungen werden wir das ein oder andere Rennen ohne Zuschauer erleben. Dazu gehört leider auch der Saisonstart in Monza.

Wie sehr hat das 2020 drohende Aus der Serie Sie persönlich getroffen?

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Es war mir wichtig, für den Erhalt der DTM zu kämpfen. Die DTM hat eine fast 40-jährige Historie, eine große Fangemeinde und sie bietet viele Möglichkeiten für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. So eine weltweit anerkannte Plattform, die über Jahre hinweg aufgebaut wurde, lässt man nicht einfach sterben.

Mehrere neue Teams steigen 2021 in die DTM ein und ergänzen das Hersteller-Portfolio, das zuletzt nur aus Audi und BMW bestand. Wie bewerten Sie das?

Die Markenvielfalt ist ein wichtiges Asset, das wir den Fans bis jetzt nicht bieten konnten. Wir haben legendäre Sportwagenmarken wie Ferrari, Lamborghini, McLaren, aber auch Premiummarken im Tourenwagenbereich wie Audi, BMW, Mercedes-AMG. Die Autos unterscheiden sich, zudem klingt jedes anders – es gibt Vier-, Sechs-, Acht- und Zehnzylindermotoren. Man sieht Autos mit Mittelmotor, Frontmotor oder Heckmotor. Jeder hat die Chance, besser zu sein als der andere – der Fahrer ist das Zünglein an der Waage. Das ist sportlicher Wettbewerb, wie ich ihn mir wünsche. Und ich freue mich sehr, dass wir Red Bull und Ferrari für eine Zusammenarbeit in der DTM gewinnen konnten. Die Formel-1-Gegner kämpfen in der DTM gemeinsam gegen Mercedes. Das ist wirklich einmalig!

Berger über Frauen im Motorsport: "Gut und wichtig"

Sophia Flörsch ist seit 2012 die erste Frau in der DTM. Was trauen Sie ihr zu?

Ich finde es gut und wichtig, wenn Frauen im Motorsport, der nach wie vor eine Männerdomäne ist, eine Chance bekommen. In der Vergangenheit gab es immer wieder erfolgreiche Pilotinnen in der DTM wie zum Beispiel Ellen Lohr oder Susi Wolff. Sophia Flörsch wird sich Stück für Stück nach vorne arbeiten. Sie ist aber nicht die einzige Frau in diesem Jahr. Mit Esmee Hawkey hat sie eine direkte Konkurrentin in der Serie. Das wird sicherlich ein spannender Wettbewerb für sich.

Titelverteidiger René Rast hat die DTM verlassen – ein schwerer Verlust?

Ja. Als Meister hätte ich René Rast natürlich gerne in der DTM gesehen. Nun bleibt er uns erst mal als TV-Experte bei Sat.1 erhalten. Er ist dann für die Zukunft in den Startlöchern.

Welchen Piloten trauen Sie ansonsten eine gute Rolle zu?

Ich habe auch nach den Testfahrten keinen Favoriten. Das Fahrerfeld ist eine gute Mischung, die Spannung und Überraschungen garantiert. Es sind DTM-Champions am Start, GT-Profis, Formel-1-Fahrer und junge Talente, die in die Formel 1 wollen.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in der DTM?


Eine große, denn wenn wir den Motorsport in die Zukunft führen wollen, müssen wir uns intensiv damit auseinandersetzen. Früher waren Nachhaltigkeit und Motorsport zwei Gegensätze. Heute ist der Motorsport zur Nachhaltigkeit verpflichtet. Aber sie muss ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. Wir müssen den kompletten CO2-Fußabdruck auf und neben der Rennstrecke reduzieren. Das betrifft alle Bereiche – von der Logistik über das Catering bis hin zu den Besuchern. Das ist eine Herkulesaufgabe.

Die Saison wird in Monza eröffnet – was verbinden Sie mit der Strecke gerade aufgrund Ihrer Vergangenheit als Ferrari-Pilot in der Formel 1?

Mit Monza verbinde ich viele schöne Erinnerungen. Mein Formel-1-Sieg 1988 wird immer etwas ganz Besonderes bleiben – es war der erste Grand Prix nach dem Tod von Enzo Ferrari. Aber auch der Sieg von Sebastian Vettel 2008 während meiner Zeit bei Toro Rosso weckt viele schöne Erinnerungen.

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