28. Februar 2020 / 20:26 Uhr

Dynamo Dresden bricht den Auswärtsfluch: 2:1-Sieg bei Jahn Regensburg

Dynamo Dresden bricht den Auswärtsfluch: 2:1-Sieg bei Jahn Regensburg

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
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Da ist er, der erste Auswärtssieg der Saison! Simon Makienok sorgt mit seinem Treffer zum 1:2 für den lang ersehnten Auswärtsdreier bei Jahn Regensburg. © dpa
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Auswärtssieg! Dynamo Dresden dreht das Spiel bei Jahn Regensburg und geht erstmals in dieser Saison auswärts als Sieger vom Platz.

Regensburg/Dresden. Der Bann ist gebrochen. Dynamo Dresden hat durch ein 2:1 (0:0) über Jahn Regensburg den ersten Auswärtssieg dieser Saison in der 2. Fußball-Bundesliga gefeiert. Vor 11309 Zuschauern in der Arena Regensburg drehten nach einer schwachen ersten Halbzeit der SGD die Stürmer-Neuzugänge Patrick Schmidt (70.) und Simon Makienok (77.) am Freitagabend die gegnerische Führung durch den eingewechselten Erik Wekesser (63.). Dennoch bleibt Dynamo Tabellenschlusslicht, robbt sich aber mit nunmehr 21 Zählern bis auf einen Punkt an den Vorletzten SV Wehen Wiesbaden heran, der am Sonntag vor einer schweren Aufgabe bei Spitzenreiter Arminia Bielefeld steht.

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Auswärtssieg bei Jahn Regensburg! Dynamo Dresden dreht das Spiel beim Jahn und feiert mit dem 1:2 den ersten Auswärtssieg in dieser Saison. Zur Galerie
Auswärtssieg bei Jahn Regensburg! Dynamo Dresden dreht das Spiel beim Jahn und feiert mit dem 1:2 den ersten Auswärtssieg in dieser Saison. © dpa

Wer dachte, die Schwarz-Gelben könnten ausgerechnet 333 Tage nach ihrem letzten Dreier auf fremdem Platz, dem 3:1 bei Erzgebirge Aue am 1. April 2019, endlich ihren Auswärtsfluch besiegen, lag diesmal goldrichtig. Und so sind die Sachsen nicht länger die einzige Mannschaft der obersten drei Ligen ohne Saisonerfolg als Gast. Die jüngsten drei Partien in der Oberpfalz hatte die SGD übrigens auch allesamt gewonnen, darunter auch ein 3:2-Auswärtssieg auf den Tag genau fünf Jahre zuvor am 28. Februar 2015. Dies erwies sich vielleicht als gutes Omen.

Gefährliche Oberpfälzer

SGD-Trainer Markus Kauczinski, für den es der erste Sieg in Regensburg war, veränderte seine Anfangsformation im Vergleich zur schmerzhaften 1:2-Heimniederlage gegen den VfL Bochum aus der Vorwoche gleich auf fünf Positionen. Dabei krempelte er die komplette Offensive um. Die vier Winterneuzugänge Godsway Donyoh, der sein Pflichtspieldebüt für Dynamo gab, Josef Husbauer, Patrick Schmidt und Simon Makienok, der nach seiner Rotsperre wieder einsatzbereit war, begannen für den verletzten Marco Terrazzino (Muskelfaserriss), Sascha Horvath und Alexander Jeremejeff, die beide auf der Bank Platz nahmen, sowie für Patrick Ebert. Der Routinier stand ebenso wie Baris Atik überraschenderweise nicht im Kader. Außerdem ersetzte Dzenis Burnic im defensiven Mittelfeld den tschechischen Neuzugang Ondrej Petrak.

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(1) Kevin Broll: In der 10. Minute muss er erstmals einen gefährlichen Abschluss der Gastgeber parieren, da die Dynamo-Abwehr trotz Überzahl nicht klären kann und Andreas Albers so zum Torschuss kommt. In der 14. Minute pariert er einen Kopfball von Seydel, eine Minute später den erneuten Abschluss von Albers. Starke Parade bei einem Schuss in der 25. Minute gegen Benedikt Saller, der es aus der Distanz versucht. Im zweiten Durchgang wie gehabt immer wieder unter Beschuss, in der 48. Minute muss er erstmals zupacken. Beim 0:1 durch Wekesser in der 62. Minute kann er nicht viel machen. Note: 2,5 Zur Galerie
(1) Kevin Broll: In der 10. Minute muss er erstmals einen gefährlichen Abschluss der Gastgeber parieren, da die Dynamo-Abwehr trotz Überzahl nicht klären kann und Andreas Albers so zum Torschuss kommt. In der 14. Minute pariert er einen Kopfball von Seydel, eine Minute später den erneuten Abschluss von Albers. Starke Parade bei einem Schuss in der 25. Minute gegen Benedikt Saller, der es aus der Distanz versucht. Im zweiten Durchgang wie gehabt immer wieder unter Beschuss, in der 48. Minute muss er erstmals zupacken. Beim 0:1 durch Wekesser in der 62. Minute kann er nicht viel machen. Note: 2,5 ©

Die Partie begann mit zwei Kopfballchancen, die beide etwas zu hoch angesetzt waren. Zunächst versuchte es Regensburgs Aaron Seydel (3.), eine Minute später auf der anderen Seite probierte es Dynamos Däne Simon Makienok, der erstmals in der Dresdner Startelf stand, nach einer präzisen Flanke von Linus Wahlqvist. Dann jedoch wurden die Oberpfälzer gefährlicher. Andreas Albers hatte in der 10. Minute das 1:0 auf dem Fuß, scheiterte aus spitzem Winkel aber an Kevin Broll, der die kurze Ecke gut zugemacht hatte. Drei Minuten später musste Dresdens Torwart nach einem Freistoß erneut zupacken, hatte bei Seydels zu zentral geratenem Kopfball-Abschluss aber wenig Mühe.

Jahn macht weiter Druck

In der anschließenden Vorwärtsbewegung war der Ball auch schnell wieder weg und die nächste Welle rollte auf Broll zu. Jann Georges feiner Pass durch die Gasse kam bei Albers an, der flinker als die schwarz-gelben Innenverteidiger Jannis Nikolaou und Florian Ballas war, aber beim Abschluss den Ball nicht optimal traf. Wieder hielt Schlussmann Broll die Null fest (14.). Dann endlich auch der erste Dresdner Torschuss: Patrick Schmidt kam über rechts, zog in die Mitte, rutschte aber beim Schuss weg. Das bereitete Alexander Meyer, dem Keeper der Donaustädter, keine Probleme (15.).

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Markus Kauczinski (Trainer SG Dynamo Dresden):
 In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt, wir haben uns etwas anderes vorgenommen. Wir waren in Ballbesitz zu verhalten, haben die Bälle zu leicht verloren. So haben wir wieder Druck bekommen, der Gegner hatte Möglichkeiten. Da sind brenzlige Situationen entstanden. Aber wir hatten da schon Räume, hatten Situationen, wo wir hätten gefährlich in die Tiefe spielen können. In der zweiten Halbzeit wollten wir den offenen Schlagabtausch suchen, Dzenis Burnic sollte schon in der ersten Halbzeit etwas offensiver agieren. Er sollte immer wieder nachstoßen. Wir hatten dann auch eine gute Chance durch Burnic, kriegen aber das Tor. Aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen und dann durch eine gute Aktion, eine schöne Hereingabe das Tor durch Simon Makienok gemacht. Zur Galerie
Markus Kauczinski (Trainer SG Dynamo Dresden): "In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt, wir haben uns etwas anderes vorgenommen. Wir waren in Ballbesitz zu verhalten, haben die Bälle zu leicht verloren. So haben wir wieder Druck bekommen, der Gegner hatte Möglichkeiten. Da sind brenzlige Situationen entstanden. Aber wir hatten da schon Räume, hatten Situationen, wo wir hätten gefährlich in die Tiefe spielen können. In der zweiten Halbzeit wollten wir den offenen Schlagabtausch suchen, Dzenis Burnic sollte schon in der ersten Halbzeit etwas offensiver agieren. Er sollte immer wieder nachstoßen. Wir hatten dann auch eine gute Chance durch Burnic, kriegen aber das Tor. Aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen und dann durch eine gute Aktion, eine schöne Hereingabe das Tor durch Simon Makienok gemacht." ©

Die Anfangsviertelstunde gehörte klar dem SSV Jahn, der dann aber einen Rückschlag erlitt und verletzungsbedingt früh wechseln musste. Erik Wekesser kam für Aaron Seydel, der wegen muskulärer Probleme vom Platz musste (22.). Regensburgs Offensivspiel tat der Stürmerwechsel keinen Abbruch: Nach einem Abwehrfehler zog Benedikt Saller einfach mal aus vollem Lauf ab – wieder hielt Broll (24.). Die Gastgeber spielten weiter effektiv und blitzschnell nach vorn. Auch bei Wekessers scharfer Hereingabe für Kapitän Marco Grüttner war Broll auf dem Posten (31.).


Wechsel zur Pause

Spätestens nach einer halben Stunde war es aus Sicht der Gäste aus Sachsen einfach nur glücklich, dass sie noch kein Gegentor kassiert hatten. Ihre Offensive war einfach zu harmlos, das Aufbauspiel mangelhaft und zweite Bälle gingen auch zu oft verloren. Exemplarisch war eine zunächst vielversprechende Dresdner Kontersituation, die jedoch mit einem schwachen Pass von Linus Wahlqvist in die Beine der gegnerischen Abwehr ein jähes Ende fand (36.). Beim direkten Konter verpasste Albers eine weitere Wekesser-Hereingabe nur knapp. So rettete sich Dynamo mit einem sehr schmeichelhaften 0:0 in die Pause.

Für den zweiten Durchgang brachte Trainer Markus Kauczinski dann Ondrej Petrak für René Klingenburg (46.). Auf dem Platz bot sich aber auch in Halbzeit zwei zunächst das gleiche Bild. Regensburg spielte munter nach vorn und Dynamo wehrte mal mit Kampf, mal mit Glück die Bälle ab. Das war bis dahin meist mut- und ideenlos – und kaum zweitligatauglich. Dann aber näherten sich auch die Gäste mal ans gegnerische Tor an. Patrick Schmidts Schuss (51.) ging noch in die Wolken, doch dann dribbelte sich Dzenis Burnic in Regensburgs Strafraum, scheiterte aber aus Nahdistanz an Alexander Meyer, der den Winkel geschickt verkürzt hatte (55.). Kurz danach setzte auch Husbauer seinen Versuch etwas zu hoch an (56.).

Regensburgs Joker sticht

Zwar musste man auch hinten weiter auf der Hut sein, als Nikolaou einen schönen Schlenzer von Wekesser per Kopf noch neben den langen Pfosten ablenkte (58.). Vorn hatte dafür Patrick Schmidt die nächste Großchance für die Schwarz-Gelben, als bei einem Burnic-Pass Regensburgs Abseitsfalle nicht zuschnappte. Schmidt aber entschied sich frei vor Meyer statt für den Abschluss aber noch fürs Abspiel auf Makienok, der den Ball verpasste (61.). Dynamo war nach einer gespielten Stunde eigentlich drin in der Partie, hatte sich nach der erneut indiskutablen ersten Halbzeit etwas gefangen.

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Genau jetzt kam aber der Nackenschlag. Okorojis abgefälschte Flanke rutschte zu Kapitän Florian Ballas durch, der etwas überrascht den Ball nicht rigoros wegdrischt, sondern genau auf Wekessers Fuß serviert. Der eingewechselte Jahn-Stürmer bedankte sich und schoss gegen den diesmal machtlosen Broll zum 1:0 ein (63.). Es war im vierten Zweitliga-Heimduell der Regensburger gegen Dynamo der erste Torerfolg. Für die Dresdner kam dies allerdings zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, doch sie ließen sich diesmal nicht lange beirren und holten zum Gegenangriff aus.

Makienoks Schuss ins Glück

Und der glückte: Brian Hamalainen setzte sich mal auf der linken Seite durch und spielte den Ball flach und scharf nach innen, wo Patrick Schmidt mit seinem Stürmerinstinkt den entscheidenden Tick eher an den Ball kam und aus etwa zehn Metern zum Ausgleich traf (77.). Wieder ein irgendwie historischer Treffer, denn es war Dynamos erstes Auswärtstor seit dem 23. November 2019, als Niklas Kreuzer damals noch unter Trainer Cristian Fiel beim Hamburger SV eingenetzt hatte. Nun hatten die Dresdner natürlich Oberwasser und die miese Chancenverwertung der Regensburger aus Halbzeit eins sollte sich noch weiter rächen.

Denn weitere sieben Minuten später hatte Dynamo das Spiel gedreht: Donyohs Hereingabe von links konnten Correia und Nachreiner gemeinsam nicht abwehren, weil Patrick Schmidt sie voll unter Druck setzte. Nutznießer war Simon Makienok, der den Ball unter die Latte drosch – 1:2 (77.) und Riesenjubel bei den Dresdner Fans! Kauczinski reagierte, brachte Chris Löwe für den platten Donyoh (80.) und Marco Hartmann für Dzenis Burnic (89.). Hinten hatte sich Dynamo auch dadurch stabilisiert und brachte auch vier Minuten Nachspielzeit über die Runden. Das war ein ganz wichtiger Sieg nach stark verbesserter zweiter Halbzeit für die SGD – und ein starkes Signal im Abstiegskampf.