12. November 2020 / 20:40 Uhr

Dynamo Dresden erwartet geballte Offensivpower aus Giesing

Dynamo Dresden erwartet geballte Offensivpower aus Giesing

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Im letzten Vergleich beider Traditionsvereine am 5. Mai 2017 in Dresden verlor Dynamo gegen 1860 München mit 1:2. Dresdens Torschütze Marco Hartmann rutscht hier Münchens Romuald Lacazette in den Lauf. Von rechts hinten schaut Akaki Gogia zu.
Im letzten Vergleich beider Traditionsvereine am 5. Mai 2017 in Dresden verlor Dynamo gegen 1860 München mit 1:2. Dresdens Torschütze Marco Hartmann rutscht hier Münchens Romuald Lacazette in den Lauf. Von rechts hinten schaut Akaki Gogia zu. © Foto: Picture alliance/Thomas Eisenhuth
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Für die SG Dynamo Dresden wird es eine Herausforderung den fünften Saisonsieg am Sonntag einzufahren. Mit dem TSV 1860 München kommt das derzeit treffsicherste und zugleich auswärtsstärkste Team der 3. Fußball-Liga nach Elbflorenz.

Dresden. Am Sonntag kann Dynamo Dresden in seinem leider schon 200. Drittliga-Spiel beweisen, dass der Verein eigentlich nicht in diese Liga gehört. Wenn es ab 14 Uhr im gähnend leeren Harbig-Stadion gegen den TSV 1860 München geht, dann muss die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski den fünften Saisonsieg einfahren, will man den Kontakt zum oberen Tabellendrittel und die Hoffnung auf sofortige Rückkehr in die 2. Bundesliga nicht frühzeitig verlieren. Gegen den Tabellenzweiten können die Schwarz-Gelben nachweisen, dass sie auch ein Spitzenteam schlagen können. Eines, das die selben Aufstiegsambitionen hegt wie man selbst, sie aber bisher besser untermauern konnte. Eines, das auch einen großen Umbruch hinter sich hat.

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6:1 gegen Halle beflügelt die Münchner

Fünf Siege und zwei Unentschieden gelangen der Truppe von Trainer Michael Köllner bislang, obwohl sich die Münchner im Sommer wie Dynamo zu großen Teilen neu aufgestellt haben. „Von 17 auslaufenden Verträgen haben wir lediglich einen verlängert und vielen jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs die Chance gegeben, bei uns im Profitraining Fuß zu fassen“, erklärte Köllner im September. Zu Saisonbeginn war der 50-Jährige, der nach seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg nun seit einem Jahr bei den Sechzgern arbeitet, noch zurückhaltend mit der Formulierung eines Saisonziels. Er sprach damals nur von „Entwicklung“, aber dank des guten Starts wird sich auch der Oberpfälzer nun mehr ausrechnen.

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Und nach dem 6:1-Kantersieg am vergangenen Wochenende gegen den Halleschen FC fühlen sich die „Löwen“ noch angriffslustiger als je zuvor. Die Truppe um den 35 Jahre alten Ex-Bundesligaprofi Sascha Mölders ist das derzeit offensivstärkste Team der Liga. Es hat schon 20 Tore geschossen, Kapitän Mölders (103 Erstliga-Einsätze für den FC Augsburg und den MSV Duisburg) allein fünfmal getroffen. Sogar noch ein Tor mehr ist dem 1860-Eigengewächs Dennis Dressel geglückt – der 22-jährige zentrale Mittelfeldspieler ließ gegen Halle mit einem Viererpack in nur 30 Minuten aufhorchen.

Bei soviel Offensivpower und einer ordentlichen Abwehr (zehn Gegentore, nur fünf Teams haben weniger) scheint die Rückkehr in die 2. Bundesliga kein bloßes Wunschdenken zu sein. Das sieht auch Dynamos Sechser Yannick Stark, ein ehemaliger „Löwe“, so. Der in München erscheinenden „tz“ sagte der 30-Jährige, er erwarte am Sonntag „eine verdammt harte Aufgabe“. Der TSV stehe „zu Recht da oben“. Für den Routinier, der von 2013 bis 2015 vier Trainer bei den Giesingern erlebte, ist Köllners Team ein heißer Aufstiegskandidat: „Sie waren im Sommer schon nah dran und haben sich jetzt noch mal verstärkt. Es würde mich wundern, wenn sie nicht bis zum Schluss vorne mit dabei bleiben.“

Dynamo verlor letztes Duell 2017 mit 1:2

Nach Platz acht im Vorjahr will der Deutsche Meister von 1966 in dieser Saison definitiv mehr, am liebsten seinen aktuell eroberten Aufstiegsrang bis zum Schluss verteidigen. Das Mittelfeldjuwel Dressel, das von Hermann Hummels (Vater von Ex-Nationalspieler Mats Hummels) beraten wird, redet nicht um den heißen Brei herum. „Wir haben uns jetzt da oben festgebissen“, sagte der seit 2007 bei 1860 ausgebildete Achter dem „Kicker“ mit Blick auf die Tabelle: „Und natürlich wollen wir jetzt so lange wie möglich im Rennen dabei bleiben.“

Zwar liegt Dynamo derzeit vier Punkte hinter den Oberbayern, doch ans Aufgeben denkt bei der Sportgemeinschaft niemand. Mit einem Heimsieg wäre man auf einen Schlag wieder nah dran an den „Löwen“, könnte sie gewissermaßen an der Schwanzquaste packen und ihnen somit den möglichen Sprung an die Tabellenspitze vermasseln. Eine offene Rechnung mit den Sechzgern hat man übrigens auch noch zu begleichen, denn das letzte Aufeinandertreffen am 5. Mai 2017 verloren die Dresdner in der 2. Liga mit Marco Hartmann und Marvin Stefaniak mit 1:2 (0:1). Für eine geglückte Revanche muss dieses Mal aber wohl mehr als ein spätes Hartmann-Tor (89.) fallen, denn 1860 ist auch das aktuell auswärtsstärkste Team der Liga. Die Giesinger haben auf fremden Plätzen noch kein Spiel verloren, dafür aber drei gewonnen und ein Unentschieden geholt.