13. Juni 2020 / 08:00 Uhr

Düsseldorf-Trainer Uwe Rösler über den Abstiegskampf, BVB-Star Erling Haaland und dessen Entwicklung

Düsseldorf-Trainer Uwe Rösler über den Abstiegskampf, BVB-Star Erling Haaland und dessen Entwicklung

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Düsseldorf-Trainer Uwe Rösler zeigt sich im SPORTBUZZER-Interview von BVB-Stürmer Erling Haaland beeindruckt.
Düsseldorf-Trainer Uwe Rösler zeigt sich im SPORTBUZZER-Interview von BVB-Stürmer Erling Haaland beeindruckt. © imago images/Poolfoto/Koepsel/Witters/Pool
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Fortuna-Düsseldorf-Coach Uwe Rösler spricht im SPORTBUZZER-Interview vor dem Duell mit Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr) über die Gründe für seine Hoffnung auf den Klassenerhalt und BVB-Stürmer Erling Haaland, dessen Entwicklung er schon seit längerem verfolgt.

SPORTBUZZER: Herr Rösler, Fortuna empfängt den BVB: Wie bereitet man sich auf einen Gegner vor, gegen den man im Hinspiel beim 0:5 chancenlos war?

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Uwe Rösler (51): Ich wollte zunächst sehen, wie meine Mannschaft das Hoffenheim-Spiel verarbeitet hat, als wir trotz Überzahl der TSG für drei Fehler zweimal brutal bestraft worden sind. Schon am Sonntag im Gespräch und besonders ab Dienstag im Training aber haben sich die Spieler so motiviert und kämpferisch präsentiert, wie ich es nach einer solchen Partie bisher nur selten erlebt habe. Das gibt auch mir als Trainer unheimlich viel Energie.

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Motivation und Kampfgeist, reicht das gegen ein so starkes Team?


Die Daten zeigen, dass sich meine Mannschaft in fast allen relevanten Kategorien deutlich verbessert hat, seitdem wir zusammenarbeiten. Bloß haben wir uns für diese gute Arbeit noch nicht in dem Maße belohnt, wie es vielleicht möglich gewesen wäre. Jetzt müssen wir unser Glück auch einmal zwingen, und warum soll das nicht gegen Dortmund gelingen?! Ich habe die Jungs daran erinnert, dass ihnen letzte Saison Ähnliches gelungen ist, als sie den damaligen Tabellenführer BVB mit 2:1 besiegen konnten.

Rösler: "Wenn Haaland erst einmal ins Laufen kommt, ist er kaum noch zu stoppen"

Von elf Spielen wurden nur zwei verloren, allerdings auch nur zwei gewonnen. Woher kommt das?

Für mich ist das Glas immer halb voll, nie halb leer. Anders geht es auch gar nicht in unserer Situation. Als ich hier im Januar angefangen habe, war Fortuna Tabellenletzter. Seitdem konnten uns nur zwei Teams schlagen, Bayern und Mönchengladbach. Natürlich wäre es hilfreich gewesen, wenn von diesen sieben Spielen, in denen wir sechsmal die bessere Mannschaft waren, zwei, drei mit einem Sieg geendet hätten.

Wie wollen Sie BVB-Stürmer Erling Haaland, der genesen ist, stoppen?

Wenn Haaland erst einmal ins Laufen kommt, ist er kaum noch zu stoppen. Für uns wird es darum gehen, bereits die vertikalen Anspiele zu unterbinden. Immer wird uns das aber nicht gelingen. Also müssen wir uns auch in der Box, in die uns Dortmund wohl zwangsläufig häufiger reindrücken wird, so clever wie möglich verhalten.

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"Riesenunterschied" zwischen 2. Liga in England und der Bundesliga

Sie sind ein Kenner auch des norwegischen Fußballs. Haben Sie Haaland schon dort wahrgenommen?

Ich habe seine Entwicklung tatsächlich gut verfolgen können, weil mein Sohn Colin mit ihm ab der norwegischen U16-Nationalmannschaft zusammengespielt hat. Zudem war meine erste Partie als Trainer von Malmö ein Test gegen Molde, Haalands damaligen Verein.

War seine Entwicklung abzusehen?

Man konnte bereits ahnen, dass er ein ganz besonderer Spieler werden würde. Allerdings ist er damals in kurzer Zeit sehr gewachsen, und das hatte Auswirkungen auf die Koordination. An seine neue Größe musste er sich erst gewöhnen. Ein starkes Selbstbewusstsein aber hatte er schon immer. Und das braucht man auch, wenn man ein Topstürmer werden will. Haaland ist schon jetzt einer, und ihm steht die Fußball-Welt offen.

Sie haben auch in England als Trainer gearbeitet, unter anderem in der 2. Liga, der Championship. Wie unterscheidet sich der Fußball dort von dem in der Bundesliga?

Das ist ein Riesenunterschied, in der Qualität der Spieler und damit in Sachen Intensität und Dynamik. Der Fußball in der Bundesliga ist auch taktisch viel variabler. Hier gibt es nicht wenige Trainer, die im Laufe eines Spiels ein-, zweimal das System ändern, ohne damit ihre Spieler zu verwirren. In der Championship wäre das so nicht möglich. Möchte man dort im Laufe eines Spiels etwas ändern, ist die einzige Möglichkeit eine Auswechslung. Zudem kann man sich in der Championship auch mal den einen oder anderen Fehler erlauben, während die Teams hier das Umschaltspiel so perfekt beherrschen, dass nahezu jeder Fehler Folgen hat.

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Uwe Rösler: "Sehe Manchester heute als meine spirituelle Heimat"

Was raten Sie den Engländern für den bevorstehenden Restart?

Ich denke, dass man in Deutschland mit dem Restart etwas auf die Beine gestellt hat, das einzigartig ist. Selbst ich als Risikopatient fühle mich in diesem System völlig sicher. Jedes Land aber hat andere Voraussetzungen, das fängt meist schon beim Gesundheitssystem an. Deshalb möchte ich nicht oberlehrerhaft irgendwelche Ratschläge geben, sondern wünsche den Engländern einfach nur, dass sie es ähnlich gut hinbekommen, wie uns das gelungen ist.

Ihre Verbindung nach England, insbesondere nach Manchester, ist nach wie vor sehr eng …

Ich hatte als Spieler bei Manchester City eine wunderschöne Zeit. City war damals ein ganz anderer Verein als heute, eher eine lokale Größe, während man heute mit einem der besten Trainer der Welt und mit vielen hervorragenden Spielern um die Champions-League-Trophäe kämpft. Der Kontakt ist nie abgebrochen, und während meiner Erkrankung hat sich der Verein rührend um meine Familie und mich gekümmert. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit und sehe Manchester heute als meine spirituelle Heimat.