21. Juli 2020 / 19:32 Uhr

Sportanwalt Christoph Schickhardt über Abstiegsprotest von Dynamo Dresden: "Hundertprozentig legitim"

Sportanwalt Christoph Schickhardt über Abstiegsprotest von Dynamo Dresden: "Hundertprozentig legitim"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sportanwalt Christoph Schickhardt hält die Ansätze von Dynamo Dresden beim Protest gegen den Zweitliga-Abstieg für plausibel.
Sportanwalt Christoph Schickhardt hält die Ansätze von Dynamo Dresden beim Protest gegen den Zweitliga-Abstieg für plausibel. © imago images (2) / Pressefoto Baumann
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Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden kämpft nachträglich um den Klassenerhalt. Sportanwalt Christoph Schickhardt hält die Ansätze zwar für plausibel und eine Aufstockung der 2. Liga auf 20 Teams theoretisch für möglich – zu möglichen Chancen des Protests möchte er sich jedoch nicht äußern.

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Dynamo Dresden wehrt sich. Obwohl der Klub sportlich abgestiegen ist, will der Tabellenletzte der 2. Bundesliga den Gang in die 3. Liga nicht antreten. Zumindest nicht, ohne alles Erdenkliche probiert zu haben. In Dresden fühlen sie sich aufgrund der Rahmenbedingungen des in der Corona-Krise fortgesetzten Wettbewerbs benachteiligt, und sind deshalb bereits in Kontakt mit der Deutschen Fußball-Liga getreten.

Ob bei dem Vorhaben tatsächlich eine realistische Aussicht auf Erfolg bestehen könnte, dazu möchte sich der Sportanwalt Christoph Schickhardt nicht konkret äußern, das wäre ein zu großer Eingriff in Dresdner Sphären, meint er. Sehr wohl aber bezeichnet der 65-Jährige den Protest des Zweitliga-Absteigers als "hundertprozentig legitim“.

Dynamo fühlt sich benachteiligt, da die Mannschaft aufgrund von mehreren Coronavirus-Fällen zunächst in Quarantäne geschickt worden war und anschließend neun Spiele in 28 Tagen zu absolvieren hatte. Wettbewerbsverzerrung, so der Vorwurf aus Dresden.

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Dagegen will der Klub nun nachträglich vorgehen, nachdem man etwaige Schritte bereits vor Saisonende angekündigt hatte. Eine Aufstockung der Teams in der 2. Bundesliga von 18 auf 20 Teams wird als die von den Dresdnern geforderte Lösung gehandelt. Demnach würde auch der Tabellenvorletzte SV Wehen Wiesbaden nicht in die 3. Liga absteigen. Noch lägen laut DFL von Dynamo-Seite weder Anträge noch Vorschläge auf dem Tisch.

Schickhardt: "Holprigkeiten und Ungerechtigkeiten waren allen Beteiligten klar"

Laut Schickhardt "erscheinen die Ansätze von Dynamo Dresden aus einer Gesamtbetrachtung jedoch durchaus plausibel – womit ich nicht sagen will, dass sie rechtlich fundiert und begründet sind.“ Der Sportanwalt verweist dabei auf die "großartige Leistung der DFL, dass die 1. und 2. Bundesliga zu Ende gespielt werden konnten“ und darauf, dass andernfalls auch Dynamo Dresden – wie alle anderen Vereine auch – "vor dem Nichts gestanden hätte".

Dass die Fortsetzung des Spielbetriebs somit zu "Holprigkeiten, Ungereimtheiten und auch Ungerechtigkeiten führen konnte, war allen Beteiligten klar". Schon beim Wiederanpfiff der Partien nach der Corona-Zwangspause forderte Schickhardt, dass man sich am Saisonende zusammensetzen müsse, "um etwaige Wettbewerbsverzerrungen fair zu bewerten und Konsequenzen daraus ziehen zu können".

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Der Kader von Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader von Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. ©

Aufstockung auf 20 Teams in 2. Bundesliga möglich

Rechtlich sei eine Aufstockung der 2. Bundesliga auf 20 Teams jedenfalls unproblematisch, da die zweithöchste Profiliga eine Selbstverwaltung ist und "die Klubs im Rahmen ihrer Verbandsautonomie vereinbaren können, was sie wollen – wenn es plausibel und gerecht ist“, erklärt Schickhardt. Dass sich der Absteiger mit einer finanziellen Entschädigung zufrieden geben würde, glaubt er nicht: "Es geht schon darum, in der Liga zu bleiben.“

Zumal der Anwalt den Fall auch historisch betrachtet. Dynamo Dresden sei der einzige Verein aus alten DDR-Zeiten, der sich "mit einer gewissen Stabilität und trotz aller Schwierigkeiten in den letzten 30 Jahren“ im Lizenzfußball behauptet habe. "Die großen Vereine haben sich nach der Wende nicht immer fair gegenüber Dresden verhalten“, meint Schickhardt. Und weiter: "Insgesamt gehört Dresden mit dem Traditionsverein, aus dem Ulf Kirsten und Matthias Sammer stammen, in den Lizenzfußball. Und jetzt kriegen die noch mal einen auf die Rübe. Es besteht ein Gefühl, dass man Dynamo Dresden helfen sollte."