08. Oktober 2020 / 10:38 Uhr

Dynamo Dresden: "Elb-Clásico" kann Lage von Erzfeind Magdeburg verschärfen

Dynamo Dresden: "Elb-Clásico" kann Lage von Erzfeind Magdeburg verschärfen

Frank Kastner
Leipziger Volkszeitung
Dresden-Magdeburg
Das letzte Mal trafen beide Teams im März 2019 in der zweiten Bundesliga aufeinander. © Matthias Rietschel
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Dynamo Dresden gegen FC Magdeburg ist für viele Fans mehr als nur Fußball. Die beiden Traditionsvereine waren in der ehemaligen DDR extrem erfolgreich - und stürzten dann ab. Nach zwei Zweitliga-Duellen trifft man sich - unter den eigenen Ansprüchen - in Liga drei wieder.

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Dresden/Magdeburg. Der "Elb-Clásico" zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Magdeburg ist in der Regel ein Hochsicherheitsspiel. Auch wenn die Gästefans aus Sachsen-Anhalt an diesem Samstag (14.00 Uhr/MDR und MagentaSport) keinen Zugang ins Rudolf-Harbig-Stadion haben, ist genug Brisanz in diesem Traditionsduell. Mit nur einem Pünktchen aus drei Drittliga-Partien ist der einzige DDR-Europapokalsieger (1974) angezählt.

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Minge wurde mit abgeführt

Dynamo selbst darf sich nach der 0:3-Schlappe beim Titelverteidiger FC Bayern II keinen weiteren Ausrutscher leisten, wenn der Kurs auf Wiederaufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga gehalten werden soll. Die letzten drei Duelle gingen alle unentschieden aus, der bislang letzte Dynamo-Erfolg (3:2) gelang am 31. Oktober 2015 in Liga drei.

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Keine Chance an der Grünwalder Straße: Dynamo Dresden kommt beim Drittligameister FC Bayern München II mit 0:3 unter die Räder. Zur Galerie
Keine Chance an der Grünwalder Straße: Dynamo Dresden kommt beim Drittligameister FC Bayern München II mit 0:3 unter die Räder. ©

Unvergessen bleibt eine Szene im April 2016: Nach dem 2:2-Ausgleich durch Justin Eilers, der am Ende den Aufstieg in Liga zwei bedeutete, hatten Dynamo-Anhänger Leuchtraketen in den benachbarten Magdeburger Block geschossen. Als daraufhin die provozierten FCM-Fans eine Absperrung durchbrachen und Polizei aufmarschierte, musste Referee Manuel Gräfe die Partie unterbrechen.

Dresdens damaliger Sportchef Ralf Minge versuchte wie einige Dynamo-Spieler zu schlichten. Doch Minge, der an jenem Nachmittag in löchriger Jeansjacke und mit Dynamo-Kapuzenpullover selbst aussah wie ein Fan, wurde von Magdeburger Sicherheitskräften versehentlich abgeführt. In Erinnerung dessen trugen bei Minges Abschied in diesem Sommer alle Dynamo-Spieler eine Jeansjacke mit seinem Konterfei und der Aufschrift: "Danke für alles Mingus!"

Kaum ein Duell elektrisierte in DDR mehr

Am Rande der damaligen Partie vor 21.954 Zuschauern in der MDCC-Arena kam es zu Ausschreitungen zwischen Dresdner Fans und der Polizei, weil 700 der 2000 Dynamo-Anhänger wegen ihrer "aggressiven Grundstimmung" damals nicht ins Stadion gelassen wurden.

Die Rivalität beider DDR-Clubs begründet sich vor allem mit der ruhmreichen Historie. Kaum ein anderes Duell elektrisierte Fußball-Fans zu Zeiten der ehemaligen DDR mehr wie dieses. Zwischen 1971 und 1978 machten die beiden Clubs die Meisterschaft unter sich aus. Am Ende reichte es für den FCM zu drei Titeln und drei FDGB-Pokalsiegen.

Dresden feierte fünf DDR-Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Gleich zweimal (1974 und 1975) krönte sich Magdeburg in Dresden zum Meister, Dresden (1977) gelang das an der Börde nur einmal. Einen weiteren Höhepunkt zwischen beiden bot das Pokalfinale 1978 auf neutralem Boden, dass der FCM mit 1:0 für sich entschied.

Stefaniak bei letztem Drittligasieg dabei

Nach der politische Wende stürzte der 1. FC Magdeburg in die Bedeutungslosigkeit und musste 2002 nach einer Insolvenz aus der Regionalliga zwangsabsteigen, ehe mit einem Neuaufbau erst 2018 mit Trainer Jens Härtel der Sprung in die 2. Bundesliga gelang. Dynamo dagegen stürmte 1991 in die Bundesliga und wurde erst 1995 wegen einer Lizenzverweigerung in die Regionalliga zurückgestuft. Seit 2016 pendelt der Club zwischen zweiter und dritter Liga. Dynamo beansprucht in seinem Leitbild: "Wir sind die Nummer eins im Osten".

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Beim letzten Drittliga-Heimspiel gegen den FCM 2015 war bis auf den Gästeblock das komplette Dynamo-Stadion mit einer 450 Meter langen, Blockfahne eingehüllt. "Die Legende aus Elbflorenz – der Verein mit den besten Fans", stand darauf. Es war die größte Blockfahne, die es bei einem Fußballspiel in Europa jemals gegeben hat.

Nun trifft man sich in Liga drei wieder. Dynamo-Rückkehrer Marvin Stefaniak war beim letzten Drittligasieg vor fünf Jahren dabei. Der Mittelfeldspieler kehrte an diesem Montag in die sächsische Elbestadt zurück. Er kennt die Gesetze beim ewigen Duell: "Wir müssen es ziehen. Derby ist Derby, also alles reinhauen. Ich werde die Jungs pushen", sagte er der Sächsischen Zeitung.