21. Juni 2020 / 17:36 Uhr

Trotz 1:0-Sieg in Sandhausen: Dynamo Dresden so gut wie abgestiegen

Trotz 1:0-Sieg in Sandhausen: Dynamo Dresden so gut wie abgestiegen

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
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Dynamo Dresden gewinnt in Sanhausen mit 1:0. Da der Karlsruher SC aber fast zeitgleich gegen Arminia Bielefeld ausgleicht, ist der schwarz-gelbe Abstieg so gut wie besiegelt. © dpa
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Die Sportgemeinschaft siegt durch ein spätes Tor von Marco Hartmann mit 1:0. Rechnerisch besteht zwar noch die Möglichkeit auf den Sprung auf Platz 16, die Chancen darauf sind allerdings eher theoretischer Natur.

Sandhausen/Dresden. Einen Spieltag vor dem Ende der Saison ist Dynamo Dresden aus der 2. Fußball-Bundesliga quasi abgestiegen. Die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski konnte am Sonntagnachmittag zwar durch ein spätes Tor von Marco Hartmann (90.) mit 1:0 (0:0) beim SV Sandhausen gewinnen und sich noch einmal vor dem Knockout retten, muss nun aber am letzten Spieltag drei Punkte und stolze 14 Tore auf den Drittletzten aus Karlsruhe aufholen. Ein solches Fußball-Wunder ist aber selbst für kühnste Optimisten nicht vorstellbar, wenngleich der letzte Gegner VfL Osnabrück keine Übermannschaft ist.

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Dynamo Dresden gewinnt in Sandhausen zwar mit 1:0, ist dennoch so gut wie abgestiegen. Zur Galerie
Dynamo Dresden gewinnt in Sandhausen zwar mit 1:0, ist dennoch so gut wie abgestiegen. ©

Mit vier Änderungen in der Startelf ging Kauczinski das letzte Zweitliga-Auswärtsspiel auf unbestimmte Zeit an. Marco Hartmann, Jannis Nikolaou, Marco Terrazzino und Ransford-Yeboah Königsdörffer rückten für die gesperrten Jannik Müller, Ondrej Petrak sowie Sascha Horvath und Josef Husbauer in die Anfangsformation. Doch bevor es losging, legte die Mannschaft auf Wunsch der Gastgeber noch eine Schweigeminute ein, denn die Sandhausener wollten ihres verstorbenen Vorständlers Dieter Herzog gedenken.

Konkurrenz spielt gegen Dynamo

Als Referee Robert Kempter aus Sauldorf dann anpfiff, erwischten die Gastgeber den besseren Start. Julius Biada tauchte nach einem Pass von Robin Scheu am kurzen Pfosten auf, verzog aber aus spitzem Winkel (10.). Routinier Aziz Bouhaddouz kam einmal zum Schuss, wurde aber noch zur Ecke geblockt (17.). Als die Kugel von der Eckfahne hereinflog, stieg Ex-Dynamo Tim Kister zum Kopfball hoch, aber Chris Löwe rettete auf der Linie (17.). Da hätten die im 4-1-4-1 spielenden Dresdner durchaus schon in Rückstand geraten können.

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(1) Kevin Broll: Fängt Freys ersten Warnschuss locker (5.) und sieht früh, dass Biadas Schuss an Freund und Feind vorbeigeht (10.). Wird bei einem Ballfangversuch von Kister umgestoßen und bekommt dafür einen Freistoß (32.). Muss aber nie wirklich sein ganzes Können aufbieten, außer in der Schlussphase, als Dynamo hinten aufmacht. Hält überragend in der 85. Minute gegen Diekmeier und gegen Engels (88.). Note: 3 Zur Galerie
(1) Kevin Broll: Fängt Freys ersten Warnschuss locker (5.) und sieht früh, dass Biadas Schuss an Freund und Feind vorbeigeht (10.). Wird bei einem Ballfangversuch von Kister umgestoßen und bekommt dafür einen Freistoß (32.). Muss aber nie wirklich sein ganzes Können aufbieten, außer in der Schlussphase, als Dynamo hinten aufmacht. Hält überragend in der 85. Minute gegen Diekmeier und gegen Engels (88.). Note: 3 ©

In der Folge erarbeiteten sich die Gäste aber mehr Spielanteile und auch erste Gelegenheiten: Patrick Schmidt verzog nach einer Löwe-Ecke (23.), dann köpfte René Klingenburg am ersten Pfosten eine Ecke von Niklas Kreuzer ins Aus (38.). Terrazzino wurde nach einem schönen Spielzug über Königsdörffer und Schmidt noch in letzter Sekunde geblockt (41.), nachdem Bouhaddouz auf der anderen Seite eine Freistoß-Hereingabe vor Florian Ballas vorbei geköpft hatte (40.). Insgesamt bot die Partie bis zum Seitenwechsel aber wenig Ansehnliches, die Kurpfälzer mussten nicht alles zeigen, die Kursachsen konnten nach dem Kräfteverschleiß der letzten Wochen nicht mehr anbieten. Zudem führte die Konkurrenz aus Wiesbaden mit 1:0 in Darmstadt.

Rot für Löwe

Nach Wiederbeginn gaben sich die Schwarz-Gelben weiter Mühe, sich mit Anstand aus der Liga zu verabschieden. Sie hatten mehr Ballbesitz, doch gefährlich kamen die Dresdner kaum einmal vor das Tor von Martin Fraisl. Sie konnten selbst aussichtsreiche Konter nicht ausspielen – weder Königsdörffer (53.) noch Schmidt (60.) hatten die Kraft und die Konzentration, ihre Vorstöße effektiv zu beenden.

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Jannis Nikolaou (SG Dynamo Dresden): Sehr traurig. Das ist brutal irgendwie. Bis kurz vor Schluss haben wir wiederholt von außen mitbekommen, dass noch alles drin ist. Ich habe bis zum Schluss daran geglaubt, weil ich nichts mehr gehört habe. Beim Sieg war erst mal große Freude, weil ich dachte, wir haben es noch in der Hand. Und dann kam aber die Info, dass es wohl nicht mehr möglich ist. Ein Wechselbad der Gefühle, ich bin gerade sehr traurig. Zur Galerie
Jannis Nikolaou (SG Dynamo Dresden): "Sehr traurig. Das ist brutal irgendwie. Bis kurz vor Schluss haben wir wiederholt von außen mitbekommen, dass noch alles drin ist. Ich habe bis zum Schluss daran geglaubt, weil ich nichts mehr gehört habe. Beim Sieg war erst mal große Freude, weil ich dachte, wir haben es noch in der Hand. Und dann kam aber die Info, dass es wohl nicht mehr möglich ist. Ein Wechselbad der Gefühle, ich bin gerade sehr traurig." ©

Als Darmstadts Serdar Dursun am Böllenfalltor das 1:1 gegen Wiesbaden gelang (63.), mobilisierten Kauczinskis Männer noch einmal die allerletzten Kraftreserven. Simon Makienok konnte aber einen Fehler von Kister nicht nutzen, schoss weit vorbei (66.). Der Trainer brachte jetzt nach Linus Wahlqvist (60.) noch zwei Offensivleute: Sascha Horvath und Patrick Ebert ersetzten Schmidt und Klingenburg (67.). Doch die Hoffnung erhielt wenig später gleich wieder einen Dämpfer, als sich Chris Löwe ein Revanchefoul an Enrique Pena Zauner leistete und die Rote Karte sah (71.).


Abstieg so gut wie sicher

Ein Bärendienst für seine Mannschaft, die kämpferisch alles investierte. Kauczinski brachte auch noch Baris Atik für Königsdörffer in die Partie (81.), doch den nötigen Druck auf Fraisls Tor brachte Dynamo nicht zustande. Man hatte sogar Glück, dass Dennis Diekmeier nur knapp das 1:0 verpasste, als er am langen Pfosten vorbeischoss (84.) und auch Denis Linsmayer Kevin Broll nicht überwinden konnte (86.).

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Die Mannschaft von Dynamo wurde nach dem Spiel gegen Sandhausen von etwa 150 Fans am Flughafen in Dresden empfangen. Zur Galerie
Die Mannschaft von Dynamo wurde nach dem Spiel gegen Sandhausen von etwa 150 Fans am Flughafen in Dresden empfangen. ©

Der eingewechselte Eric Zenga sah dann wegen Meckerns Gelb-Rot, beide Teams spielten nun wieder mit gleicher Personalstärke – und Dynamo kam noch einmal. Ein weiter Abschlag von Broll kam über Makienok, Ebert und Nikolaou zu Hartmann, der das 1:0 erzielte (90.). Es nutzte Dynamo nur nicht viel, denn der Karlsruher SC hatte in der 88. Minute in Bielefeld zum 3:3 ausgeglichen. Rechnerisch abgestiegen ist Dynamo damit zwar noch nicht, aber Dynamo müsste am letzten Spieltag drei Punkte und 14 Tore auf die Karlsruher aufholen. Wie soll das gehen?