15. September 2020 / 20:38 Uhr

Dynamo Dresden möchte Gert Heidler und Christoph Franke ehren

Dynamo Dresden möchte Gert Heidler und Christoph Franke ehren

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
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Gert Heidler (l.) war als Spieler ein Ass bei Dynamo, Christoph Franke feierte als Trainer Erfolge. © imago, Picture Point/Montage
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Das Präsidium der Sportgemeinschaft schlägt den Olympiasieger von 1976 als Ehrenspielführer vor, Ex-Trainer Franke soll Ehrenmitglied werden. Alles andere als die einhellige Zustimmung der Mitglieder am 14. November wäre eine Überraschung.

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Dresden. In der Halbzeitpause des denkwürdigen Pokalspiels gegen den Hamburger SV (4:1) bat Dynamo-Präsident Holger Scholze um das Mikrofon. Als er es in der Hand hielt, erklärte Scholze, das Präsidium der Schwarz-Gelben werde auf der kommenden Mitgliederversammlung am 14. November zwei verdienstvolle Persönlichkeiten für besondere Ehrungen vorschlagen.

Stimmen die Mitglieder zu, dann soll der frühere Dresdner Auswahlstürmer Gert Heidler Ehrenspielführer, der einstige Erfolgstrainer Christoph Franke Ehrenmitglied des Vereins werden. Beide erfüllen unzweifelhaft alle Kriterien, die in der Beitrags- und Ehrenordnung für Kandidaten formuliert wurden, die für derart hohe Auszeichnungen in Frage kommen.

DURCHKLICKEN: Die Ehrenspielführer von Dynamo Dresden

Hans-Jürgen Kreische (re. vor dem Europapokalspiel gegen Leeds United 1970) war in den 60-er und 70-er Jahren als offensiver Mittelfeldspieler bei Dynamo der Torjäger vom Dienst. Der Sohn von Hans Kreische, der einst an der Seite von Helmut Schön für den DSC-Nachfolger SG Friedrichstadt und später auch für den neuen Klub Dynamo spielte, war der erste Dresdner Nationalspieler seit der Verpflanzung Dynamos 1954 nach Berlin. Kreische junior (Jahrgang 1947) bestritt von 1957 bis 1978 genau 234 Oberliga-Spiele und schoss 127 Tore. Er wurde mit Dynamo fünfmal DDR-Meister, einmal Pokalsieger und absolvierte 50 Länderspiele (25 Tore) für die DDR. 1972 gewann er Olympia-Bronze in München und nahm 1974 an der WM in der Bundesrepublik teil. Beim legendären 1:0 der DDR-Auswahl über den Gastgeber stand er in Hamburg auf dem Rasen. Nach der Wende war er auch Nachwuchs- und Cheftrainer bei Dynamo und arbeitet gegenwärtig im Scouting seines Heimatvereins. Zur Galerie
Hans-Jürgen Kreische (re. vor dem Europapokalspiel gegen Leeds United 1970) war in den 60-er und 70-er Jahren als offensiver Mittelfeldspieler bei Dynamo der Torjäger vom Dienst. Der Sohn von Hans Kreische, der einst an der Seite von Helmut Schön für den DSC-Nachfolger SG Friedrichstadt und später auch für den neuen Klub Dynamo spielte, war der erste Dresdner Nationalspieler seit der Verpflanzung Dynamos 1954 nach Berlin. Kreische junior (Jahrgang 1947) bestritt von 1957 bis 1978 genau 234 Oberliga-Spiele und schoss 127 Tore. Er wurde mit Dynamo fünfmal DDR-Meister, einmal Pokalsieger und absolvierte 50 Länderspiele (25 Tore) für die DDR. 1972 gewann er Olympia-Bronze in München und nahm 1974 an der WM in der Bundesrepublik teil. Beim legendären 1:0 der DDR-Auswahl über den Gastgeber stand er in Hamburg auf dem Rasen. Nach der Wende war er auch Nachwuchs- und Cheftrainer bei Dynamo und arbeitet gegenwärtig im Scouting seines Heimatvereins. ©

Als Scholze das Duo nach eingehender Prüfung aller Fakten vom Vorhaben des Präsidiums in Kenntnis setzte, hätten sich beide sehr gefreut: "Gert Heidler fühlt sich allein durch den Vorschlag sehr geehrt. Er würde den Titel auch annehmen. Christoph Franke war regelrecht gerührt. Er war überrascht und hat spontan erzählt, wie schwer er es als Spieler einst gegen Gert Heidler und Dieter Riedel auf dem Platz hatte. Beide - Heidler wie Franke - verfügen über einen tadellosen Leumund."

Nur Kreische mit mehr Treffern auf Europas Bühnen

Gert Heidler prägte den Dresdner Kreisel in den Siebziger Jahren maßgeblich mit, der Lausitzer wurde mit Dynamo fünfmal Meister und dreimal Pokalsieger. Der Höhepunkt in der Karriere des 1968 von Motor Bautzen zu Dynamo Dresden gewechselten Flügelstürmers (12 A-Länderspiele) war der Olympiasieg mit der DDR-Auswahl 1976 in Montreal. In 267 Oberliga-Spielen schoss der heute 72-Jährige 49 Tore. 58 Mal spielte er im Europapokal für die Dresdner, erzielte dabei 16 Tore.

Der stille Star gilt bis heute als echter Sportsmann, Skandale waren und sind ihm fremd. Nicht zufällig gab es in den letzten Jahren immer wieder Forderungen, ihn zum Ehrenspielführer zu ernennen. Er wäre der neunte nach Wolfgang Oeser, Reinhard Häfner (beide leider verstorben), Klaus Sammer, Hans-Jürgen Kreische, Hans-Jürgen Dörner, Dieter Riedel, Hartmut Schade und Ulf Kirsten.

Nur Hans-Jürgen Kreische gelang auf Europas Bühnen noch ein Treffer mehr. Bis 1982 war Heidler bei Dynamo am Ball, seine Karriere beendete er als 34-Jähriger mit dem Finalsieg im FDGB-Pokal (5:4 im Elfmeterschießen gegen den BFC).

Franke führt den Verein in die 2. Bundesliga

Gespielt hat Christoph Franke nie für Dynamo, mit Lok Leipzig und dem FC Karl-Marx-Stadt nur gegen die Schwarz-Gelben und dabei verlor er oft. Aber der ehemalige DDR-Oberliga-Spieler, geboren in Mülsen St. Jakob bei Zwickau, erwarb sich auf andere Weise große Verdienste für die Sportgemeinschaft. Als Trainer übernahm er Dynamo 2001 in schwieriger Zeit, als der Verein am Boden lag und in der Viertklassigkeit der Insolvenz entgegen schlitterte.

Dank zweier Aufstiege (2002 und 2004) führte er den ehemaligen DDR-Meister und Ex-Bundesligisten bis in die 2. Bundesliga. Der sportliche Erfolg sicherte zugleich maßgeblich das wirtschaftliche Überleben des damals hoch verschuldeten Vereins. Im Bundesliga-Unterhaus schaffte der heute 75-Jährige im ersten Jahr sensationell Platz acht.

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Erst im Dezember 2005 endete seine Amtszeit nach einer Niederlagenserie, doch die Fans verabschiedeten ihn mit Tränen in den Augen. "Danke, Franke!" - diesen Spruch hatten sie in den Jahren zuvor mühelos eingeübt. Bis heute ist der in Burkhardtsdorf bei Chemnitz wohnende Rentner der Dynamo-Trainer mit der längsten Amtszeit nach der Wende. Bis heute genießt der ehemalige Assistent von Hans Meyer in Chemnitz auch Kultstatus in Dresden.