24. November 2021 / 14:41 Uhr

Dynamo Dresden kritisiert Wettbewerbsnachteil durch Zuschauer-Ausschluss

Dynamo Dresden kritisiert Wettbewerbsnachteil durch Zuschauer-Ausschluss

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend fürchtet Wettbewerbsnachteile: sportlich, finanziell, atmosphärisch.
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend fürchtet Wettbewerbsnachteile: sportlich, finanziell, atmosphärisch. © Steffen Manig
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Dynamo Dresden muss - genau wie die anderen Vereine in Sachsen - auf Zuschauer verzichten: Anders als die Ligakonkurrenten aus den anderen Bundesländern. Der Zweitliga-Aufsteiger befürchtet durch den Komplett-Ausschluss der Fans wirtschaftliche Einbußen und atmosphärische Störungen.

Dresden. Der Beschluss der sächsischen Landesregierung, angesichts der explodierenden Anzahl von Corona-Erkrankungen im Freistaat die Durchführung von Profisport nur noch ohne die Anwesenheit von Zuschauern in Stadien und Sporthallen zu erlauben, stößt bei den Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden auf ein geteiltes Echo. Während die Geschäftsführung der Schwarz-Gelben grundsätzlich Maßnahmen gegen den Anstieg der Infektionszahlen begrüßt und auch mit ihrer Verschärfung rechnete, hält sie die für vorerst bis zum 12. Dezember gültige Verbannung der Fans aus den Arenen für problematisch.

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Der kaufmännische Geschäftsführer Jürgen Wehlend zweifelt nicht am Ernst der Lage in den Krankenhäusern, denen vielerorts in Sachsen die Überlastung droht. Wehlend sagte in einer am Mittwochnachmittag vom Verein verbreiteten Presseerklärung: „Unsere oberste Aufgabe rund um die gemeinsame Bewältigung der Coronavirus-Pandemie ist es, Menschenleben zu retten. Umso bedrückender ist es, in welch dramatische Situation sowohl Deutschland als auch insbesondere der Freistaat Sachsen trotz verschiedenster Warnungen und Empfehlungen geraten sind. Angesichts der hohen Infektionszahlen und der hohen Belastung der Krankenhäuser sowie des medizinischen Personals war eine Anpassung der Gesetzeslage erwartbar – wenngleich wir der Auffassung sind, dass ein erneuter Lockdown durch ein frühzeitigeres und weitsichtigeres Agieren hätte vermieden werden können.“

Der seit Jahresbeginn in Dresden tätige Finanz-Experte fürchtet durch die neue Corona-Schutzverordnung wieder erhebliche finanzielle Verluste für den Club, obendrein Nachteile im sportlichen Wettstreit mit der Konkurrenz, die außerhalb Sachsens noch auf die Unterstützung durch ihre Fans im Stadion bauen kann. Wehlend erklärte: „Die Entscheidungen, so notwendig sie angesichts der mittlerweile entstandenen Situation sind, bringen Veranstalter wie die SG Dynamo Dresden erneut unverschuldet in wirtschaftliche und atmosphärische Schwierigkeiten.“

Becker bedankt sich bei Fans

Er beklagte, dass – seiner Meinung nach – monatelang erfolgreich erprobte Schutzmaßnahmen für den Aufenthalt der Fans im Stadion vorerst in den Schubladen verschwinden müssen. Wehlend machte aus seinem Verdruss keinen Hehl: „Wir machen Fußball für Menschen – es ist ermüdend, dass weder funktionierende noch verschärfte Hygienekonzepte im Rudolf-Harbig-Stadion überhaupt keine Anwendung finden dürfen.“

Sein Geschäftsführer-Kollege Ralf Becker, bei Dynamo zuständig für den Sport, fürchtet, dass die aktuell auf Rang 13 liegende Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt benachteiligt wird. Ohne die Anfeuerung der Fans im Stadion könnte den Spielern in entscheidenden Phasen ein Schub an Extramotivation fehlen. Becker wird wie folgt zitiert: „Wir hatten so sehr darauf gehofft, die Phase der ‚Geisterspiele‘ hinter uns lassen zu können. Natürlich ist es sowohl sportlich als auch atmosphärisch und wirtschaftlich ein Wettbewerbsnachteil, dass wir – neben Leipzig und Aue – der einzige Standort im deutschen Profifußball sind, der vor leeren Rängen spielen muss.“

Becker dankte den Fans, die Dynamo bisher trotz mancher Einschränkung „großartig“ unterstützt hätten. Man versuche nun, die beim Heimspiel gegen Karlsruhe (5.12.) und beim Sachsenderby in Aue (12.12.) fehlenden Sympathisanten daheim am Fernseher, Handy oder Laptop „glücklich zu machen“. Man sehne sich nach Normalität, nach einem Ende der Pandemie, so Becker. Der Schwabe appellierte deshalb: „Vor diesem Hintergrund ist es wichtiger denn je, Impfangebote flächendeckend anzunehmen und somit einen Beitrag für den eigenen Gesundheitsschutz sowie den unserer Mitmenschen zu leisten.“